Zusammenfassung

  • Man stelle sich drei Anträge für neue Top-Level-Domains vor.
  • Die derzeit maßgebliche englische Fassung des Applicant Guidebook ist V2-2026.04.24.

Die offizielle Regel beschreibt Beziehungen, keine homogene Gruppe

Die derzeit maßgebliche englische Fassung des Applicant Guidebook ist V2-2026.04.24. Abschnitt 7.10.3.5 unterscheidet direkte Konkurrenz, indirekte Konkurrenz durch die Transitivität visueller Ähnlichkeit und indirekte Verbindungen über Varianten eines Strings.

Das Guidebook gibt selbst das entscheidende A-B-C-Beispiel vor: A ist mit B verwechselbar, B mit C, A aber nicht mit C. Kann B nicht weitergeführt werden, können A und C möglicherweise beide fortfahren. Setzt sich B dagegen fort, können weder A noch C weiterkommen.

Damit ist eine Contention Set nicht zwingend eine Gruppe, in der jedes Mitglied jedem anderen visuell ähnelt. Sie kann vielmehr eine verbundene Abhängigkeitsstruktur darstellen. Die Mitgliedsliste sagt dann, welche Anträge miteinander verknüpft sind. Sie sagt noch nicht, zwischen welchen Paaren das Panel tatsächlich visuelle Ähnlichkeit festgestellt hat.

B ist eine Brücke, kein vorweggenommener Sieger

Die mittlere Position von B lässt sich leicht als Vorrang missverstehen. Die Regel verleiht B jedoch weder eine bessere Bewertung noch einen materiellen Anspruch auf Erfolg. Sie genehmigt den Antrag nicht, bewertet ihn nicht als technisch oder finanziell stärker und entscheidet auch nicht die spätere Auflösung der Konkurrenz.

B erfüllt in dem Beispiel eine strukturelle Funktion. Es ist die Brücke zwischen zwei direkten Feststellungen: A-B und B-C. Bleibt die Brücke im Verfahren, bleiben beide Konflikte relevant. Fällt sie weg, kann die Verbindung zwischen den beiden äußeren Anträgen ihre Sperrwirkung verlieren.

Deshalb müssen drei Aussagen getrennt werden. Erstens: Welche String-Paare hat das Panel direkt verglichen und als visuell verwechselbar eingestuft? Zweitens: Welche Anträge gehören nur aufgrund einer indirekten Verbindung zur Contention Set? Drittens: Welcher Antrag darf nach den späteren Verfahren zur Konfliktauflösung tatsächlich fortfahren? Eine Antwort auf die erste Frage ist keine Antwort auf die dritte.

Auch die Buchstaben A, B und C dürfen nicht in Tatsachen über reale Bewerbungen verwandelt werden. Sie sind ein Erklärungsmodell des Guidebook. Sie belegen weder, dass ICANN bereits eine konkrete Gruppe in dieser Form gebildet hat, noch dass ein bestimmter Antrag die Rolle der Brücke einnimmt.

Varianten können die unsichtbare Verbindung bilden

Noch schwieriger wird die Lesbarkeit, wenn Varianten beteiligt sind. Das Guidebook beschreibt auch einen Fall, in dem A mit einer Variante von B verwechselbar ist und eine andere Variante desselben B-Sets mit C. Die entscheidende Verbindung kann damit innerhalb eines Variant-Strings-Sets verlaufen, obwohl die drei primären Strings allein den Zusammenhang nicht erkennen lassen.

Das bedeutet nicht, dass jede Variante als unabhängiger Antrag behandelt wird. Es bedeutet auch nicht, dass jedes Paar zum selben Ergebnis gekommen ist. Es bedeutet lediglich, dass die Quelle einer Verbindung sichtbar sein muss, wenn die Öffentlichkeit die Zusammensetzung der Contention Set verstehen soll.

Ein flacher Eintrag mit drei Antragsnamen kann nicht zeigen, ob die Gruppe aus identischen Strings, direkter visueller Ähnlichkeit, einer Kette über B oder einer Verbindung über zwei Varianten entstanden ist. Diese Fälle können beim Ausgang ähnlich aussehen, beruhen aber auf unterschiedlichen Feststellungen und reagieren unterschiedlich, sobald ein Mitglied ausscheidet.

Was ICANN belegt – und was noch nicht belegt ist

ICANN beschreibt die String Similarity Evaluation als manuelle Prüfung durch ein unabhängiges Panel auf Grundlage der einschlägigen Daten und Leitlinien. Das Guidebook verlangt, dass das Panel seine Analyse, das Ergebnis und die Begründung dokumentiert. Zudem sollen die Ergebnisse auf der Evaluation Results Page des New-gTLD-Programms veröffentlicht werden.

Diese Regeln belegen die Existenz eines begründeten Panelergebnisses. Die hier geprüften Quellen belegen jedoch nicht, dass ICANN öffentlich eine vollständige Karte aller direkten und indirekten Verbindungen, Brücken-Strings und nachträglichen Änderungen bereitstellen wird. Es wäre daher falsch, eine solche Veröffentlichung als bereits bestehende Praxis darzustellen.

Ebenso wenig beweist die Mitgliedschaft in einer indirekten Contention Set, dass jedes Paar visuell ähnlich ist. Sie beweist nicht, dass der Brücken-Antrag besser ist. Und die String Similarity Evaluation selbst genehmigt keinen Antrag und schließt die spätere Contention Resolution nicht ab.

Fazit

Die ICANN-Regel sagt nicht, dass A und C einander visuell ähneln. Sie sagt, dass beide vom selben mittleren Antrag abhängig sein können, weil A direkt mit B und B direkt mit C konkurriert. Fällt B weg, können A und C möglicherweise gemeinsam fortfahren. Bleibt B, können beide blockiert sein.

Das ist eine Entscheidungsstruktur und nicht bloß ein Gruppenname. Wenn diese Struktur bestimmt, wer weitergehen kann, sollte die öffentliche Dokumentation direkte und indirekte Beziehungen, den Brücken-String und die Folgen einer Statusänderung erkennen lassen. Andernfalls sieht die Contention Set einheitlicher aus, als die Feststellungen des Panels tatsächlich waren.

Primärquellen