Zusammenfassung

  • Eine bei RIPE 93 vorgestellte Untersuchung erfasste sieben große NTP-Dienste. Microsoft betrieb zwölf Zeitserveradressen; über die Hälfte von rund 9000 RIPE-Atlas-Messpunkten erhielt per DNS dennoch nur eine Adresse.
  • In einer separaten Genauigkeitsmessung lagen drei Microsoft-Server über Stunden daneben, einer um etwa 40 bis 50 Millisekunden. Die im Papier betrachteten Sicherheitsprotokolle verkraften Abweichungen dieser Größenordnung.

Wer zwölf Uhren besitzt, kann den Kunden trotzdem mit nur einer Uhr nach Hause schicken. Bei einem Zeitdienst geschieht das ohne Tresen und ohne Verkäufer: Die DNS-Antwort legt fest, welche Serveradresse ein Gerät sieht. Genau diese Auswahl unterscheidet die Originalstudie von SIDN Labs vom üblichen Zählen großer Infrastruktur. Der Vortrag stand am 27. Oktober auf dem Programm der RIPE 93.

Die Forschenden untersuchten Microsoft, Apple, Google, Ubuntu, AWS, Cloudflare und Meta. Drei Dienste verwendeten IP-Anycast; vier setzten überwiegend auf mehrere Unicast-Adressen. Microsofts Bestand umfasste zwölf Serveradressen. Aus rund 9000 RIPE-Atlas-Standorten abgefragte DNS-Antworten enthielten für mehr als die Hälfte der Standorte nur eine davon. Gezählt wurden Messorte und Antworten, keine Windows-Geräte. Ein voller Maschinenraum und eine knappe Kundenliste können gleichzeitig wahr sein.

Der RFC 8633 empfiehlt mehrere voneinander unabhängige Zeitquellen. Hat ein Client nur eine, fehlt die Gegenprobe, wenn die Uhr auffällig geht. Die Autoren schlagen mindestens vier Adressen pro Client vor. Microsoft müsste dafür nach ihren Daten keine zusätzlichen zwölf Server bauen; die entscheidende Stellschraube ist die Zuordnung im DNS. Das ist eine Betriebsentscheidung mit unmittelbarer Wirkung auf die Fehlertoleranz.

Auch die Genauigkeit wurde gemessen: vier GPS-synchronisierte Messpunkte, jeweils 24 Stunden, in Kampagnen zwischen Mai 2025 und Juni 2026. In einer Kampagne wichen drei Microsoft-Server über Stunden ab; einer um ungefähr 40 bis 50 Millisekunden. Das Papier hält fest, dass seine Beispiele für Sicherheitsprotokolle diesen Wert tolerieren. Für den Betrieb bleibt eine andere Frage hängen: Wie soll ein Gerät mit nur einer Quelle den deutlich größeren Fehler erkennen, falls er eines Tages kommt?

Das Publikationsverzeichnis von SIDN Labs führt die erweiterte Fassung für Oktober 2026. Ihre Bestandsaufnahme betrifft zudem IPv6, DNSSEC, RPKI und Network Time Security nach RFC 8915. Im Messfenster vereinte nur Cloudflare alle vier Merkmale; Ubuntu bot ebenfalls NTS. Zeitversorgung ist also keine Zahl aus dem Nichts, sondern ein Dienst mit Auswahlregeln, Sicherheitsmerkmalen und verantwortlichen Betreibern.