Zusammenfassung

  • max_udp_payload_size ist eine authentifizierte, einseitige Erklärung der maximalen UDP-Nutzlast, die der erklärende Endpunkt zu empfangen bereit ist, keine Pfadmessung.
  • Die QUIC-Datagrammgröße ist die UDP-Nutzlast ohne IP- und UDP-Header; PMTU ist die maximale Größe des vollständigen IP-Pakets, das der Pfad ohne Fragmentierung transportieren kann.
  • Die maximale UDP-Nutzlast ist die anwendbare PMTU abzüglich IP- und UDP-Header; zusätzlich gelten Peergrenze sowie aktuelle PMTUD- oder DPLPMTUD-Evidenz.

Die Verwechslung beginnt oft mit einer Beschriftung im Dashboard. Ein Transportparameter, der während des kryptografischen Handshakes empfangen wurde, wird als „MTU“ angezeigt und dadurch zu einer Aussage über die gesamte Strecke. RFC 9000 meint etwas anderes. max_udp_payload_size ist eine Eigenschaft des erklärenden Endpunkts: Er gibt an, welche maximale UDP-Nutzlast er zu empfangen bereit ist. Für den Sender ist das eine zusätzliche Beschränkung, aber keine Messung des Pfads, kein Pfadzustand und keine Garantie für eine sichere Paketgröße.

Die Authentifizierung im kryptografischen Handshake ändert die Bedeutung nicht. Der Wert wird im Handshake übermittelt und danach verfügbar und geprüft. Damit sind Herkunft und Unverfälschtheit der Erklärung belegt, nicht aber die Kapazität der dazwischenliegenden Netzelemente. Der Standardwert beträgt 65527, die maximal zulässige UDP-Nutzlast. Daraus folgt nicht, dass der Pfad diese Größe trägt. Werte unter 1200 sind ungültig und führen zur Behandlung eines Transportparameterfehlers.

Ein UDP-Datagramm kann ein oder mehrere vollständige QUIC-Pakete enthalten. Die Datagrammgröße nach RFC 9000 ist die gesamte UDP-Nutzlast einschließlich QUIC-Headern und geschützter Nutzdaten, jedoch ohne IP- und UDP-Header. PMTU ist dagegen die maximale Größe des vollständigen IP-Pakets, das ein bestimmter Pfad unter den gegebenen Bedingungen ohne Fragmentierung transportieren kann. Die entsprechende maximale UDP-Nutzlast ergibt sich aus PMTU minus IP-Header und UDP-Header. PMTU und maximale UDP-Nutzlast sind nicht austauschbar. Der PMTU kann sich mit der Zeit ändern und für jedes lokale und entfernte Adresspaar anders sein.

Ein QUIC-Pfad muss mindestens 1200 Byte UDP-Nutzlast unterstützen. Ohne PMTUD oder DPLPMTUD sollten Endpunkte nicht über 1200 Byte senden. UDP-Datagramme mit QUIC dürfen auf IP-Ebene nicht fragmentiert werden; bei IPv4 soll das Don't-Fragment-Bit möglichst gesetzt werden. Bevor der Peerwert bekannt ist, besteht oberhalb von 1200 ein Verlustrisiko. Danach ist die Sendgrenze das Minimum aus Peergrenze und der aus dem aktuellen PMTU abgeleiteten UDP-Nutzlast. Das Aufweiten von Initial-Datagrammen auf 1200 Byte belegt nur die Protokolluntergrenze.

PMTUD nutzt ICMP. Eine Meldung über ein zu großes Paket muss mit Adressen, Ports und möglichst der QUIC-Verbindungskennung abgeglichen werden. Nur aus einer ICMP-Aussage darf der PMTU nicht erhöht werden. DPLPMTUD prüft mögliche Größen mit bestätigten Sonden und führt je lokalem und entferntem Adresspaar den Zustand anhand bestätigter oder verlorener Sonden. Der Verlust einer Sonde ist kein zuverlässiger Überlastungsnachweis und darf allein keine Überlastungsreaktion auslösen; Sonden verbrauchen jedoch das Überlastungsfenster.

Der Evidenzdatensatz muss Verbindungs- und Beobachtungszeit, Adresspaar, erklärenden Endpunkt, authentifizierten max_udp_payload_size-Wert und Zeitpunkt seiner Verfügbarkeit, einen für 0-RTT maßgeblichen gespeicherten Wert, den aktuellen PMTU und die daraus abgeleitete UDP-Nutzlast, Methode und Zustand von PMTUD oder DPLPMTUD, Sondengrößen und Ergebnisse, validierte ICMP-Hinweise, IP-Version, Annahmen zu Headern und Fragmentierungspolitik, Anwendungsnutzlast, QUIC-Overhead und das Zusammenfassen mehrerer Pakete in einem Datagramm sowie Verlust, Überlastung, Durchsatz, Latenz, Abschluss und Anwendungsergebnis getrennt erfassen.

Kein einzelnes Feld beweist Leistung oder Erfolg.

HIST-008 behandelt die Geschichte von PMTUD; TR-039 das Dreifache-Anti-Amplification-Budget; TR-049 das Zusammenfassen mehrerer QUIC-Pakete in einem Datagramm; TR-046 die Autorität der Flusssteuerung; TR-040 Verbindungskennungen und Migration. Keines davon liefert die Größenmessung für das aktuelle Adresspaar.