Zusammenfassung

  • 1997 schlugen Investoren ein Unternehmen vor, das Zugang zu einem Internetknoten für kommerziellen Verkehr verkaufen sollte. KDD beschrieb die NSPIXP-Knoten des WIDE-Projekts als akademische Einrichtungen zu Versuchszwecken.
  • JPIX wollte Zuverlässigkeit mit einem finanzierten Dienst und einem Konzept mit zwei Standorten verbinden. Die Ankündigung belegt diese Absicht, nicht die erreichte Ausfallsicherheit oder die Regeln für den Zugang.

Entscheidend war das Betriebsmodell

Am 23. Juni 1997 kündigte KDD an, gemeinsam mit sieben weiteren Unternehmen die Japan Internet Exchange Co., kurz JPIX, zu gründen. Insgesamt sollten 16 Investoren das Unternehmen im Juli errichten. Die Mitteilung stellte kein weiteres Forschungsnetz vor. Sie beschrieb ein Unternehmen, das Internetdienstanbietern einen Austauschdienst anbieten, kommerziellen Verkehr übertragen und auf die zunehmende Internetnutzung reagieren sollte.

Der Vergleich mit der damaligen Infrastruktur war ausdrücklich. Die beiden großen, voll betriebenen japanischen Knoten NSPIXP1 und NSPIXP2 seien im Wesentlichen akademische Einrichtungen, die das WIDE-Projekt zu Versuchszwecken betreibe. JPIX sollte diese Arbeit nicht beenden: Laut KDD wollte das Unternehmen mit WIDE zusammenarbeiten. Geändert werden sollte vielmehr die institutionelle Grundlage eines verlässlichen kommerziellen Dienstes: Wer würde dauerhaft für seinen Betrieb einstehen?

Zwölf Jahre später erinnerte sich JPIX-Präsident Yoshiki Ishida in einem JPNIC-Interview daran, dass NSPIXP2 teilweise auf freiwilligem Einsatz beruhte. Mehr Nutzer seien bereit gewesen, für einen Austauschanschluss als Dienst zu zahlen; deshalb hätten ISPs in eine vollständig kommerzielle Version von NSPIXP2 investiert. Das ist die spätere Erinnerung eines Unternehmensbeteiligten, kein Protokoll der Verhandlungen von 1997. Sie erklärt dennoch, weshalb ein Unternehmen wichtig war: Jemand musste Wartung und Ausbau übernehmen, während der Kundenverkehr wuchs.

Die Mitteilung vom Juni machte diese Verpflichtung an einem Standortplan greifbar. Der erste JPIX-Switch sollte im KDD-Gebäude in Otemachi installiert werden. Eine spätere Erweiterung zum KDD-Gebäude in Shinjuku sollte Risiko und Last der Austauschfunktionen verteilen. KDD kündigte außerdem an, dass JPIX ISPs und Inhalteanbieter bedienen und Nutzer in Asien und den USA gewinnen wolle. Das waren Ziele, keine Messwerte. Die ausgewerteten öffentlichen Quellen enthalten weder eine Verfügbarkeitsreihe für 1997 noch Kundenverträge, Preislisten oder Verkehrskurven, anhand deren sich die Wirkung des Konzepts beurteilen ließe.

Das Eigentum verteilte sich auf mehrere Firmen, allerdings ungleich. KDD führte 16 Aktionäre und ein Kapital von 250 Millionen auf, ohne in der englischen Fassung die Währung zu nennen. KDD hielt 24 Prozent und damit den größten Einzelanteil; fünf weitere Unternehmen hielten jeweils 10 Prozent, Nihon Cisco Systems 8 Prozent und die übrigen neun jeweils 2 Prozent. KDD war der größte benannte Geldgeber, aber nicht Mehrheitsaktionär. Die Liste zeigt die geplante Kapitalbasis. Sie belegt weder die Stimmregeln des Vorstands noch Kundenaufnahmebedingungen oder die Kontrolle über die Routing-Entscheidungen einzelner Netze.

Auch die Daten unterscheiden Ankündigung und tatsächlichen Dienstbeginn. KDD setzte im Juni den Oktober als Ziel. Die heutige JPIX-Chronik datiert die Gründung der früheren JPIX auf Juli und den Start des IX-Portdienstes auf November. November ist daher der bessere Beleg für den Dienstbeginn; Oktober bleibt der angekündigte Zieltermin. JPIX zufolge wurde im März 2000 eine Gigabit-Ethernet-Schnittstelle angeboten. Das ist ein späterer Ausbauschritt und sagt nichts über die Kapazität bei der Eröffnung 1997 aus.

Der Übergang war somit kein vollständiger Austausch von freiwilliger Arbeit durch ein Unternehmen. Die Gründungsmitteilung verknüpfte kommerziellen Verkehr ausdrücklich mit der Zusammenarbeit mit WIDE. Der technische Zweck bestand fort; Finanzierung und Dienstverpflichtungen erhielten einen Unternehmensrahmen. Der Betreiber des Knotens wurde auch nicht zur Routing-Instanz des Internets: Die ausgewerteten Unterlagen zeigen nicht, dass JPIX über die von angeschlossenen Netzen angekündigten oder akzeptierten Routen entschied.

Sie machen einen engeren, dauerhaften Kontrollbereich sichtbar: Anlage, Portdienst, Investitionen für den Ausbau und Anschlussbedingungen.

Die Geschichte von JPIX im Jahr 1997 ist deshalb mehr als ein Gründungsdatum. Ein experimenteller Austauschpunkt zeigt, dass sich Netze treffen können. Ein kommerzieller Dienst wirft zusätzlich die Frage auf, wer dafür bezahlt, diesen Treffpunkt bei wachsender Nutzung zuverlässig zu halten. Japans organisatorische Antwort war ein Konsortium aus ISPs und Infrastrukturunternehmen; KDD war der größte aufgeführte Investor, WIDE blieb Kooperationspartner. Die öffentlichen Quellen belegen den geplanten Handel und den Start des Dienstes. Tatsächliche Preise, Zuverlässigkeit und die Verteilung der Betriebsbefugnisse bleiben offen.

Quellen