Zusammenfassung

  • Die Guest-Rolle zählt bei GitLab Premium als kostenpflichtiger Nutzer. Bei Ultimate kann sie ohne Lizenzplatz auskommen; höhere Rollen innerhalb des maßgeblichen Abonnementbereichs ändern diese Einordnung.
  • Ultimate nimmt einen Gast mit ausschließlich zusätzlich eingeräumtem Code-Leserecht von der Sitzpflicht aus. Weitere Rechte können einen Sitz belegen; erst ein Überschreiten der gekauften Plätze erzeugt einen zusätzlichen Abrechnungsbedarf.

Der Besucherausweis hat eine Preisfunktion

Ein Besucher soll kurz mitreden dürfen. Vielleicht muss er Anforderungen kommentieren, eine Entscheidung nachvollziehen oder den Stand eines Projekts sehen. In einer Softwarefirma ist das ein gewöhnlicher Wunsch. In GitLab steckt darin zugleich eine Einkaufsentscheidung: Welche Rolle erhält dieser Mensch, und zählt diese Rolle als bezahlter Platz?

Die Antwort hängt bereits vom gebuchten Produkt ab. Nach GitLabs Regeln zur Sitzverwaltung zählen Gäste im Premium-Tarif als kostenpflichtige Nutzer. Im Ultimate-Tarif können Nutzer mit ausschließlich der Guest-Rolle ohne Lizenzplatz teilnehmen. Dasselbe Wort auf dem Besucherausweis hat damit in zwei Tarifwelten einen anderen Preis.

Das ist eine interessante Form der Produktgestaltung. Ein höherer Tarif verkauft zusätzliche Funktionen und kann zugleich die Gruppe der Personen verkleinern, für die das Unternehmen überhaupt einen Sitz benötigt. Der Preis je bezahltem Nutzer erzählt folglich nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte steht in der Mitgliederverwaltung.

Die öffentliche Preisseite nennt für Premium derzeit 29 US-Dollar pro Nutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung. Für Ultimate verlangt GitLab ein individuelles Angebot und wirbt mit unbegrenzten Gästen. Ob der Wechsel die Gesamtrechnung senkt, hängt vom konkreten Angebot und der tatsächlichen Rollenverteilung ab. Genau diese beiden Angaben fehlen für einen belastbaren Sparbetrag.

Ein Unternehmen mit vielen gelegentlichen Mitlesern hat eine andere Rechnung als eines, in dem fast jeder regelmäßig Code verändert. Ein pauschaler Vergleich zweier Nutzerpreise macht aus diesen unterschiedlichen Organisationen künstlich denselben Kunden.

Kostenlos lesen, kostenpflichtig mehr dürfen

Die Grenze verläuft keineswegs einfach zwischen Menschen, die schreiben, und Menschen, die nur lesen. Laut der Rollenübersicht können normale Gäste an Issues und Epics teilnehmen, erhalten aber keinen gewöhnlichen Zugriff auf private Repository-Inhalte. Die Reporter-Rolle darf Code ansehen, zählt jedoch zu den kostenpflichtigen Rollen. Lesender Zugriff ist also noch kein Freifahrtschein.

Ultimate bietet dafür eine bemerkenswert präzise Ausnahme. Einer benutzerdefinierten Mitgliedsrolle liegt eine Standardrolle zugrunde. Wird die Guest-Rolle ausschließlich um die Berechtigung read_code ergänzt, benötigt sie nach der Dokumentation keinen Sitz. GitLab erlaubt so den Blick in den privaten Code, ohne dafür einen regulären Entwicklerplatz zu verlangen.

Die Beschreibung der Guest-Rolle zieht die nächste Linie ausdrücklich: Weitere hinzugefügte Berechtigungen machen diese Rolle sitzpflichtig. Eine kleine Erweiterung im Berechtigungsdialog kann damit eine andere kaufmännische Kategorie erzeugen. Auf dem Organigramm hat niemand den Arbeitsplatz gewechselt. Im Abonnement kann trotzdem ein zusätzlicher Platz belegt sein.

Das kostenlose Leserecht hat einen echten Nutzen. Ein Beteiligter, der den Code verstehen muss, aber keine weitergehenden Aufgaben erfüllt, kann passend eingebunden werden. Sobald seine Arbeit mehr verlangt, muss die Organisation diese Fähigkeiten auch bereitstellen. Den Menschen auf eine unzureichende Rolle zu reduzieren, nur damit die Sitzstatistik hübscher aussieht, verlagert die Kosten in Rückfragen, Umwege und unerledigte Arbeit.

