Zusammenfassung

  • mipEnable und verwaltbare Security Associations zeigen, dass die MIB nicht nur Sensor, sondern auch Eingriffsebene ist.
  • Ohne getrennte Rechte und Schreib-Audit kann ein korrekter Messwert nicht erklären, ob Protokollbetrieb oder Management-Eingriff den Zustand erzeugte.

mipEnable wirkt unscheinbar: ein Objekt, das Mobile IP ein- oder ausschalten lässt. Für die Beweiskette ist es zentral. Wer es schreiben darf, kann genau jene Registrierungen und Zähler verändern, die später als Betriebsbefund erscheinen. Dasselbe gilt für Security Associations, die über Management angelegt werden können.

Die erste Frage an eine Zeitreihe lautet deshalb nicht „Was ist gestiegen?“, sondern „Wer konnte den beobachteten Zustand ändern?“ Erst Schreibprotokoll, Rechtekontext und sysUpTime trennen einen Eingriff vom natürlichen Protokollverlauf.

RFC 2006 ordnete die MIP-MIB unter mib-2 44 nach Mobile Node, Foreign Agent und Home Agent. Der geringe Objektumfang war Absicht: Konfiguration und Fehlersuche sollten möglich werden, ohne aus der Management-Schnittstelle ein vermeintlich vollständiges Weltsystem zu machen.

Die Eingriffsebene hinter den Rollen

mipEntities nennt die unterstützten Rollen Mobile Node, Foreign Agent und Home Agent; mehrere Bits können gesetzt sein. mipEnable fordert Aktivierung oder Deaktivierung an, mipEncapsulationSupported listet Fähigkeiten. Ein Rollenbit belegt keinen bedienten Verkehr. Eine erfolgreiche Schreiboperation beweist nicht, dass alle Discovery- und Registrierungsaktivitäten endeten. Ein Fähigkeitsbit zeigt weder den ausgehandelten Tunnel noch ein transportiertes Datagramm.

Beim Mobile Node unterscheidet mnState home, registered, pending, isolated und unknown. Die Foreign-Agent-Tabelle wird aus empfangenen Advertisements aufgebaut und altert mit deren Ablauf. Zähler erfassen Solicitations, Advertisements, fehlerhafte Erweiterungen sowie Bewegungen und Neustarts, die der Node „erkannt“ hat. Erkennung ist eine Implementierungsentscheidung: Sie beweist keine physische Bewegung und keine Ursache für eine geänderte Sequenznummer.

Die Registrierungstabelle verbindet Agent- und Care-of-Adresse, Flags, Identification, angeforderte und verbleibende Dauer, Sendezeit und Annahmestatus. Requests, Replies und Wiederholungen aktualisieren diese lokale Geschichte. Sie ist weder Paketmitschnitt noch globales Transaktionsjournal.

Messwerte nach dem Eingriff

Der Foreign Agent zählt gültige empfangene und weitergeleitete Requests, Ablehnungen, Replies, Authentisierungsfehler und missgebildete Nachrichten. Der Home Agent verwaltet Mobilitäts-Bindings und Gesamt- oder Pro-Node-Statistiken. Ähnliche Zahlen dürfen nicht als dieselben Transaktionen gelesen werden: Wiederholung, Verlust, Ablehnung, Neustart und Abfragezeitpunkt liegen dazwischen.

Auch eine Binding-Zeile sieht nicht den ganzen Weg. Sie zeigt, dass der Home Agent Home-Adresse, Care-of-Adresse, empfangene Quelladresse, Flags, Identification und Lebensdauer zum Lesezeitpunkt behielt. Sie zeigt nicht, ob ein Paket die Care-of-Adresse erreichte, entkapselt wurde, den letzten Link überquerte oder bei einer Anwendung ankam.

Der Datentyp gehört zum Befund. Counter32 läuft über. Ein Gauge32 für die Restlebensdauer ist eine Momentaufnahme. TimeStamp hängt an der sysUpTime-Epoche und nicht automatisch an einer absoluten Uhrzeit. Die gesamte Servicezeit wird seit dem letzten Neustart des Home Agents gezählt. Ohne Breite, Epoche und Messintervall kann eine Differenz Kontinuität vortäuschen.

Geheimnis und Meldung sind verschieden

Die Tabelle der Security Associations ist nach Peer-Adresse und SPI indexiert. Ein Schlüssel kann über Management angelegt werden, muss beim Lesen aber als Wert der Länge null erscheinen. Die Leere schützt das Geheimnis; sie belegt nicht, dass keines vorhanden ist.

Violation-Objekte halten den zuletzt gemeldeten Kontext aus Adresse, SPI, Identification, Zeit und Grund fest. Die optionale Meldung mipAuthFailure überträgt einen Teil davon, wenn die Prüfung eines Registration Request oder Reply scheitert. Das ist ein Ermittlungsansatz, keine Personenidentifikation. Der Bericht trennt kompromittierten Host, Fälschung und veralteten Kontext nicht von selbst und beweist nicht die lückenlose Zustellung aller Meldungen.

RFC 2006 lässt sich deshalb als Gewaltenteilung für Betriebsdaten lesen. Die Implementierung klassifiziert, der Agent speichert, die Zugriffskontrolle begrenzt Sicht und Handlung, das Management fragt ab oder schreibt, und der Betreiber zieht Schlüsse. Geräteidentität, Schreib-Audit, Kontrollspuren und Datenebenenmessung halten diese Rollen überprüfbar. Werden sie zusammengelegt, kann die Schnittstelle ihre eigene Wahrheit produzieren.

Quellen