Zusammenfassung
- SDN startete mit zwei Rechnern an der Seoul National University und am Korea Institute of Electronics Technology in Gumi sowie einer 1.200-Bit/s-Leitung; mangels eines verfügbaren Routers implementierte Kilnam Chons Gruppe das TCP/IP-Routing aus technischen Dokumenten.
- Das Netz wuchs über unterschiedliche Mechanismen: inländisches TCP/IP, internationales UUCP, koreanische E-Mail, gemeinsame Finanzierung, Adress- und Domainverwaltung und schließlich die Übergabe des Betriebs.
- Offene Spezifikationen minderten die Abhängigkeit von nicht beschaffbarer Hardware. Die Quellen belegen aber weder einen Alleinerbauer noch eine direkte Ursache für Südkoreas späteren Breitbanderfolg.
Ein Protokoll ohne käufliches Gerät
Die von Kilnam Chon mitverfasste technische Geschichte setzt den Betriebsbeginn von SDN auf den 15. Mai 1982. Ein Rechner des Fachbereichs Informatik der Seoul National University kommunizierte über eine gemietete 1.200-Bit/s-Leitung mit einem Rechner des Korea Institute of Electronics Technology in Gumi. Im Januar 1983 kam ein Rechner am KAIST als dritter Knoten hinzu.
Die interessantere Lücke lag zwischen den Endpunkten. In der später von APNIC veröffentlichten Rückschau berichtet Chon, die Gruppe habe keinen physischen Router von ARPANET erhalten können; kommerzielle IP-Router seien noch ungefähr fünf Jahre entfernt gewesen. Studierende entwickelten deshalb das Routing als Software auf Grundlage von Standarddokumenten. Die Fünfjahresangabe ist eine Erinnerung, kein beigefügter Beschaffungsvorgang und keine Marktstudie. Sie beschreibt die wahrgenommene Grenze, nicht eine lückenlos bewiesene weltweite Produktchronologie.
Die lesbare Spezifikation eröffnete Handlungsspielraum, nahm dem Team aber keine Verantwortung ab. Es musste Texte auslegen, unterschiedliche Rechner zusammenbringen und Fehler ohne Produkt-Support suchen. Abhängigkeit vom Anbieter wurde durch Abhängigkeit von lokalem Wissen ersetzt. Dauerhaft wurde diese Lösung erst, wenn das Wissen weitergegeben werden konnte.
Internationale Reichweite mit wechselndem Transport
An den Außengrenzen war SDN kein einheitliches IP-Netz. Zwischen seinen Rechnern lief TCP/IP; für die ersten Auslandsverbindungen diente UUCP. Im August 1983 wurde mcvax in den Niederlanden erreicht, im Oktober hplabs in den Vereinigten Staaten. Im Dezember 1984 folgte CSNET.
Eine Verbindung bedeutete noch kein vollständiges Dienstangebot. US-Beschränkungen für ARPANET-Zugänge erlaubten E-Mail und USENET-News, nicht aber Dienste wie FTP. Internationale Telefonkosten waren zudem so hoch, dass ein großer Teil der USENET-Daten auf Magnetband per Post eintraf. Der Informationsweg konnte von der Leitung in einen physischen Postsack wechseln.
Unter dem Namen AsiaNet waren Standorte in Australien, Indonesien, Japan, Korea und Singapur verbunden; weitere Gegenstellen lagen in Europa und Nordamerika. Diese Wege pauschal als Ende-zu-Ende-TCP/IP zu bezeichnen, wäre falsch. Die formelle 56-Kbit/s-Satellitenverbindung zwischen KAIST und University of Hawaii ging erst im März 1990 in Betrieb. Mit HANAnet wurden die mengenabhängigen Grenzen der früheren UUCP- und CSNET-Pfade deutlich geringer.
Lesbare koreanische E-Mail war kein Nebenproblem
Wenn eine Mailverbindung koreanische Zeichen beschädigte, verband sie zwar Maschinen, aber nicht die Sprache ihrer Nutzer. Die technische Geschichte nennt 1983 eine Masterarbeit am KAIST über ein koreanisches Mailsystem und anschließende Versuche. 1985 ermöglichten ein koreanisches Mailprogramm und der Editor hvi Nachrichten in koreanischer Schrift über SDN.