Der sinnvolle Prüfpunkt ist daher die Aufgabe. Welche konkrete Handlung benötigt der Beteiligte? Reicht Guest mit dem dokumentierten Leserecht, oder braucht er eine zusätzliche Fähigkeit? Eine präzise Antwort hilft der Zugriffssteuerung und dem Einkauf gleichzeitig. Der großzügige Klick auf eine umfassendere Rolle löst zwar den aktuellen Zuruf, entscheidet aber womöglich stillschweigend über wiederkehrende Kosten.

Ein zweiter Hut zählt mit

Auch ein sauber eingestellter Projektzugang reicht allein nicht für die Rechnung. Auf GitLab.com muss die Rollenprüfung den maßgeblichen Abonnementbereich erfassen. Wer in einem Projekt als Guest erscheint, andernorts innerhalb derselben bezahlten Struktur aber eine höhere, sitzpflichtige Rolle besitzt, wird durch das lokale Gästeetikett nicht kostenlos.

Für Self-Managed ist die Grenze weiter: Dort zählt die Rolle über die Instanz hinweg. GitLab weist ausdrücklich darauf hin, vor einem Wechsel zu Ultimate weitere Rollen der vermeintlichen Gäste zu prüfen. Bei GitLab.com liegt ein persönlicher Namensraum dagegen außerhalb der beschriebenen Gruppenabrechnung. Ein Blick auf irgendeine Mitgliederliste genügt also nicht; die richtige organisatorische Grenze entscheidet.

Dabei wird dieselbe Person innerhalb eines abonnierten Top-Level-Gruppenbereichs nicht für jede einzelne Projektmitgliedschaft erneut gezählt. Viele Mitgliedschaften können einen Sitz belegen. Die entscheidende Frage ist, ob die Person überhaupt in die kostenpflichtige Population fällt. Wer Mitgliederzeilen statt Personen zählt, kann den Einkaufsbedarf ebenso übertreiben wie derjenige, der nur die niedrigste sichtbare Rolle betrachtet.

Die praktische Folge ist unspektakulär und teuer genug, um Aufmerksamkeit zu verdienen: Rollenverwaltung gehört zur Kostenverantwortung. Eine Teamleitung kann eine Berechtigung aus gutem Grund vergeben. Der Einkauf sollte trotzdem erkennen können, welche Änderung einen vorhandenen freien Sitz verbraucht oder die gekaufte Kapazität überschreitet.

Die Rechnung erinnert sich an den Höchststand

Nicht jede Beförderung eines Gastes löst sofort eine zusätzliche Rechnung aus. Ist ein bereits bezahlter Sitz frei, kann der Nutzer ihn belegen. GitLab.com erlaubt den Austausch von Nutzern innerhalb der gekauften Kapazität. Ein Kommen und Gehen zählt nicht automatisch jeden Besucher als zusätzlichen Jahreskunden.

Anders wird es beim Überschreiten der gebuchten Plätze. Dann zählt der höchste relevante Sitzverbrauch, nicht bloß die kleinere Mannschaft am Tag der Rechnung. Eine spätere Rollenrücknahme kann den aktuellen Stand korrigieren, ohne den bereits erreichten Höchststand aus der Abrechnung zu entfernen.

GitLabs Regeln für Mehrverbrauch unterscheiden die vierteljährliche Abrechnung mit der vorgesehenen anteiligen Berechnung für die restliche Laufzeit von der jährlichen Nachberechnung. Welche Regel gilt, hängt von der Teilnahmeberechtigung und dem Vertrag ab. Die Verlängerungsanleitung macht außerdem deutlich, wann weniger Plätze für die nächste Laufzeit gewählt werden können. Ein aufgeräumtes Rollenverzeichnis und ein kleinerer künftiger Vertrag sind zwei Arbeitsschritte.

Damit verändert sich der Zeitpunkt einer sinnvollen Kostenprüfung. Eine Kontrolle erst vor der Verlängerung findet veraltete Zugänge, kommt für einen bereits erzeugten Höchststand aber zu spät. Die wirtschaftlich wirksame Frage entsteht beim zusätzlichen Recht: Ist es erforderlich, ist ein bezahlter Platz frei, und wer trägt eine mögliche Erweiterung?

GitLab verkauft einen Zugang zur Zusammenarbeit, dessen Preis auch von der Form dieser Zusammenarbeit abhängt. Die kostenlose Gästeliste kann einen höheren Tarif attraktiver machen. Sie bleibt nur dann eine belastbare Kalkulationsgröße, wenn die Gäste ihre tatsächlichen Rollen behalten. Der Besucherausweis ist klein; die Entscheidung dahinter gehört nicht ins Kleingedruckte der Organisation.