Zusammenfassung
- Oracle meldete für das Geschäftsjahr 2026 einen Gesamtumsatz von 67,4 Milliarden US-Dollar (+17 Prozent), Cloud-Infrastrukturumsatz von 18,1 Milliarden (+77 Prozent) und einen Rest Performance Obligation (RPO) von 638 Milliarden US-Dollar (+363 Prozent) — Q4- und FY2026-Ergebnisse.
- Das Multicloud-Datenbankgeschäft wuchs laut Unternehmensangaben von Quartal zu Quartal mit 1.529, 817, 531 und zuletzt 404 Prozent — aber kein Quartal nennt den absoluten Umsatzbetrag hinter diesen Prozenten.
- Die Regionenzählung ist das am besten überprüfbare Signal: 33 Live-Regionen mit Microsoft, 14 mit Google Cloud, und AWS wuchs im dritten Quartal von 2 auf 8 Live-Regionen mit 22 weiteren geplant.
- Die Definitionsunsicherheit ist real: Die Q4-Pressemitteilung nennt die 404 Prozent „Oracle Multicloud AI Database“, während das Quartalsgespräch dieselbe Zahl als „Multi-cloud revenue“ beschreibt.
Oracles Multicloud-Strategie ist technisch einfach zu beschreiben: Oracle betreibt seine Datenbankdienste — Autonomous Database und Exadata-Systeme — physisch in den Rechenzentren von Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud. Kunden erhalten damit Oracles Datenbanksoftware dort, wo ihre Daten bereits liegen, ohne dass sich ihre Cloud-Beziehung verschiebt. Database@AWS wurde am 8. Juli 2025 allgemein verfügbar gemacht; Database@Google Cloud hatte seine regionale Verfügbarkeit bereits im Januar 2025 erweitert und erhielt im Oktober 2025 neue KI-Datenbankdienste hinzugefügt. Auf Azure gab Microsoft die Option „Autonomous AI Database Dedicated“ auf OracleDatabase@Azure bekannt, und der Azure-Blog beschreibt neue Regionen und Programme.
Die Quartalszahlen erzählen eine Geschichte mit zwei Ebenen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Ende August 2025) wuchsen die Multicloud-Datenbankumsätze aus Amazon, Google und Microsoft um 1.529 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, und Oracle kündigte 37 weitere Rechenzentren bei den drei Hyperscaler-Partnern an — insgesamt 71 geplante Standorte. Im zweiten Quartal stieg der Multicloud-Datenbankverbrauch um 817 Prozent, elf neue Multicloud-Regionen kamen hinzu und die Zahl der Live-Regionen erreichte 45; Oracle startete zudem Multicloud Universal Credits. Im dritten Quartal betrug das Wachstum der Multicloud-Datenbankumsätze 531 Prozent in USD, während die KI-Infrastrukturumsätze um 243 Prozent zulegten; der CEO-Blog zählt 33 Live-Regionen mit Microsoft und 14 mit Google, und die AWS-Regionen wuchsen von 2 auf 8 mit 22 geplanten zum Quartalsende. Im vierten Quartal schließlich meldete Oracle 404 Prozent Wachstum für das „Oracle Multicloud AI Database“-Geschäft und nannte es sein am schnellsten wachsendes Geschäft überhaupt.
Der entscheidende Vorbehalt: Prozentzahlen auf wachsender Basis sinken mechanisch. Eine Serie von 1.529 auf 404 Prozent kann absolute Umsätze bedeuten, die weiterhin schnell steigen — sie kann aber nicht geprüft werden, solange kein Quartal den Dollarbetrag nennt. Die Analyse von Constellation Research zum Q1-Ergebnis betonte zugleich die OCI-Wachstumsprojektion und das Verfehlen der Gesamtumsatzerwartungen — ein Hinweis darauf, dass die Kapitalmärkte zwischen den Ebenen differenzieren.
Die Regionenzählung ist dagegen der härteste Datentyp in dieser Geschichte. Regionen sind sichtbar: Kunden können sie in der Dokumentation von Oracle für Database@Azure und Database@Google Cloud abrufen. Auch die Netzwerkseite wird zählbar: Die Kooperation zwischen Oracle und AWS für Multicloud-Netzwerke wurde am 16. April 2026 angekündigt, und AWS Interconnect Multicloud mit OCI erreichte im Juli 2026 die allgemeine Verfügbarkeit.
Warum baut Oracle sein Datenbankgeschäft in die Rechenzentren seiner Konkurrenten? Der Mechanismus ist die Kostenbasis der Migration. Eine Datenbankmigration von Oracle-Systemen in die Cloud ist riskant, teuer und oft jahrelang verzögert. Indem Oracle die Datenbank dorthin bringt, wo die Daten schon sind, entfernt es das stärkste Argument für eine Migration — und verdient zugleich an der Lizenz, die sonst hätte wegbrechen können. Die Hyperscaler profitieren umgekehrt: Sie behalten Workloads, die sonst zu Wettbewerbern wandern könnten, und verkaufen Rechenleistung dazu.
Das erklärt, warum alle vier Unternehmen Kooperationen öffentlich feiern, die strukturell auch Wettbewerbsvermeidung sind.
Die Grenzen der Überprüfbarkeit bleiben dieselben: Alle Kernzahlen stammen von Oracle selbst. Die Regionenzählungen lassen sich gegen Dokumentation prüfen; die Wachstumsprozente und der RPO von 638 Milliarden US-Dollar nicht. Für Leser heißt das: Die Regionenexpansion ist das glaubwürdigste Signal dafür, dass das Multicloud-Geschäft real skaliert — die Prozentserie ist es nicht.
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