Zusammenfassung

  • Ein individueller IETF-Entwurf vom 28. Oktober beschreibt eine BGP Extended Community mit vier Byte Router-ID und zwei Byte Ausgangsgruppen-ID. Der werbende Router setzt die Werte; ein unterstützender Eingangsrouter ordnet die entfernte Gruppe einer eigenen ECMP-Untergruppe zu.
  • Die Zeichnung gibt als Typ 0x83 vor, während der Subtyp TBD bleibt. IANAs Register reserviert 0x83–0x8f für experimentelle Nutzung. Wie aus der Versuchsnummer eine dauerhafte Typzuweisung werden soll, steht nicht im Entwurf.

Ein Hinweis aus der Ferne, eine Entscheidung vor Ort

Beim üblichen ECMP bestimmt ein Hash, welche gleichwertige Leitung einen Datenstrom trägt. Wenige sehr große Ströme können auf derselben Leitung landen. Der Group-ID-Entwurf nennt KI-Trainingsnetze ausdrücklich als Einsatzfeld: Dort können wenige große Ströme auf dieselbe Leitung gehasht werden, während gleichwertige Kapazität frei bleibt. Paketweises Verteilen würde dagegen die Reihenfolge durcheinanderbringen. Der begleitende Entwurf will die Leitungen am Eingangsrouter zunächst zu lokalen Untergruppen bündeln und erst innerhalb der gewählten Gruppe hashen. Die dort genannten Leitungszahlen sind Beispiele, keine Messwerte.

Die neue BGP-Kennung liefert den Hinweis für die Gruppenauswahl. Der Router am Ziel kündigt seine eigene Router-ID und einen von ihm vergebenen Ausgangsgruppenindex an. Der Eingangsrouter bildet diesen fremden Index auf eine seiner lokalen Leitungsgruppen ab. Der Absender besitzt das Etikett, der Empfänger die Anschlüsse. Die Route beweist damit noch nicht, welche Leitung ein Paket tatsächlich genommen hat.

Nun zu der Ziffer, die im Schema klein aussieht und im Betrieb groß wird. Das erste Typ-Byte ist 0x83. IANAs öffentliches Register der transitiven BGP Extended Communities nennt den ganzen Bereich experimentell. Auch der Subtyp der neuen Kennung hat noch keinen Wert. Der IANA-Abschnitt bittet um eine GroupID-Untertypbezeichnung, beschreibt aber keine dauerhafte Zuweisung für den gezeichneten experimentellen Typ. Für einen Versuch kann ein vorläufiges Abzeichen reichen. Für eine langfristig gemeinsam verstandene Route braucht es eine registrierte Identität.

Im IETF-Datatracker steht weiterhin „individual draft“. Ein Router ohne Unterstützung darf die neue Kennung ignorieren und normales ECMP nutzen. Die Sicherheitsbetrachtung lautet TBD. Weder gemessene Verbesserung noch Interoperabilität oder ein Netz mit 0x83 sind belegt. Ein überarbeiteter Registrierungsantrag und eine Aufzeichnung von empfangener Kennung, lokaler Tabelle und benutzter Leitung würden die offene Betriebsfrage beantworten.

Quellen: Group-ID-Entwurf; ECMP-Verfahren; IETF-Status; IANA-Register.