Zusammenfassung
- Version 03 integriert RFC 7606 als wichtigsten Beitrag. Abschnitt 6.4.1 ordnet vier Reaktionen auf UPDATE-Fehler: Sitzung zurücksetzen, eine Adressfamilie deaktivieren, Routen der betroffenen Nachricht zurückziehen oder ein wirkungsloses Attribut verwerfen.
- Die Fehlerklasse bestimmt die vorgeschriebene Reaktion. Treat-as-withdraw setzt erfolgreich lesbare NLRI voraus; ein Attribut darf nur entfallen, wenn es weder Routenauswahl noch Installation beeinflusst.
Ein fehlerhaftes UPDATE kommt vom Nachbarn. Die Betriebsfrage lautet: Wie weit reicht die passende Reaktion?
Der am 22. Oktober datierte Entwurf draft-ietf-idr-bgp4-rfc4271bis bringt diese Frage in die BGP-4-Basisspezifikation. Anhang B nennt die Integration von RFC 7606 als Hauptbeitrag der Version 03. RFC 7606 überarbeitete 2015 den Umgang mit Fehlern in BGP-UPDATE-Nachrichten. Abschnitt 6.4.1 führt vier Reaktionen auf, von der stärksten bis zur schwächsten. Die Rangfolge ist eine Skala der Auswirkungen, keine Speisekarte für Router. Die Fehlerklasse legt die Reaktion fest; eine Implementierung kann per Konfiguration zum Sitzungsreset zurückkehren.
Vier Reichweiten
Ganz oben steht der Sitzungsreset. Der Router sendet eine NOTIFICATION und beendet die BGP-Sitzung. Betroffen ist die Nachbarschaft mit allen darüber ausgehandelten Adressfamilien. Der Routenstatus läuft anschließend durch Konvergenz und Wiederanlauf des Betreibers. Kann der Parser die Routen in der Nachricht nicht sicher lokalisieren, fehlt die Grundlage, den Fehler auf eine kleine Präfixliste zu begrenzen.
Eine Stufe darunter steht AFI/SAFI deaktivieren. AFI und SAFI kennzeichnen Netzwerkprotokoll und Art der ausgetauschten Erreichbarkeit. Der Entwurf verweist auf das vorhandene Multiprotocol-BGP-Verfahren: Ein Router kann nach einem Fehler für eine Adressfamilie weitere Routen dieser Familie vom selben Nachbarn ignorieren. IPv4 Unicast kann betroffen sein, während IPv6 Unicast über dieselbe Sitzung weiterläuft. Die Grenze liegt bei einer Familie auf einem Peering, nicht bei der gesamten Nachbarschaft.
Treat-as-withdraw betrifft die Routen im UPDATE, das den Fehler enthält. Sie werden aus Adj-RIB-In entfernt, als hätte die Nachricht sie zurückgezogen. Dafür muss der Router die NLRI erfolgreich parsen. Wenn die enthaltenen Präfixe unklar bleiben, lässt sich aus der Nachricht keine zuverlässige Rückzugsliste herstellen.
Die mildeste Reaktion heißt Attribut verwerfen. Das fehlerhafte Pfad-Attribut wird verworfen, das restliche UPDATE weiterverarbeitet. Die Störung ist kleiner, die Bedingung eng: Das Attribut darf Routenauswahl und Installation nicht beeinflussen. Wer Präferenz, Next Hop oder eine andere entscheidende Information entfernt, ändert den Pfad und nennt es anschließend Aufräumen.
Die entscheidende Trennung: Die Stufen beschreiben die Reichweite der Reaktion; die noch verlässlichen Parserdaten bestimmen, welche Reaktion trägt. Bei widersprüchlichen Attributlängen nutzt der Entwurf die Gesamtlänge der Attribute, um den Anfang der NLRI zu finden, und verlangt Treat-as-withdraw, sofern kein schwerwiegenderer Fehler vorliegt. Lässt sich die NLRI nicht verlässlich parsen, führen die einschlägigen Regeln zum Sitzungsreset.
Was Version 03 zusammenführt
RFC 7606 brachte die überarbeitete Fehlerbehandlung für UPDATEs bereits mit. Version 03 integriert sie in den BGP-4-Haupttext, damit Spezifikation und Fehlerpolitik zusammenstehen. Mehrere alte UPDATE-Fehler-Subcodes werden ebenfalls außer Kraft gesetzt, weil ihre Bedingungen unter den neuen Verfahren keine NOTIFICATION mehr auslösen. Bei einem semantisch falschen NEXT_HOP ersetzt der Entwurf „ignorieren“ durch Treat-as-withdraw und erlaubt per Konfiguration den Rückweg zum Sitzungsreset.
Die Integration bleibt teilweise: Änderungen aus RFC 7606 an anderen RFCs übernimmt der Entwurf nicht vollständig. Datatracker führt ihn am 24. Oktober als Active Internet-Draft der IDR-Arbeitsgruppe mit IESG-Status „I-D Exists“. Der Meilenstein sieht vor, die BGP-Basisspezifikation im Mai 2027 als Internet Standard an die IESG zu geben. Im Entwurfskopf steht, dass er RFC 7606 bei Annahme aktualisiert.
Die Folgen reichen vom Parser bis ins Netz. Ein Sitzungsreset macht aus einem Nachrichtenfehler ein Nachbarschaftsereignis. Das Abschalten einer Familie verändert den Wiederanlauf dieses Dienstes auf dem Peering. Treat-as-withdraw kann den Verkehr der betroffenen Präfixe umlenken, während andere UPDATEs weiterlaufen. Attributverwerfen erhält die Route und entfernt Information; sicher ist es nur bei Kenntnis der Attributsemantik.
Das laufende Netz liefert den Test. Für jede Fehlerklasse müssen Betreiber Ursache, vorgeschriebene Reaktion, tatsächliche Aktion, geänderte Routen und Weiterleitung zusammenführen. Der Status Established beantwortet eine Frage zum Sitzungszustand. Aussagekräftige Belege folgen der UPDATE-Entscheidung durch Adj-RIB-In, ausgewählte Route, FIB und Paket.
Quellen
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