Zusammenfassung

  • Ofcom eröffnete am 6. Oktober eine Untersuchung dazu, ob Meta vor dem Start von Instagram Instants am 13. Mai ausreichende Risikobewertungen zu illegalen Inhalten und zum Schutz von Kindern vorgenommen hatte.
  • Im Mittelpunkt stehen die Prüfungen vor wesentlichen Änderungen nach den Abschnitten 9(4) und 11(4) des Online Safety Act. Ein Verstoß oder Schaden ist bislang nicht festgestellt.

Der entscheidende Kontrollpunkt liegt vor dem Start

Instagram Instants wurde in Instagram Direct integriert. Nutzer können ein Foto oder Video in der App aufnehmen, eine Bildunterschrift hinzufügen und den Inhalt automatisch an Freunde oder Follower senden; nach dem Ansehen verschwindet er. Das beschreibt die Funktion, belegt aber noch kein konkretes Risiko.

Ofcoms Mitteilung vom 6. Oktober und der offene Fallbericht stellen eine engere Frage: Hat Meta vor der Freigabe dieser Design- oder Betriebsänderung eine geeignete und ausreichende weitere Bewertung vorgenommen? Ofcom verweist auf Abschnitt 9(4) und 11(4) des Online Safety Act 2023. Der eine betrifft Risiken illegaler Inhalte, der andere Risiken für Kinder bei Diensten, die voraussichtlich von ihnen genutzt werden. Beide verlangen eine Bewertung, bevor eine wesentliche Änderung umgesetzt wird.

Eine nachträgliche Prüfung kann bei der Reaktion auf Vorfälle helfen. Sie zeigt jedoch nicht, dass der Anbieter den geplanten Funktionswechsel geprüft hat, bevor Nutzer ihn verwenden konnten. Das Gesetz verlangt nicht für jede neue Schaltfläche einen eigenen Bericht. Zu klären ist, ob diese Änderung wesentlich war und ob die Bewertung zur tatsächlich veröffentlichten Funktion passte.

Zwei Pflichten, die getrennt belegt werden müssen

Die Prüfung illegaler Inhalte ersetzt keine Risikobewertung für Kinder. Diese muss Altersgruppen unterscheiden und berücksichtigen, wie Gestaltung und Funktionen des Dienstes das Expositionsrisiko verändern. Das Gesetz bezieht zudem Verbreitungswege und betriebliche Systeme ein, die Risiken erhöhen oder mindern können.

Für Instants müsste eine belastbare Akte die tatsächlichen Abläufe mit der Prüfung verbinden: die Einbindung in Direct, Aufnahme und Versand von Fotos oder Videos, mögliche Empfänger, die Wirkung des Verschwindens nach dem Ansehen und die verfügbaren Meldewege. Das sind Beweisfragen für die Untersuchung, keine von Ofcom bereits bestätigten Mängel.

Ofcom prüfte 2025 insgesamt 104 Risikobewertungen und fand wiederkehrende Schwächen bei der Analyse von Funktionen, der Nutzung einschlägiger Belege, dem Vertrauen in Kontrollen und der Risikosteuerung. Diese Branchenübersicht erklärt den Qualitätsmaßstab des Regulators; sie betrifft Instants nicht und entscheidet den Fall nicht.

Eine Untersuchung ist noch kein Befund

Ofcom sammelt und analysiert zunächst Beweise. Wenn die Behörde einen Compliance-Verstoß annimmt, will sie eine vorläufige Entscheidung mitteilen und Meta vor der endgültigen Entscheidung Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Erst danach kämen Abhilfemaßnahmen oder eine Geldbuße in Betracht. Ofcom stellt ausdrücklich klar, dass die Eröffnung des Verfahrens keine Feststellung eines Gesetzesverstoßes bedeutet.

Der öffentliche Fallbericht belegt derzeit Startdatum, untersuchte Vorschriften und die offene Frage. Er enthält weder eine abschließende Entscheidung noch eine Feststellung konkreter Schäden oder den Inhalt von Metas interner Bewertung. Diese Grenzen müssen während des Verfahrens sichtbar bleiben.

Quellen