Die lokale Praxis wurde später öffentlich dokumentiert. RFC 1557 von U. Choi, K. Chon und H. Park beschreibt seit Dezember 1993 ISO-2022-KR für Internetnachrichten. Dem Text zufolge war das Verfahren 1991 festgelegt worden und in koreanischen IP-Netzen bereits weit verbreitet. Das RFC ist Informational, kein Internetstandard, und Chon ist einer von drei Autoren.
Der Software-Router ersetzte ein fehlendes Gerät; die Mailwerkzeuge ersetzten eine fehlende Darstellbarkeit. Knoten und Leitungskapazität erfassen nur die erste Hälfte dieser Infrastrukturarbeit.
Zuständigkeiten für Namen, Geld und Betrieb
Nach APNICs Rückblick verband SDN 1985 ungefähr zwanzig Universitäten, staatliche Forschungseinrichtungen und Unternehmenslabore sowie ausländische Standorte. Im Juli 1986 erhielt Korea den öffentlichen IPv4-Block 128.134.0.0. Regeln unter .kr wurden festgelegt, und die Länder-Domain nahm im selben Jahr den Betrieb auf.
Das 1988 gegründete Academic Network Committee koordinierte inländische Adressen und Domains, Auslandsverbindungen und internationale Vertretung. Das war keine nachträgliche Verwaltungsschicht. Namen und Nummern entscheiden über Sichtbarkeit und Erreichbarkeit. Ihre Auslagerung aus dem ersten Labor verringerte eine Konzentration und schuf zugleich ein neues Gremium, dessen Mandat und Verantwortung zählen.
Auch die internationale Kapazität brauchte eine Organisation. Mehrere SDN-Institutionen gründeten HANA und finanzierten gemeinsam die 56-Kbit/s-Leitung nach Hawaii. Damit überschritt die Gemeinschaft eine Kostenschwelle, die nicht einem Labor allein zufallen sollte.
Im August 1992 wurden zentrale Gateway-Geräte und der Betrieb von HANAnet und SDN vom KAIST an Korea Telecom übertragen. Die technische Geschichte stellt eine Verbindung zum späteren kommerziellen KT-Dienst KORNET her. Belegt ist die operative Übergabe, nicht die Behauptung, das Forschungsnetz habe allein den Markt geschaffen.
Eine Region lässt sich nicht aus einem RFC kompilieren
Chon wirkte außerdem an Foren für den Wissenstransfer mit. Das Pacific Computer Communications Symposium brachte 1985 in Seoul laut technischer Geschichte ungefähr 300 Fachleute aus Asien, Europa und Nordamerika zusammen. Institutionelle Biografien verbinden ihn später mit der Gründung von APNG, APAN und APTLD.
Beim ersten formellen APNG-Treffen 1991 sei der Bedarf an einem regionalen Internetregister beschlossen worden, erinnerte sich Chon. APNIC blieb ein Gemeinschaftsprojekt. Die Geschichtsmaterialien nennen ein CCIRN-Treffen 1992 in Tokio und das Experiment ab September 1993: JPNIC stellte Budget, Räume und Hardware, KRNIC Informationsdienste, AUNIC DNS-bezogene Dienste. Eine Mailingliste mit 25 Menschen aus mehreren Volkswirtschaften übernahm die Rolle des Personals.
Eine technische Funktion konnte aus einer offenen Spezifikation entstehen. Institutionelle Legitimität braucht dagegen vereinbarte Zuständigkeit, Finanzierung und Korrekturmöglichkeiten. Chons Beitrag liegt im Übergang zwischen beidem: Er half, technische Möglichkeit zu zeigen und Menschen sowie Organisationen aufzubauen, die ihre Last teilen konnten.
Die Internet Society verlieh ihm 2011 den Jonathan B. Postel Service Award und nahm ihn 2012 in die erste Klasse der Internet Hall of Fame auf. Diese Würdigungen stützen die Geschichte eines langen Dienstes, ohne Studierende, Betreiber, Geldgeber und regionale Partner aus ihr zu entfernen.
Quellen
- APNIC-Porträt von Kilnam Chon
- APNIC zur Entstehung des regionalen Registers
- Sprecherbiografie der APNIC 32
- Asia-Internet-History-Sitzung der APNIC 35
- Folien des APNIC History Project
- A Brief History of the Internet in Korea
- Interviewprofil der Internet Hall of Fame
- Biografie der Internet Hall of Fame
- Verzeichnis des Postel Service Award
- Bekanntgabe der ersten Hall-of-Fame-Klasse
- RFC 1557 zur koreanischen Zeichenkodierung
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