Zusammenfassung

  • Der IESG genehmigte draft-ietf-mpls-mna-ps-hdr-19 am 17. August 2026 zur Veröffentlichung als Proposed Standard. P-Bit, Offsets, Basis-Header und Längenregeln machen den Post-Stack MPLS Header auffindbar und prüfbar; sie belegen keine Implementierung oder Ausführung.
  • Reicht die Readable Label Depth eines Transitknotens nicht für den vollständigen PSMH, überspringt er laut Entwurf dessen Verarbeitung. Erfolgreiche Zustellung und korrekte Codierung ersetzen daher keinen Nachweis pro Knoten.

Ein gültiges Paket kann ein unvollständiges Ergebnis verdecken

Der Einstieg ist ein Prüffall, kein gemeldeter Vorfall. Der P-Bit-Hinweis kann stimmen, Start und Ende können zusammenpassen, die Längenbilanz kann korrekt sein und der Egress kann ein gültiges Paket sehen. Trotzdem kann in der Mitte eine vorgesehene Aktion fehlen.

Bei genau dieser unzureichenden Lesetiefe verlangt der Text keinen pauschalen Drop. Der Transit überspringt die Post-Stack-Verarbeitung und leitet weiter. „Angekommen“ ist somit kein Ersatz für „an jedem vorgesehenen Knoten ausgeführt“.

Betrieblich sind drei Aussagen zu trennen: Die Aktion wurde codiert; der Knoten lag in ihrem Scope; der Knoten führte sie aus. Es handelt sich um Paketstruktur, Pfadentscheidung und lokale Evidenz.

Der neue Header löst die Ortsfrage

Bis zur Veröffentlichung durch den RFC Editor bleibt Version 19 ein Internet-Draft; mehrere Werte stehen noch auf TBA. Die IESG-Entscheidung ist ein Standardisierungsschritt und keine Bescheinigung für Anbieter, ASICs oder Produktionsnetze.

Der MNA Sub-Stack bleibt im MPLS-Label-Stack. Im Format B zeigt das P-Bit einen zugehörigen Post-Stack MPLS Header hinter dem Bottom of Stack an. Dessen Basis enthält First Nibble, Länge und Typ; darauf folgen Aktionen und Ancillary Data.

Vor dem PSMH können ein Pseudowire Control Word, ein Generic Associated Channel oder andere Strukturen stehen. Ein Start-Offset lokalisiert ihn in Vier-Byte-Wörtern ab BoS. Beim ersten NAS kann ohne Offset null gelten; ein späterer P-Bit-NAS benötigt seine Position. Ein optionaler End-Offset lässt Tiefe und Umfang bestimmen, bevor der Container selbst geparst wird.

Die deklarierte Länge reicht von einem bis 255 Wörtern nach dem Basis-Header und muss der Summe der Aktionen entsprechen. Falsches First Nibble, ungültige oder widersprüchliche Offsets und gebrochene Längen machen das Paket malformed und erzwingen einen Drop – unabhängig von der Unknown-Action-Regel.

Damit wird der Ort mechanisch prüfbar. Ob ein bestimmter Router ihn erreicht, ist eine andere Frage.

RLD wird zur Zulassungsbedingung des Pfads

Readable Label Depth zählt hier nicht mehr Label-Einträge, sondern Vier-Byte-Wörter ab der Spitze des Stacks. So kann eine Fähigkeit auch den Bereich hinter dem BoS beschreiben.

Der Pfadselektor benötigt die Post-Stack-MNA-Fähigkeit der betroffenen Transit- und Egressknoten, die Path MTU und deren RLD. Der Encapsulator darf keinen PSMH hinzufügen, wenn der Egress ihn nicht unterstützt, wenn ein Transit beim Entfernen des NAS das P-Bit nicht beherrscht oder die MTU überschritten würde.

Wie Fähigkeit, MTU und RLD ermittelt werden, ist nicht festgelegt. Konfiguration sowie Management- und Control-Protokolle sind mögliche Quellen. Der Paketstandard liefert also keine automatisch aktuelle Capability-Datenbank.

Jede RLD-Angabe braucht Herkunft, Zeitpunkt und technische Bindung. Kartentausch, Software-Rollback, Feature-Schalter oder ein gewachsener Stack können sie entwerten. Eine alte Maximalangabe produziert ein formal korrektes Paket mit selektiv fehlender Wirkung.

Malformed, unknown und zu tief sind verschiedene Fälle

Ein strukturell fehlerhafter PSMH wird verworfen. Eine unbekannte Aktion folgt bei P-fähigen Knoten der im NAS abgeleiteten Regel. Ein Knoten ohne P-Unterstützung parst den PSMH nicht; die Regel kann dort keinen unsichtbaren Inhalt steuern.

Bei unzureichender RLD wird die Verarbeitung übersprungen. Kann der Transit den PSMH wegen Tiefe oder fehlender Start-Offset-Unterstützung nicht entfernen, darf er auch den P-Bit-tragenden NAS nicht entfernen. Hinweis und Inhalt bleiben gekoppelt.

Der vorletzte Knoten bewahrt freigelegte Hop-by-Hop- oder Ingress-to-Egress-NAS samt PSMH für den Egress. Dieser entfernt die zugehörigen Header mit dem NAS. Die Regeln schützen den Lebenszyklus, bescheinigen aber keine frühere Ausführung.

Scope ist Absicht, nicht Empfangsbestätigung

Hop-by-Hop, Ingress-to-Egress und Selected-Node benennen die vorgesehenen Orte. Ein Nachweis muss tatsächlichen Pfad, P- und Aktionsunterstützung, RLD, lokale Policy und Invocation-Ergebnis verbinden. Bei Selected-Node muss auch die Auswahl auf aktueller Topologie und Fähigkeit beruhen.

Empfohlen werden getrennte Zähler für empfangene PSMHs, RLD-Überschreitung, Unknown-Action-Drop oder -Skip, Malformed-Drops sowie Erfolg und Fehler je Aktion. Ein einziger Wert „MNA verarbeitet“ würde die entscheidende Differenz löschen.

Die Verwaltungsgrenze muss am tiefsten sehen

Post-Stack-Aktionen sind erweiterbar; lokal definierte Semantik kann außerhalb des eigenen Bereichs unsicher sein. Provider-Grenzknoten müssen daher fremde Post-Stack-MNA-Pakete vor der Einführung filtern können. Ihre RLD muss höher sein als die jedes internen Knotens.

Das weist Verantwortung zu: Wer externe Aktionen abweisen soll, muss mindestens alles sehen, was innen sichtbar werden könnte. Ein flacherer Grenzparser kann nur für den gelesenen Präfix einstehen.

Zwischenknoten dürfen Post-Stack-Daten verändern. Kritische Funktionen benötigen deshalb eine weitere netzweite Verifikation. Sensible Ancillary Data sind zu verschlüsseln oder nicht zu senden. Performance, Skalierung und BIER-Forwarding liegen außerhalb des Entwurfs.

Die belastbare Aussage bleibt eng: Das genehmigte Format definiert Anzeige, Ort, Strukturprüfung und Lebenszyklus. Sichere, einheitliche Ausführung auf einem realen Pfad bleibt eine Frage von Fähigkeiten, Telemetrie und Verantwortung.

Quellen