Zusammenfassung
- Fassung 10 des OPSAWG-Entwurfs für geplante OAM-Tests erklärt, dass spätere Änderungen an einer Einzeltest-Vorlage eine bereits konfigurierte Testfolge nicht unbemerkt verändern sollen. Das Sequenzmodell enthält nun Einzeltests statt einer bloßen Referenzliste; auch Modul- und Statusbezeichnungen ändern sich.
- Der Text verlangt weiterhin, dass der Nutzer die Abfolge bestimmen kann, weil Umstellungen das gemeldete Ergebnis verändern können. Der neuen Liste
unitary-testfehlt aber die in Fassung 09 vorhandene YANG-Anweisungordered-by user. RFC 7950 sieht ohne diese Anweisung systembestimmte Ordnung vor. Das ist eine offene Inkonsistenz des Entwurfs, kein nachgewiesener Produktionsfehler.
Wer bei einer Störung erst die Erreichbarkeit, dann die Laufzeit und anschließend den Pfad prüft, führt ein Verfahren aus. Dessen Schritte lassen sich nicht beliebig tauschen, ohne möglicherweise die Deutung der Beobachtungen zu verändern. Der Entwurf draft-ietf-opsawg-scheduling-oam-tests bietet Verwaltungs- und Orchestrierungssystemen YANG-Modelle für einzelne OAM-Prüfungen und ihre zeitlich geplanten Folgen. Er ist ein aktiver Arbeitsgruppen-Internet-Draft mit angestrebtem Status als Proposed Standard, nicht bereits eine verabschiedete RFC oder ein Beleg für laufende Installationen.
Die zehnte Fassung nimmt zunächst eine Grenze zwischen Vorlage und konkretem Untersuchungsplan in den Blick. Abschnitt 4.2 sagt neu, dass eine später veränderte Vorlage die schon konfigurierte Folge nicht stillschweigend umgestalten sollte. Im Modell tritt eine eingebettete Liste von Einzeltests an die Stelle der bisherigen Testreferenzen. Für spätere Vergleiche wäre das bedeutsam: Zwei Berichte tragen nur dann dieselbe Verfahrensgrundlage, wenn Änderungen nachvollziehbar bleiben. Dass reale Software diese Nachvollziehbarkeit bereits liefert, folgt aus dem Entwurf nicht.
Bei der Reihenfolge entsteht zugleich eine neue Lücke. Die Erläuterung sagt, der Nutzer müsse sie vollständig kontrollieren, da Änderungen die Ausgabe beeinflussen. Sie fordert sogar ausdrücklich die YANG-Anweisung ordered-by user. In Fassung 09 stand diese Anweisung an der Referenzliste; in der neuen Liste fehlt sie. Deren Beschreibung erwähnt sowohl Nutzer- als auch Systemordnung, legt aber keine davon als YANG-Anweisung fest. Nach RFC 7950 gilt für eine Liste ohne ordered-by die Systemordnung. Eine Aussage im Begleittext kann die formale Bedeutung des Modells nicht ersetzen.
Der Befund wirft eine Frage für die weitere Arbeitsgruppenprüfung auf, nicht für die Schuldzuweisung an Hersteller. Soll der Betreiber eine bestimmte Ausführungsfolge vorgeben, muss das Schema diese beim Schreiben, Auslesen und Abarbeiten tragen. Soll hingegen das System ordnen, darf der Text nicht denselben Ergebnisanspruch an eine nutzerbestimmte Folge stellen. Die neue Fehleridentität für Prioritätskonflikte und die erweiterte Kennung für Netzknoten sind weitere Änderungen der Fassung; sie lösen die Ordnungsfrage nicht.
Für die Zeitplanung importiert der Vorschlag Bausteine aus RFC 9922. Ein früherer BTW-Artikel behandelte die getrennte Frage, ob ein noch gültiger Termin eine Aktion heute weiterhin autorisiert. Hier geht es um die Beweisgrundlage innerhalb einer genehmigten Ausführung: Lässt sich erkennen, welche Prüfschritte in welcher Folge zu einem Ergebnis führten? Zeit, Befugnis und Verfahrensreihenfolge sind verschiedene Größen.
Quellen
- https://www.ietf.org/archive/id/draft-ietf-opsawg-scheduling-oam-tests-10.txt
- https://www.ietf.org/archive/id/draft-ietf-opsawg-scheduling-oam-tests-09.txt
- https://datatracker.ietf.org/doc/draft-ietf-opsawg-scheduling-oam-tests/
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc7950.html#section-7.7.7
- https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc9922.html
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