Zusammenfassung

  • Am 7. April 1983 schickte Jim McKie vom EUnet-Rechner in Amsterdam eine Nachricht an Enea Data in Täby, wo Björn Eriksen mit dem Unix-System arbeitete.
  • Die Übertragung lief über UUCP, nicht über TCP/IP. Sie belegt internationalen Mailverkehr, aber weder das spätere schwedische IP-Netz an der Chalmers-Universität noch einen allgemeinen Internetzugang.

Um 14:02 Uhr traf in Schweden eine Nachricht mit dem Betreff „Hello“ ein. Der erhaltene Header ist aussagekräftiger als die Begrüßung: From: mcvax!jim, To: enea!ber. Jim McKie schrieb vom EUnet-System in Amsterdam an ein Konto auf dem Enea-Rechner, der mit Björn Eriksen verbunden war. Die Nachricht bezeichnete sich selbst als Test und kündigte eine weitere Verbindung an. Das war eine Betriebsprobe zwischen Unix-Systemen, keine öffentliche Inbetriebnahme.

„Das Internet kam nach Schweden“ kann mehrere historische Schritte meinen. Das Internetmuseum nennt die Nachricht die erste E-Mail, die Schweden über das Internet erreichte, weist aber zugleich auf eine frühere Nachricht von 1982 hin, die über eine Brücke aus dem KOM-System kam. Präziser ist daher: Es war der als solcher dokumentierte internationale EUnet-Mailtest bei Enea und ein Beleg dafür, dass ein schwedischer Host an einem grenzüberschreitenden Austausch teilnahm. Daraus folgt nicht, dass in Schweden zuvor nie elektronische Post einging.

Der Austausch nutzte UUCP, Unix-Software zum Kopieren von Dateien und Weiterleiten wartender Nachrichten zwischen Rechnern. So konnte Mail Grenzen überwinden, ohne dass jeder beteiligte Rechner eine interaktive IP-Verbindung besaß. Die sogenannten Bang Paths setzten Hostnamen mit Ausrufezeichen aneinander. Damit wurde die Zustellung zu einer Frage konkreter Übergaben: Die Betreiber mussten wissen, welcher Rechner die Nachricht als Nächstes annehmen und weiterreichen konnte.

Bei der physischen Verbindung widersprechen sich die Quellen. Das Internetmuseum nennt UUCP und X.25; die schwedische Internetgeschichte beschreibt UUCP über eine Telefonwahlverbindung mit Modem. Vielleicht beziehen sich die Darstellungen auf verschiedene Schichten oder Verbindungsarten, doch die vorhandenen Belege lösen den Widerspruch nicht auf. Einig sind sie sich darin, dass die Nachricht von 1983 nicht über TCP/IP lief.

Die Geräte geben dem Vorgang einen materiellen Ort. Laut der schwedischen Internetgeschichte stand bei Enea Data in Täby ein VAX 780 mit BSD Unix. Enea übergab später einen Digital DECwriter III an das Schwedische Nationalmuseum für Wissenschaft und Technik; Eriksen hatte das Gerät zum Ausdruck der Nachricht verwendet. Das erhaltene Terminal verankert die Geschichte in einem konkreten Objekt, beweist aber nicht allein jedes Detail der Übertragungsstrecke.

Ein erfolgreicher Test bedeutete noch keinen regelmäßigen Dienst. Das Buch der Internet Society Sweden berichtet, dass dem schwedischen Telefonanbieter automatische Wählgeräte fehlten und importierte Geräte erst genehmigt werden mussten. Die Prüfung habe den regulären Mailversand verzögert. Die Software konnte also laufen, während der örtliche Weg zum nächsten Rechner an Hardware und Freigaben hing. Sven Tafvelin erinnerte sich später an regelmäßige Anrufe und Warteschlangen, deren Nachrichten über Enea von Host zu Host weitergereicht wurden. Das ist ein Rückblick auf das Betriebsmodell, kein Verkehrsmitschnitt vom 7. April.

Ein anderer Meilenstein folgte im Frühsommer 1984: Ulf Bilting verband an der Chalmers-Universität das erste schwedische IP-Netz mit der Nummer 192.5.50.0 mit ARPANET. Die Nachricht von 1983 belegt internationalen EUnet-Mailverkehr per Store-and-forward; Chalmers steht 1984 für schwedische Netzteilnahme mit IP. SUNETs Entscheidung für TCP/IP 1986 und die Verbindung nach Princeton über NORDUnet 1988 kamen später.

Der kurze Test ist deshalb eine Grenze zwischen Ebenen, kein eindeutiges nationales Geburtsdatum. Ein Land konnte einen international erreichbaren Mailhost haben, bevor es ein lokal nummeriertes IP-Netz gab. Interoperabilität entstand durch funktionierende Übergaben und lokale Betriebsentscheidungen. Was „Internetanschluss“ bedeutet, hängt davon ab, ob man Mail, IP-Erreichbarkeit oder einen Dienst für Nutzer zählt.

Quellen