Zusammenfassung
- RFC 5111 schuf einen befristeten Prozessversuch für Vorhaben, deren Relevanz und Interesse erkennbar waren, deren WG-Aufnahmekriterien aber noch nicht vollständig erfüllt waren.
- Das EG nutzte WG-Prüfung, Offenheit, Vorsitz, Infrastruktur und Dokumentverfolgung, durfte jedoch keine Standards-Track-Dokumente oder Protokollspezifikationen als Meilensteine haben.
- Erst ein gesondertes IESG-Votum konnte nach den Grundmeilensteinen eine Working Group schaffen.
Nach einem BOF kann ein Vorschlag zu konkret sein, um wieder ins Unsichtbare zu fallen, und zu unklar, um schon eine WG zu rechtfertigen. Das EG sollte diese Lücke bearbeiten. Es sollte sie nicht dauerhaft bewohnen.
RFC 2418 verlangt klare, erreichbare Ziele, genügend Mitwirkende und Fachwissen, erkennbare Nutzer, einen angemessenen IETF-Auftrag, beherrschte Überschneidungen, verstandene Schutzrechte und eine offene Arbeit. Interesse allein schließt diese Fragen nicht.
Ein benannter Zwischenraum
Das IESG konnte ein EG vorschlagen, wenn Relevanz und Interesse nachgewiesen waren, aber mindestens ein Kriterium offenblieb. Das EG konnte ganz am Anfang oder zwischen einem BOF und der WG liegen. Nach einem zweiten BOF wurde seine Bildung nicht empfohlen.
Damit erhielt die Vorarbeit einen öffentlichen Status. Zugleich blieb sichtbar, dass eine Zulassungsfrage offen war. Ein EG war weder Ablehnung noch Vorabgenehmigung.
Der Auftrag endete vor dem Protokoll
Zwei Grundmeilensteine gehörten in die Charta: ein Entwurf der künftigen WG-Charta und ein Dokument zum Nachweis der RFC-2418-Kriterien. Problembeschreibung, Anforderungen, Literatur- oder Praxisübersicht konnten hinzukommen, solange sie das Grundprogramm nicht gefährdeten.
Standards-Track-Dokumente und Protokollspezifikationen durften nicht als EG-Meilensteine aufgenommen werden.
Diese Regel verhinderte institutionelle Selbstermächtigung. Beginnt die technische Spezifikation vor der Mandatsentscheidung, schaffen Code und externe Erwartungen Bindungen. Die spätere Prüfung muss dann gegen versunkene Kosten statt anhand der ursprünglichen Kriterien entscheiden.
Befristung als Ausstiegssicherung
Sechs bis zwölf Monate waren vorgesehen, sechs als Regelfall. Das IESG konnte einmal um weitere sechs Monate verlängern; mehr wurde nicht empfohlen.
Bei einer Verlängerung zählt nicht, wie voll der Kalender war. Entscheidend ist, ob die Menge ungelöster Kriterien kleiner wurde. Bleiben Abgrenzung, Fähigkeiten oder IETF-Rolle unverändert, hat Aktivität keine Zulassungsreife erzeugt.
Ohne Enddatum wird der Zwischenraum zur Gewohnheit. Ein Name sammelt Anhänger, Dokumente werden zu Positionen und das Provisorium gewinnt faktische Autorität.
Gleiches Betriebssystem, andere Verfassung
IAB- und IESG-Prüfung, Ankündigung, Community-Kommentare, offene Regeln, Sitzungen, Tracking, PROTO shepherding, Vorsitz und WGCHAIRS funktionierten wie bei einer WG. Der Name sollte EG enthalten, um die Differenz zu markieren.
Das Betriebssystem erzeugte Nachvollziehbarkeit. Es übertrug kein Mandat. Vorsitz bewies Zuständigkeit für Koordination, nicht für Standardisierung. Ein verfolgter Entwurf bewies Bearbeitung, nicht Konsens.
Der Prozessversuch hatte eigene Grenzen
Auf Grundlage von RFC 3933 lief das Experiment achtzehn Monate und umfasste höchstens drei EGs. Das IESG musste jede Bildung öffentlich erklären. Die Regeln von RFC 2418 und der Standardsprozess von RFC 2026 blieben unangetastet.
Getestet wurde eine formale Vorstufe, kein alternativer Weg zum Standard.
Erfolg hieß Entscheidungsreife
Ohne Fortschritt bei den Grundmeilensteinen war das EG nicht erfolgreich, auch wenn optionale Texte gut waren. Fristgerechte Ergebnisse und positive Rückmeldungen mussten das IESG zu einer Abstimmung über die WG führen.
Mailinglistenverkehr konnte fortbestehendes Interesse anzeigen. Wenig Verkehr sprach gegen eine Verlängerung. Viel Verkehr ersetzte aber weder klare Ziele noch Fachwissen oder gelöste Überschneidungen.
Interesse, EG, Meilensteine, Rückmeldung, IESG-Votum, WG, Spezifikation, Standardstatus und Betrieb sind getrennte Nachweise.
Quellen
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc5111.html
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc5111.txt
- https://www.rfc-editor.org/info/rfc5111
- https://www.rfc-editor.org/errata/rfc5111
- https://datatracker.ietf.org/doc/rfc5111/
- https://datatracker.ietf.org/doc/rfc5111/history/
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc2418.html
- https://www.rfc-editor.org/info/rfc2418
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc3933.html
- https://www.rfc-editor.org/info/rfc3933
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc2026.html
- https://www.rfc-editor.org/info/rfc2026
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc2119.html
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc5434.html
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc3935.html
- https://heng.lu/running-code-primary-the-patch-needed-to-preserve-the-internet-original-design/
- https://heng.lu/minimum-initial-specification-localized-future-decision-voluntary-adoption-internet-coordination-system/
- https://heng.lu/on-reality-layers-symbolic-power-and-why-clarity-feels-so-hostile/
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