Zusammenfassung

  • Das TeleYemen-Interview von 1996 beschrieb eine im ganzen Land gültige Einwahlnummer, verortete den y.net-Knoten aber in Sanaa. Eine gemeinsame Nummer machte weder Geräte noch Telefonleitungen oder Verbindungskosten überall lokal.
  • 1998 sagte der Internet-Produktverantwortliche des Unternehmens, die meisten Kunden säßen in Sanaa und schlechte Telefonleitungen verursachten Verbindungsabbrüche. Ein Router in Aden sollte ein Telefonentgelt von 20 Rial vermeiden; die Quellen belegen nicht, dass er in Betrieb ging.

Eine landesweite Nummer, ein Endpunkt in einer Stadt

„Nächste Woche können Sie von Jemen aus auf die Datenautobahn zugreifen!“ So kündigte die Yemen Times ihre Ausgabe vom 26. August 1996 an. Im Interview erklärte Christopher Leather, bei TeleYemen für Handel, Betrieb und Marketing zuständig, y.net befinde sich in der letzten Testphase. Ein internes Ziel für den 17. August sei verfehlt worden, weil die Systemadressen noch nicht zugewiesen waren. Der Bericht dokumentiert eine bevorstehende Einführung und eine Verzögerung, nicht den ersten erfolgreichen Internetzugang eines bestimmten Kunden.

Dasselbe Interview nannte eine gemeinsame Einwahlnummer, die landesweit gültig sei, und lokalisierte den Knoten zugleich in Sanaa. Das widerspricht sich nicht: Eine landesweite Nummer kann auf einen einzigen Dienstepunkt führen. Doch der Weg zwischen Nummer und Gerät blieb bedeutsam. Die Qualität des Telefonnetzes, die Verbindung zum Server und die örtlichen Gebühren beeinflussten weiterhin, wie ein Anschluss funktionierte.

Auch die Formulierung „kostenlose Einwahlnummer“ verlangt Vorsicht. TeleYemen nannte im selben Antwortteil eine einmalige Anmeldegebühr von 5.750 Rial, 3.500 Rial Monatsgebühr und 12 Rial je verbundener Minute. Das Interview erklärt nicht, ob „kostenlos“ die Nummer, eine lokale Zugangsmöglichkeit oder etwas anderes bezeichnete. Daraus lässt sich kein kostenloser Internetdienst ableiten. Ohne Angaben zu Haushaltseinkommen oder Vergleichstarifen lässt sich aus den nominalen Preisen auch keine landesweite Erschwinglichkeit ableiten.

Die Telefonleitung gehörte zum Internetangebot. TeleYemen nannte 1996 eine Höchstgeschwindigkeit von 28,8 Kbit/s, abhängig von der Leitungsqualität. Im August 1998 sagte Khalid Mohammed Al-Dahbany, der damalige Internet-Produktverantwortliche, dass die Einstellung auf 28 Kbit/s bei manchen Kunden zu Abbrüchen geführt habe, besonders in Gebieten mit schlechten Telefonleitungen. Das Unternehmen habe deshalb auf 14 Kbit/s zurückgestellt. Außerdem seien 48 neue Modems gekauft worden. Technische Leitungsprotokolle und eine Zahl der betroffenen Anschlüsse fehlen; das Interview belegt eine Betriebsbeschränkung, misst aber nicht deren Reichweite.

Die Geografie hinter der Kundenzahl

Al-Dahbany bezifferte die Kundschaft auf 1.545 und die auf dem TeleYemen-Server gehosteten Homepages auf 32. In Sanaa hätten 1.189 Kunden gesessen, in Taiz 92, in Mukalla 26 und in Hodeida 102. Die vier Stadtwerte ergeben 1.409 und liegen damit 136 unter der Gesamtzahl. Das Interview erklärt die Differenz nicht. Es könnten Städte fehlen oder unterschiedliche Zählweisen vorliegen; die Quelle sagt es nicht. Die Zahlen dürfen deshalb nicht künstlich passend gemacht werden.

Der Vorbehalt nimmt dem geografischen Befund nichts: Das Unternehmen sagte, die meisten Kunden kämen aus Sanaa, nannte drei weitere Städte und sprach von einem geplanten Router in Aden. Laut dem Produktverantwortlichen sollte der Router Kunden ein lokales Telefonentgelt von 20 Rial zwischen Aden und Sanaa ersparen. Das Vorhaben war somit sowohl eine Netzänderung als auch eine Kostenmaßnahme: Ein näherer Zugangspunkt konnte den Preis für den Weg zum Dienst verändern.

Die Zeitform ist wichtig. Das Interview sagt, Router würden gerade installiert; es bestätigt weder die Inbetriebnahme noch den transportierten Verkehr, neue lokale Einwahlnummern oder einen fertiggestellten Knoten in Aden. Belegt ist die erklärte Reaktion des Betreibers auf ein geografisches Kostenproblem, nicht dessen Lösung.

Zugang war auch ein Versprechen über den Dienst

Die zeitgenössischen Berichte bewahren die Sicht des Anbieters und Beschwerden anderer Beteiligter. Eine kurze Meldung der Yemen Times vom 5. Januar 1998 berichtete, Kunden hätten zum vierten Mal innerhalb von weniger als drei Monaten nicht auf E-Mail zugreifen können. Dauer, Zahl der Betroffenen und Ursache fehlten; technische Protokolle gab es nicht. Im September forderte Walid Al-Saqqaf, Entwickler der Yemen-Times-Website, Wettbewerb und schilderte eigene Einwahlprobleme. Das ist ein engagierter Erfahrungsbericht, kein Netzaudit.

Aus diesen Quellen lässt sich weder eine landesweite Verfügbarkeitsrate berechnen noch ein einzelner Fehler dem Monopol zuschreiben. Sie zeigen aber, dass Kunden auch von Modems, Servern, Telefonzugang und Anbieterunterstützung abhingen. Der geplante Router in Aden zielte auf einen Teil dieser Kette – die Telefonkosten für den Weg nach Sanaa. Die 1998 erwähnten Abbrüche verwiesen auf einen anderen Teil: die Qualität der lokalen Teilnehmerleitung.

Die Quellen von 1996 und 1998 schildern verschiedene Schichten desselben Dienstes. Die gemeinsame Nummer erweiterte die angegebene Reichweite; ein einzelner Knoten konzentrierte die Verbindung; ein Kundenkonto öffnete den Weg ins Netz; Leitung und Tarif entschieden, ob dieser Weg praktisch nutzbar war. Wenn diese Teile unterschiedlichen Zeitplänen folgen, ist „das Internet kam an“ kein einzelnes Ereignis.

Quellen