Zusammenfassung

  • Thomas Holterbach zeigte am 27. Oktober bei RIPE 93 BMP-Daten aus den Routenservern dreier IXPs. Darin lassen sich empfangene Routen schon vor einer Eingangsfilterung beobachten.
  • Der Betreiber bestimmt, welche Sitzungen und Verarbeitungsstufen er exportiert. Eine Teilnehmeransicht zeigt den eigenen Blick in den Austausch und muss entsprechend gekennzeichnet sein.

Der Looking Glass eines Internetknotens wirkt wie ein Schaufenster. Fehlt eine Route, sieht man zunächst nur eine Lücke. Hat der Nachbar sie zurückgezogen? Ließ der Eingangsfilter sie nicht durch? Hat eine andere Route den Platz bekommen? Wer aus dem leeren Fenster einen Schuldigen ableitet, sollte sein Telefonbuch noch einmal aufschlagen.

Im Originalprogramm der RIPE 93 steht Holterbachs Vortrag vom 27. Oktober. Die mit Thomas Alfroy erstellten Folien nennen bereits drei IXP-Routenserver als Datenlieferanten: Breizh-IX, EuroRhine-IX und Ouest.Network. Einer läuft mit FRRouting, zwei mit BIRD. Alle drei exportieren empfangene Routen. Das ist ein konkreter Anfang für einen Blick hinter die öffentliche Anzeige.

BMP hängt der Beobachtung eine Stufe im Routenprozess an. RFC 7854 trennt eingehende Ankündigungen vor und nach der lokalen Eingangsrichtlinie. RFC 8671 behandelt die ausgehende Sicht; RFC 9069 die lokale ausgewählte Tabelle. Dazu kommen Sitzungszustand und Reihenfolge der Updates. Die Spur kann zeigen, ob eine Route ankam, eine Regel überstand und für die Weitergabe überhaupt in Frage kam.

Die Folien halten zwei vertraute Instrumente daneben. Eine BGP-Sammelsitzung mit Add-Path sieht die nicht weggefilterten Pfade. Wiederholte Abfragen der Routenserver-Software liefern mehr vom aktuellen Zustand, können aber die Ereignisse zwischen zwei Abrufen verpassen. Der im Vortrag gezeichnete Wechsel eines Pfades ist ein Lehrbeispiel. Dort braucht der Netzbetreiber genau die Zeitfolge, die ein einzelner Schnappschuss verschluckt.

Auch die Reichweite der neuen Sammlung ist genau beschrieben: 60 BMP-Sitzungen von Teilnehmernetzen zeigen etwa 200 Sitzungen zu 37 Routenservern sowie rund 1.000 bilaterale Sitzungen an 38 IXPs. Bei AMS-IX kommen in dieser Sammlung Teilnehmerdaten an, aber noch kein BMP-Strom von dessen Routenservern. Ein großer Name auf einer Karte darf deshalb die Perspektive eines einzelnen Mitglieds nicht in die Perspektive des gesamten Knotens verwandeln.

Die Exportfreigabe sitzt beim beitragenden Betreiber. Laut Folien wählt er, soweit die Software es erlaubt, BGP-Sitzungen und BMP-Stufen aus. Öffentliche Daten müssen die Anforderungen an Informationssicherheit erfüllen. Präzise Filterdetails helfen bei der Störungssuche und können auch Angreifern verraten, wo eine Route durchkäme. Deshalb gehört der Umfang der Freigabe zur technischen Aussage.