Zusammenfassung
- Ein Telefon- und UUCP-Mailknoten an der Universidad del Valle de Guatemala verband ab 1991 Forschende, bot aber gespeicherte und weitergeleitete E-Mails statt eines interaktiven Internetzugangs.
- Mayanets 64-Kbit/s-Satellitenverbindung setzte eine Einigung zwischen CONCYT und GUATEL über Genehmigung, Vertrag und Kostenteilung voraus; im Dezember 1995 verband sie fünf Universitäten und zwei Forschungsinstitute.
Analyse
E-Mail kam vor der Internetverbindung
1991 verband Luis Furlán einen Rechner an der Universidad del Valle de Guatemala über eine Telefonleitung und UUCP, damit Forschende E-Mails austauschen konnten. UUCP speicherte Nachrichten und übertrug sie bei Telefonanrufen. So war internationaler Austausch möglich, ohne eine dauerhafte IP-Route zu besitzen. Furlán zufolge fragten bald auch Forschende anderer Universitäten nach einem Zugang. Der Knoten wuchs, erhielt einen leistungsfähigeren dedizierten Rechner und eine zusätzliche Telefonleitung und erreichte schließlich Hunderte Nutzer. Das war ein wichtiger nationaler Ausgangspunkt, aber noch keine vollständige Internetanbindung.
Mayanet sollte ein anderes Problem lösen: mehrere Einrichtungen zu einem akademischen und wissenschaftlichen Netz mit internationalem Ausgang verbinden. Die Informatikkommission des CONCYT trieb das Vorhaben voran. Die spätere Darstellung des .gt-Registers nennt die fünf damaligen Universitäten sowie ICAITI, INCAP und CONCYT. Dafür brauchte es mehr als einen größeren Mailknoten: lokale Verbindungen, Ausstattung und einen Weg über die Landesgrenze mussten zusammenpassen.
Der Vertrag gehörte zum Betrieb
Laut der rückblickenden Darstellung des .gt-Registers durfte allein GUATEL Telekommunikationsdienste anbieten. Die Telefongesellschaft habe Mayanet zunächst keine Genehmigung erteilt, während sie ihr nationales X.25-Netz Mayapac entwickelte. Diese Quelle ist kein damaliger Genehmigungsbescheid. Sie erklärt jedoch die praktische Abhängigkeit: Universitäten konnten eine internationale Verbindung nicht einfach wie gewöhnliche Ausrüstung bestellen.
Die Quellen beschreiben die Vereinbarung aus verschiedenen Blickwinkeln. Ein RedHUCyT-Bericht von 1995 meldet eine Einigung zwischen GUATEL und CONCYT: GUATEL sollte einen 64-Kbit/s-Satelliten-Uplink und lokale Leitungen zu akademischen Einrichtungen kostenlos bereitstellen. Grete Paschs Rückblick von 1997 nennt weitere Zahlen. Ein früheres Angebot habe mehr als 4.500 US-Dollar pro Monat für den Uplink und zusätzlich 2.000 US-Dollar für den Downlink in den USA betragen.
Bis April 1995 seien die endgültigen Verträge geschlossen worden: GUATEL übernahm demnach gemietete 2-Mbit/s-Leitungen zu den Teilnehmern sowie den gemeinsamen Uplink; jede Einrichtung zahlte zwei Jahre lang monatlich 350 US-Dollar für den US-Downlink. Die OAS stellte Router, Nameserver, Schulungen und technische Hilfe bereit. Diese Einzelheiten stammen aus dem späteren Bericht, nicht aus einer Prüfung des unterschriebenen Vertrags.
Im Dezember 1995 wurde aus dem Projekt eine Verbindung. Eine vom Network Startup Resource Center archivierte Nachricht vom 7. Dezember verkündete, Guatemala sei „ab heute“ über einen 64-Kbit/s-Satellitenlink nach Washington, D.C., mit dem Internet verbunden. Genannt wurden GUATEL, CONCYT, die fünf Universitäten, ICAITI und INCAP. Saul Hahns spätere OAS-Fallstudie bestätigt den Dezember, nennt aber den 6. Dezember. Der Monat ist belegt; die Abweichung von einem Tag bleibt offen.
Mayanet war kein kommerzieller Internetdienst für Haushalte. Das .gt-Register nennt Citel als ersten kommerziellen Anbieter Guatemalas und datiert dessen Auftreten auf Januar 1996. Das akademische Netz schuf einen gemeinsamen Anschluss und Betriebsrahmen; daraus folgt nicht, dass Unternehmen oder Privathaushalte den Dienst zu denselben Bedingungen kaufen konnten.
Heng Lus Note 64 dient hier als analytischer Blickwinkel, nicht als historische Quelle: Eine gemeinsame technische Schicht kann eng umrissen sein, während lokale Vereinbarungen über Genehmigung, Kosten und spätere Entscheidungen bestimmen, wer sie nutzt. Bei Mayanet waren Satellitenlink, lokale Leitungen, Ausstattung, Schulung und Kostenteilung miteinander verbunden. Die Quellen zeigen den Mechanismus, belegen aber weder, dass die Vereinbarung optimal war, noch dass sie allein die Nutzung auslöste.
Quellen
- Saul Hahn, OAS/RedHUCyT, “Case Studies on Development of the Internet in Latin America and the Caribbean”, INET 2000: Fallstudie.
- Nachricht “GUATEMALA en INTERNET” vom 7. Dezember 1995, archiviert beim NSRC: zeitgenössischer Beleg.
- Universidad del Valle de Guatemala, Internetgeschichte mit dem späteren Bericht von Luis Furlán: Geschichte des .gt-Registers.
- Saul Hahn, “Networking in Latin America and the Caribbean and the OAS/RedHUCyT Project”, INET ’95: Projektbericht.
- Grete Pasch, “The Dawn of the Internet Era in Guatemala” (1997): Rückblick.
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