Zusammenfassung

  • RFC 9860 übersetzt die TI-LFA-Reparaturliste in RPF-Vektoren, damit PIM den sekundären Baum Hop für Hop aufbauen kann.
  • Berechnung, Bereitschaft und UMH-Umschaltung sind lokale Zustände; sie belegen weder lückenlose Pakete noch die Erholung aller Empfänger.
  • Ein belastbarer Befund verbindet Topologieversion, Eignung, PIM-Zustand, Fehlererkennung, Datenverkehr und Dienstmessung.

Warum der Unicast-Tunnel nicht genügt

TI-LFA berechnet ein Ausgangsinterface und eine Segmentfolge, die die geschützte Ressource vermeidet. Für Unicast kann diese explizite Anweisung genügen. Ein Multicast-Baum verlangt an jedem Zwischenrouter einen Eingangsweg, einen Upstream-Nachbarn und Ausgangsinterfaces. Würde ein Join nur getunnelt, fehlte den übersprungenen Routern der PIM-Zustand zur Replikation.

RFC 9860 ordnet deshalb Node SIDs und Adjacency SIDs über die LSDB IP-Adressen zu. Der RPF Vector aus RFC 5496 trägt eine Knotenadresse, der Explicit RPF Vector aus RFC 7891 kann den Adjazenznachbarn angeben. Jeder Router verarbeitet den führenden Vektor und gibt den Join weiter. So wird aus einer Unicast-Reparaturinformation ein sekundärer PIM-Baum mit Zustand auf jedem Hop.

Beim MoFRR tritt ein Merge Point zugleich einem primären und einem möglichst diversen sekundären Upstream bei. Beide Datenströme kommen an, die sekundäre Kopie wird normalerweise verworfen. Nach erkannter Störung kann der Router den sekundären UMH lokal hochstufen. RFC 9860 erweitert die Topologien, in denen dieser vorbereitete Weg möglich ist.

Fünf getrennte Belegstellen

Der Topologiebeleg nennt LSDB-Generation, Metriken, SIDs und geschützten Link oder Knoten. Der Geltungsbereich endet an der Grenze des Link-State-IGP-Gebiets; Domain Exits und angeschlossene andere Routingdomänen sind nicht geschützt. Eine alte Topologie kann eine formal gültige, praktisch falsche Reparatur liefern.

Der Eignungsbeleg zeigt, dass alle Knoten auf dem Backup-Join-Pfad RPF Vector verstehen und die Konfiguration seine Verwendung zulässt. RFC 9860 weist darauf hin, dass bei einem Konflikt ein Join ohne Vektor Vorrang erhalten kann; der Schutz bleibt dann inaktiv. Eine berechnete Liste bedeutet nicht, dass der konkrete (S,G)-Strom einen scharfen Ersatzbaum besitzt.

Der Aufbaubeleg verfolgt den Join über die erwarteten Nachbarn und prüft den Zustand an jedem Hop. Die RFC empfiehlt diese Kontrolle und nennt Mtrace als Diagnosehilfe. Mtrace belegt jedoch keinen Anwendungsempfänger. RFC 7431 erklärt zudem, dass ping und mtrace den normalerweise verworfenen sekundären Datenstrom nicht testen.

Der Aktivierungsbeleg beginnt mit einem genau benannten Ereignis. Linkzustand, BFD, ausbleibende Pakete und IGP-Rücknahme laufen auf verschiedenen Uhren. Nach RFC 9855 ist TI-LFA lokal vom Erkennen des Fehlers bis zur IGP-Konvergenz am Reparaturpunkt aktiv. Andere Router können noch einen anderen Zustand haben. Frühes Freigeben und Linkwiederkehr bringen eigene Mikroloop-Risiken; PIM-Mikroloop-Vermeidung liegt außerhalb von RFC 9860.

Der Ergebnisbeleg misst Paketlücken, Duplikate, Reihenfolge und Interfacezähler am Merge Point sowie die Reichweite auf mehreren Empfängerzweigen. Erst Puffer-, Decoder- oder Anwendungswerte sagen, ob der Dienst sein Ziel wieder erreicht. Die Wahl eines anderen UMH ist ein Steuerungsereignis, kein End-to-End-Urteil.

50 Millisekunden sind eine Messdefinition

RFC 7431 hält 50 ms unter passenden Bedingungen für möglich und beschreibt eine RTP-Auswahl, bei der null Paketverlust möglich ist. Eine andere Erkennung wartet auf einen aus der bekannten Paketrate abgeleiteten Abstand; ihre Dauer hängt zwangsläufig vom Stream ab. Daraus folgt kein allgemeines Leistungsversprechen.

Eine Messung braucht Anfang und Ende: physischer Ausfall, BFD-Übergang, UMH-Wechsel oder erstes fehlendes Paket; danach erstes Reparaturpaket, stabile Sequenz, letzter Empfänger oder Anwendung innerhalb der Vorgabe. Ohne diese Marken vermischt eine Zahl mehrere Wirklichkeitsebenen.

Die kleinste belastbare Kette verbindet Topologie und Ressource, Reparaturliste, Vektorfähigkeit, sekundären Join, Hop-Zustand, Fehlerereignis, UMH-Wahl, Pakete am Merge Point, repräsentative Empfänger und Dienstzustand. Heng Lus Vorrang laufenden Codes und seine Wirklichkeitsebenen liefern dafür die Leitlinie: Der Standard beschreibt das gemeinsame Verfahren; jede weitere Schicht muss ihren eigenen Nachweis erbringen.

Quellen