Zusammenfassung

  • Am 22. September 2026 leitete die MPLS-Arbeitsgruppe draft-ietf-mpls-on-path-telemetry-flag-05 an die IESG weiter. Publication Requested ist ein Verfahrensstatus, keine IESG-Genehmigung, RFC-Veröffentlichung, IANA-Zuteilung oder Einsatzbestätigung.
  • Das P-Flag fordert Postkarten von MNA-fähigen Knoten mit aktivierter Datenerfassung an. Es legt keinen einheitlichen Datensatz fest und beweist allein nicht, dass jeder Hop exportiert hat.
  • Eine belastbare Aussage benötigt einen Beleg vom Auslöser bis zum Export: Geltungsbereich, Markierungsregel, Knotenfähigkeit und -status, Template-Version, Postkartenidentität, Transportverluste, Collector-Korrelation und fehlende Hops.

Die Eleganz des Vorschlags liegt in seiner kleinen Anweisung. Ein Head-End ergänzt ausgewählte Pakete um einen MPLS-Network-Actions-Sub-Stack. Ein P-Flag in einem Format-D-Eintrag fordert Knoten entlang des Label-Switched Path auf, Postkarten zu erzeugen. Reichhaltige Messdaten müssen nicht in das Nutzerpaket.

Gespart wird Platz im Paket, nicht Beweisarbeit. Das Bit bedeutet „beobachten“, nicht „alle Beobachtungen sind vollständig eingetroffen“.

Publication Requested bezeichnet eine Übergabe

Datatracker datiert Revision 05 auf den 21. September. Einen Tag später wechselte der WG-Status zu Submitted to IESG for Publication und der IESG-Status zu Publication Requested. Jim Guichard ist als zuständiger Area Director und Action Holder genannt.

Damit ist die nächste Entscheidungsstelle benannt. Eine Billigung des Texts ist es nicht. Der Entwurf ist kein RFC, und zum Evidenzstichtag enthielt die IANA-Tabelle Network Action Flags Without Ancillary Data keinen Eintrag. Das Shepherd Write-up beantragt Proposed Standard, nennt breite Unterstützung, keine Einwände, zwei IPR-Erklärungen und keine bekannten Implementierungen.

MNA Sub-Stack Opcode 1 ist durch RFC 9994 bereits vergeben. PBT-M nutzt diese Aktion und beantragt darin ein neues Flag. Der bestehende Opcode ist also nicht der Nachweis einer P-Zuteilung.

Ein Bit hängt von vielen lokalen Entscheidungen ab

Revision 05 setzt nach dem Action-LSE ein Format-D-LSE. P wirkt hop-by-hop, hat kein Ancillary-Data-LSE und verwendet U=0; ein Knoten ohne Verständnis überspringt die Aktion. Auch ein fähiger Knoten erzeugt nur dann eine Postkarte, wenn die Erfassung aktiviert ist, und exportiert die lokal konfigurierten Datentypen.

Das Head-End wählt das Paket, transportiert aber keinen vollständigen Messvertrag. Ein Knoten kann inkompatibel sein, ein zweiter deaktiviert, zwei aktive Knoten können verschiedene Template-Versionen nutzen. Nach Erreichen eines Limits kann ein Knoten den Export unterdrücken. Das Nutzerpaket wird dennoch weitergeleitet.

Der Entwurf fordert, nur einen kleinen Anteil und niemals alle Pakete zu markieren. Der Standardwert liegt bei höchstens einem von 1.000 Paketen pro Flow. Ein Knoten begrenzt die Erzeugung auf durchschnittlich 1.000 Postkarten pro Sekunde und einen Burst von 2.000. Oberhalb des Limits läuft die Weiterleitung ohne Postkarte weiter; ein Zähler erfasst den Überschuss.

Erfolgreiche Weiterleitung und vollständige Beobachtung sind verschiedene Resultate.

Eine Postkarte ist eine lokale Aussage

Jede Postkarte beschreibt, was ein Exportknoten unter seiner Konfiguration gesehen hat. Der Collector muss weiterhin bestimmen, welche Karten zu demselben Paket gehören und welche Reihenfolge sie abbilden.

Postkarten können verspätet, vertauscht oder gar nicht eintreffen. Bei Push und Pop von Labels reicht ein einzelner TTL-Wert nicht immer. Der Entwurf betrachtet einen TTL-Vektor über die LSEs, Node-ID, Flow-ID und Zeitstempel. Können zwei gleichzeitig fliegende Pakete denselben verfügbaren Schlüssel haben, ist die Zuordnung mehrdeutig und muss verworfen werden.

Eine Lücke kann daher fehlende Unterstützung, deaktivierte Erfassung, ein anderes Template, Drosselung, Exportverlust, Collector-Verlust, eine nicht erfasste Pfadänderung oder Korrelationsfehler bedeuten. Das P-Flag unterscheidet diese Ursachen nicht.

Ein Beleg vom Auslöser bis zum Export

Feld Aufzubewahrende Evidenz
Auslöser P-Flag, Eingang, Markierungsregel, Sampler-Version und Rate
Umfang Trust Domain, erwarteter LSP und Beobachtungsfenster
Knotenstatus Identität, PBT-M-Fähigkeit, Aktivierung und Versionsstand
Semantik lokales Template, Version und ausgewählte Datentypen
Identität Paket-/Flow-Schlüssel, Sequenzmaterial und Exportzeit
Zustellung Ziel, Transport, gesendet, verloren, unterdrückt und limitiert
Rekonstruktion Korrelationsregel, Reihenfolge, verworfene Mehrdeutigkeiten
Vollständigkeit erwartete/empfangene Knoten, fehlende Hops und Teilpfadstatus
Sicherheit Limits, Ausnahmen, Überschreitungszähler und Grenzbehandlung

Das ist kein neues Paketformat. Es ist ein Betriebsbeleg aus Control Plane, Exportern und Collector, der die Aussage reproduzierbar macht.

Auch Integrität hat eine Grenze

Das P-Flag ist veränderbar und nicht authentisiert. An der Grenze einer Trust Domain soll es gelöscht oder das Paket verworfen werden. Intern kann ein kompromittierter oder falsch konfigurierter Knoten P setzen oder entfernen. Rate Limits begrenzen Last, nicht die Integrität der Beobachtung.

Der Text enthält auch kein YANG-Modell. Das ist keine pauschale Schwäche, sondern eine Betriebsgrenze: Capability Discovery, Aktivierung, Template-Identität, Exportzustand und Collector-Regeln müssen ausdrücklich verwaltet werden.

PBT-M verwendet drei LSEs, also 12 Byte, für eine feste Anweisung und lagert die reicheren Daten aus. Präzise formuliert trägt das Paket den billigen Auslöser; Netz und Collector tragen den Beweis.

Quellen

  1. IETF Datatracker: Postcard-Based Telemetry using MPLS Network Actions
  2. Dokumenthistorie
  3. Shepherd Write-up
  4. Text der Revision 05
  5. IANA MPLS Network Actions Registry
  6. RFC 9994: MPLS Network Actions Framework