Zusammenfassung
- Am 15. Mai 1982 verband das System Development Network (SDN) den PDP-11 der Seoul National University über eine 1.200-Bit/s-Standleitung mit einem Forschungsrechner in Gumi; die Systeme verwendeten TCP/IP.
- Diese Inlandsverbindung war keine durchgehende internationale IP-Route. E-Mail und Netznachrichten liefen über UUCP und CSNET; Teile des Usenet-Bestands wurden auf Magnetband kopiert und per Post verschickt.
- Die direkte KAIST–University-of-Hawaii-Leitung von 1990 und der kommerzielle Dienst KORNET von 1994 waren spätere, eigenständige Meilensteine.
Was die Verbindung von 1982 belegt
Kilnam Chons Rückblick datiert die erste SDN-Verbindung auf den 15. Mai 1982. Ein PDP-11 der Seoul National University war über eine dedizierte Leitung mit 1.200 Bit pro Sekunde an einen VAX-11/780 in einer Forschungseinrichtung in Gumi angeschlossen. Die Rechner kommunizierten mit TCP/IP. Auch die ETRI-Rückschau zum 40-jährigen Jubiläum nennt Datum, Rechner und Geschwindigkeit. Die Einrichtung in Gumi wird rückblickend unter dem heutigen Namen Electronics and Telecommunications Research Institute (ETRI) geführt. Das hilft bei der Identifikation, darf aber den Wandel des Institutsnamens nicht unsichtbar machen.
Das System Development Network sollte Netzwerktechnik erproben und den technischen Informationsaustausch verbessern. Chon zufolge kam im Januar 1983 ein VAX der KAIST hinzu; damit waren drei Rechner eingebunden. Die Quelle belegt ein tatsächlich betriebenes TCP/IP-Netz im Land. Sie sagt jedoch nicht, wie viele Personen es nutzten, wie viel Datenverkehr darüber lief oder ob es allen Hochschulen und der Öffentlichkeit offenstand.
Spätere nationale Darstellungen bezeichnen das Ereignis teils als Koreas ersten Internetanschluss und behaupten sogar, das Land sei weltweit das zweite gewesen. Die hier vorliegenden Belege tragen eine engere Aussage: 1982 bestand früh eine inländische TCP/IP-Verbindung. Sie liefern weder eine gemeinsame Vergleichsdefinition noch eine internationale Rangliste. Was als „erster Anschluss“ zählt, hängt davon ab, ob man ein Forschungsnetz, den E-Mail-Austausch, eine direkte IP-Verbindung oder einen kommerziellen Zugang meint.
Über die Grenze führte ein anderer Weg
Die Standleitung im Inland setzte sich nicht einfach als IP-Route über die Grenze fort. Chon zufolge erreichte das SDN im August 1983 über MCVAX in den Niederlanden per UUCP das europäische Netz EUnet. Im Oktober verband ein Weg über HPLABS das SDN mit UUCPNet und ermöglichte E-Mail-Austausch. UUCP übermittelte Nachrichten zwischen Systemen; daraus folgt keine dauerhaft interaktive IP-Verbindung zwischen koreanischen und ausländischen Rechnern.
Im Dezember 1984 kam eine CSNET-Anbindung über einen Dienst des U.S. Geological Survey hinzu. Chon beschreibt sie als wichtigen Kanal für den technischen Austausch vor Koreas direkter Internetverbindung. US-amerikanische Zugangsregeln begrenzten die Dienste: E-Mail und Usenet waren möglich, FTP nicht. Auch die Kosten internationaler Telefonverbindungen spielten eine Rolle. Statt Nachrichten regelmäßig über eine teure Leitung abzurufen, konnten Usenet-Beiträge auf Magnetband gespeichert und per Post versandt werden.
Das Magnetband war kein kurioser Rest aus einer ansonsten grenzenlos verbundenen Zeit. Es zeigt den Unterschied zwischen Information, die eine Grenze passiert, und einer interaktiven Route. Eine Lieferung von Usenet-Beiträgen, eine per UUCP weitergeleitete Nachricht und eine bidirektionale IP-Verbindung waren verschiedene Dienste mit unterschiedlichen Verzögerungen, Kosten, Betreibern und Nutzerkreisen.
Vier verschiedene Anfänge
Die National Information Society Agency (NIA) datiert die Bildung von SDN/HANA auf 1989 und Koreas direkte Internetverbindung auf 1990: Eine Standleitung verband KAIST mit der University of Hawaii. ETRI und koreanische Regierungsquellen setzen den kommerziellen Dienst später an. Korea Telecom startete KORNET 1994; im selben Jahr begannen weitere Anbieter mit Diensten. Ein nationales Forschungsnetz, ausgewählter internationaler Austausch über UUCP und CSNET, eine direkte internationale IP-Leitung und ein kommerzieller Dienst waren unterschiedliche Veränderungen.
Die Einzelheiten zu UUCP, CSNET und den Magnetbändern beruhen vor allem auf Chons Rückblick von 2011. Die zitierten Quellen enthalten weder Paketmitschnitte aus dem Jahr 1982 noch den Leitungsvertrag oder vollständige Host-Konfigurationen. Datenvolumen, Nutzerzahlen, Telefongebühren und Verfügbarkeit werden nicht beziffert. Die Jahreszahlen lassen sich deshalb nicht als Maß für den gesellschaftlichen Zugang lesen. Belastbar ist die begrenzte Feststellung: Korea betrieb früh ein inländisches TCP/IP-Netz; internationale Dienste entwickelten sich über andere Pfade, bevor direkte IP-Verbindung und kommerzieller Zugang hinzukamen.
Quellen
- Kilnam Chon, “An Outline History of the Early Korean Internet, 1982–2004”, e-Bridge, Oktober 2011
- ETRI Webzine, “Looking Back on 40 Years of the Korean Internet”, Juni 2022
- National Information Society Agency: Geschichte des Internets in Korea
- Korean Communications Commission und KISA, 30 Jahre koreanisches Internet, 30. Mai 2012
- National Information Society Agency, The 30-Year History of the Internet, 2012
- Heng Lu, Notiz 64 und Notiz 65 dienen als spätere Analyseperspektiven, nicht als historische Belege.
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