Summary
- Am 8. September verwarf die MANRS-Arbeitsgruppe eine Pflicht zur Registrierung ausschließlich in fünf RIR-basierten IRRs. Eine Folgenabschätzung sah knapp 40 Prozent der Teilnehmer außerhalb der Anforderungen.
- Das Protokoll vom 22. September beziffert die Wirkung vollständiger RPKI-Abdeckung auf 20 Prozent der Mitglieder. Für die IRR-Beschränkung stehen in seiner Zusammenfassung erneut knapp 40 Prozent, im Detailteil aber 13 Prozent. Eine Auflösung fehlt.
Ein Standard braucht eine lesbare Rechnung
Eine neue Routingpflicht trifft keine abstrakten AS-Nummern. Sie trifft Menschen, die Filter pflegen, ROAs ausstellen und Einträge in Registern aktuell halten. Die MANRS-Sitzung vom 8. September brachte diese Kosten ans Licht: Die Gruppe lehnte den Vorschlag ab, nur die Routingregister der fünf regionalen Internetregistries zu akzeptieren. Nach der damaligen Abschätzung hätten fast 40 Prozent der Teilnehmer die Vorgabe verfehlt. Die fünf RIR-Register sollten bevorzugt werden, RADB aber als Ausweg für ältere Ressourcen und fehlenden Zugang erhalten bleiben.
Im Protokoll vom 22. September macht die Zahl einen Sprung. Die Zusammenfassung wiederholt knapp 40 Prozent für eine Auswahl bestimmter IRRs. Die ausführliche Analyse nennt 13 Prozent für eine Beschränkung auf fünf IRRs. Außerdem würden nach dortiger Schätzung 20 Prozent der Mitglieder von einer Pflicht zu hundertprozentiger RPKI-Abdeckung berührt. Welche Grundgesamtheit, welcher Stichtag und welche konkrete Regel hinter den beiden IRR-Zahlen stehen, sagt das Dokument nicht. Vielleicht sind es verschiedene Szenarien; vielleicht wurde ein Wert aktualisiert. Beides wäre leicht zu erklären, wenn die zugrunde liegende Tabelle veröffentlicht würde.
Die Werte messen mögliche Regelkonformität heutiger Mitglieder. Sie zählen weder verhinderte Route Leaks noch gerettete Verbindungen. Für 13 Prozent lässt sich ein anderer Umstellungsplan entwerfen als für beinahe 40 Prozent. Ein Verband, der eine verifizierbare Betriebspraxis verspricht, sollte seine eigene Folgenabschätzung ebenso prüfbar machen.
Der teure Unterschied zwischen „und“ und „oder“
Die geltenden MANRS-Actions erlauben, beabsichtigte Ankündigungen im passenden Routingregister eines RIR, in RADB oder in einem von RADB gespiegelten IRR zu dokumentieren. Für Action 4 kann auch der RPKI-Weg an die Stelle der IRR-Dokumentation treten. ROAs für angekündigte Präfixe stehen derzeit unter den empfohlenen Maßnahmen. Die Arbeitsgruppe erörtert nun, ob künftige Teilnehmer RPKI und IRR nachweisen müssen oder ob einer der beiden Wege genügt. Für das „und“ wurde am 8. September eine zusätzliche Folgenabschätzung verlangt. Eine Konjunktion im Text kann eine zweite dauerhaft zu pflegende Datenbasis bedeuten.
Zugleich bekräftigte die Gruppe das Ziel, alle Ankündigungen mit ROAs zu erfassen. Im September wurde Brasilien als konkretes Zugangsproblem genannt: Dort nutzen Teilnehmer TC und BRIRR statt des IRR von LACNIC. Eine gute Norm trennt mangelnde Sorgfalt von einem Nachweispfad, der für bestimmte Betreiber schwer erreichbar ist. Der Auftrag der Arbeitsgruppe nennt Übergangsmodelle und die Behandlung bestehender Teilnehmer ausdrücklich als Aufgaben. Das ist keine großzügige Fußnote, sondern entscheidet, ob aus technischer Ambition breite Praxis wird.
Der technische Bedarf ist real. MANRS beschreibt die Actions von 2014 als erstmals grundlegend überarbeitungsbedürftig; 2021 gab es redaktionelle Änderungen. Auditierbare Filterregeln und belastbare Herkunftsnachweise können ein Teilnehmerzeichen aussagekräftiger machen. Das Protokoll vom 22. September zieht auch eine sachliche Grenze: Hauptanforderungen an Filter sollen Kundenverbindungen gelten, nicht Peeringbeziehungen. Das muss in der Verpflichtung erkennbar bleiben. Sonst sieht das Zeichen nach einer Prüfung des gesamten Netzes aus und testet nur einen Rand.
Der Weg vom Sitzungsraum zur Verpflichtung
Nach dem MANRS Development Process folgen auf die Arbeit mindestens zwei Wochen interne Schlussrunde, mindestens vier Wochen öffentliche Kommentierung, zwei Wochen Schlussrunde der Teilnehmer und die Ratifizierung durch das Steering Committee. Wichtige Entscheidungen gehören auf die Mailingliste. Das Vorschlagsverzeichnis führt die Programmüberarbeitung weiterhin als Diskussion. Die Protokolle zeigen, worüber gestritten wird. Sie ersetzen den Beschluss nicht.
Quellen
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