Zusammenfassung

  • Mirjam Kühne gehört zu den Verfassern der RIPE-Regeln für die Auswahl des Vorsitzes und erhielt 2025 eine zweite Amtszeit von fünf Jahren.
  • Von 52 Freiwilligen wurden zehn stimmberechtigte Mitglieder des Nominierungsausschusses ausgelost. Nach Anhörungen wählten sie Kühne und Anna Wilson einstimmig; der Vorstand des RIPE NCC bestätigte das Verfahren.

Ein Los schafft noch keine Entscheidung

Die erste knifflige Frage der Auswahl kam von einer Uhr. Eine freiwillige Meldung kam so knapp vor der Frist, dass der Vorsitzende des Nominierungsausschusses festlegen musste, welche Zeitzone galt. Er entschied sich für UTC. Der Abschlussbericht des NomCom 2025 hält diesen Augenblick fest. Wer ein fünfjähriges Amt vergeben will, muss auch den Einsendeschluss auf die Minute erklären können.

52 Personen meldeten sich für den Ausschuss. Zehn stimmberechtigte Plätze wurden öffentlich per Zufall vergeben; eine Reserveliste stand bereit. Danach begann die Arbeit, die sich nicht auslosen ließ: Gespräche mit der Community, Prüfung der Kandidaturen und Auswahl zweier Personen. Fünf Nominierte stimmten der Veröffentlichung ihres Namens zu: Ferghas McKay, Mirjam Kühne, Olena Kushnir, Anna Wilson und Rob Evans.

Für Kühne war das Regelwerk vertrautes Terrain. RIPE-787 von 2023 nennt sie als eine von vier Autorinnen und Autoren. Das Dokument verbindet die fünfjährigen Amtszeiten von Vorsitz und Stellvertretung, erlaubt höchstens zwei Amtszeiten je Funktion und überträgt die Auswahl einem aus Freiwilligen ausgelosten Ausschuss. Der Vorstand des RIPE NCC bestellt dessen Vorsitz und bestätigt später, dass die Regeln eingehalten wurden. Kühne leitete RIPE seit 2020; 2025 trat sie selbst als Kandidatin in diesem Verfahren an.

Vor und während RIPE 90 sammelte der Ausschuss Rückmeldungen. In der Mittagspause gab es offene Sprechstunden, mit den Nominierten ausführliche Gespräche. Auch die Reserveliste wurde gebraucht: Randy Bush schied im Mai aus, weil er für den Vorstand des RIPE NCC kandidieren wollte; Vasja Križmančič rückte als Erster nach. Eine unscheinbare Verfahrenszeile bekam plötzlich einen Namen und eine Aufgabe.

Im Saal gab es Fragen zur Konstruktion. Laut Bericht waren manche Teilnehmende überrascht, dass der NomCom unabhängig vom RIPE NCC arbeitet; andere bemängelten die geringe Vielfalt seiner Zusammensetzung. Der Bericht empfiehlt deshalb, die Bedeutung der RIPE-Diskussionsliste deutlicher zu vermitteln, früher für die nächste Runde zu werben und den Kreis der Freiwilligen zu verbreitern. Eine öffentliche Einladung erreicht nur die Leute, die von ihr erfahren.

Am 26. Mai 2025 wählten die Stimmberechtigten Kühne zur Vorsitzenden und Wilson zur Stellvertreterin: einstimmig, ohne Enthaltung. Am 31. Mai stellte der Vorstand des RIPE NCC fest, dass der Ausschuss dem von der Community festgelegten Verfahren gefolgt war, und bestätigte die Auswahl. Die offizielle Mitteilung nennt RIPE 91 im Oktober als Beginn der neuen Amtszeit. Hinter Kühnes weiteren fünf Jahren stehen eine Bewerberliste, ein Los, viele Gespräche und ein sauber zuzuordnender Beschluss.