Zusammenfassung

  • ARINs TIPTOP-Entwurf steht in der Fassung vom 27. Mai weiter zur Diskussion, enthält IPv4 und IPv6 und hängt von noch offenen Abstimmungen ab.
  • Ein individuelles IETF-Draft vom 23. Oktober schlägt einen anderen Weg vor: IANA stellt einen IPv6-Block bereit, das NRO bestimmt die Verteilung. Eine gemeinsame Adressverwaltung ist noch nicht gewählt.

Ein Präfix braucht eine zuständige Stelle

Ein Präfix ist ein knappes Versprechen: Diese Adressen gehören zusammen. Auf der Erde lassen jahrzehntelange Registrierungsregeln das wie Routine wirken. Jenseits der Erdumlaufbahn lautet die erste Frage nicht, wie man Routen zeichnet. Zuerst muss feststehen, welche Institution Adressen vergeben darf, die andere Netze als zusammengehörig anerkennen.

ARINs Draft Policy 2026-1, „Taking IP To Other Planets“, bietet eine bedingte Antwort. Der öffentliche Text vom 27. Mai würde ARIN erlauben, IPv4- und IPv6-Adressen an Organisationen mit IP-Netzen jenseits der Erdumlaufbahn zu vergeben, auch auf dem Mond. Die Hierarchie folgt Himmelsregionen: Mond, Erde-Mond-Lagrange-Punkte, Asteroidengürtel und weitere Planetensysteme. Aggregation ist erwünscht, aber nicht vorgeschrieben; bei Bedarf dürfen Betreiber spezifischere Routen ankündigen.

Der Entwurf zählt selbst auf, was vor der Umsetzung geklärt werden muss. IETF und IANA müssen feststellen, ob eigene Adressressourcen und eine Koordination der Register nötig sind. Die RIR müssen ihre operativen Zuständigkeiten vereinbaren. ARINs Board muss entscheiden, ob diese Aufgabe zum Auftrag von ARIN passt. Ein Regeltext kann eine planetare Adresskarte zeichnen. Er kann weder den Adressblock erzeugen noch seinem Verwalter mit den Worten „ARIN darf“ ein Mandat geben.

ARINs Personal- und Rechtsprüfung vom 1. April legt die Lücke offen. Ein eigener Block sei Voraussetzung für sinnvolle Aggregation, aber Quelle und Verfügbarkeit müssten noch festgelegt werden. Die Prüfung fragt auch, ob ARIN vorübergehend als Standardregister dienen sollte. Das hänge vom Board, der Community und der Zustimmung der anderen RIR ab. Umsetzungszeit und Anforderungen seien nicht verfügbar; eine vollständige Prüfung müsse warten, bis der Entwurf weiterentwickelt ist.

Die öffentliche ARIN-Seite hat die von den Verantwortlichen beschriebene Änderung noch nicht nachgezogen. In der Sitzung des Advisory Council am 17. September sagte der Policy Shepherd, die TIPTOP-Arbeitsgruppe bewege sich in Richtung IPv6-only; die Streichung von IPv4 sei die größte anstehende Änderung am ARIN-Text. Auf der Seite steht weiterhin die Version vom 27. Mai mit beiden Adressfamilien. Auch bei ARIN 58 am 22. Oktober blieb die Vorlage eine Draft Policy. Die Diskussion berührte außerdem die Frage, ob dieses Thema überhaupt ins Number Resource Policy Manual gehört.

Der IETF-Entwurf vom 23. Oktober schlägt eine andere Verwaltungskette vor. Es ist ein individuelles Internet-Draft, nicht von der IETF gebilligt und kein Standard. Es bittet IANA um einen IPv6-Block für Weltraumumgebungen; das NRO soll bestimmen, wie Adressen innerhalb der Himmelsregionen verteilt werden. Der Mai-Entwurf sah ein bestehendes RIR oder ein neues Register für einen gemeinsamen Block vor. Der TIPTOP-Dokumentindex führt diesen älteren Text weiterhin als wartend auf eine Annahmeabstimmung in der Arbeitsgruppe. Die Texte teilen das Aggregationsziel. Einen gemeinsamen Verwalter haben sie nicht benannt.

Präfixe nach Mond, Planet oder Umlaufbahn zu ordnen, ist eine Topologieentscheidung. Wer sie vergeben darf, ist eine Entscheidung über Vollmacht. Das eine lässt sich mit Adressblöcken skizzieren. Das andere braucht ein Mandat, das Register und Betreiber anerkennen.

Im öffentlichen Bestand fehlt weiterhin ein überarbeiteter ARIN-Text, der Adressblock und Verwalter benennt. Seine Veröffentlichung würde diese Einschätzung ändern. Derzeit gibt es begründete Vorschläge für Weltraumadressierung, aber noch kein arbeitendes Register.

Quellen