Zusammenfassung
- Im Februar 1995 richteten Brian Behlendorf und Cliff Skolnick die Mailingliste und gemeinsame Entwicklungsinfrastruktur ein, über die Webadministratoren Korrekturen für NCSA httpd abstimmen konnten.
- Die Gruppe testete ihr auf NCSA beruhendes Apache auf eigenen Servern; eine Veröffentlichung bewies nicht, dass externe Betreiber es installiert hatten oder ausführten.
Der Vorläufer von Apache entstand nicht auf einem unbeschriebenen Blatt, sondern aus einem Wartungsproblem, das über viele Betreiber verteilt war. Nachdem Rob McCool NCSA 1994 verlassen hatte, stockte die Entwicklung von NCSA httpd. Webadministratoren ergänzten und korrigierten den Server jeweils selbst; es fehlte ein gemeinsamer Weg, diese Änderungen auszutauschen und zusammenzuführen.
Die eigene Apache-Geschichte weist Brian Behlendorf dabei eine konkrete Rolle in der Infrastruktur zu. Gemeinsam mit Cliff Skolnick stellte er eine Mailingliste, einen gemeinsamen Informationsraum und Entwicklerzugänge auf einem Rechner in der kalifornischen Bay Area bereit. HotWired spendete Bandbreite. Das macht Behlendorf nicht zum alleinigen Apache-Autor. Ende Februar 1995 bildeten acht Personen die ursprüngliche Apache Group; weitere Beteiligte trugen ebenfalls bei. Das offizielle Verzeichnis beschreibt Behlendorfs Tätigkeit später als vielfältig und auf Entwicklungsinfrastruktur ausgerichtet.
Die erste Grenze verlief zwischen einzelnen Patches und einer gemeinsamen Basis
Die Gruppe nahm NCSA httpd 1.3 als Ausgangspunkt, sammelte veröffentlichte Fehlerkorrekturen und sinnvolle Verbesserungen, testete das Ergebnis auf den eigenen Servern und veröffentlichte im April 1995 Apache 0.6.2 als erste offizielle Version. Jeder Schritt beschreibt einen anderen Zustand: Ein Patch existiert; Mitwirkende wählen ihn aus und integrieren ihn; ihre Server testen das Gesamtpaket; anschließend veröffentlicht die Gruppe eine Version. Keiner dieser Schritte verrät für sich genommen, was ein externer Administrator installiert hat.
Auch gegenüber NCSA gab es keinen klaren Bruch. NCSA nahm seine Entwicklung im selben Zeitraum wieder auf. Brandon Long und Beth Frank aus dem NCSA-Serverteam traten der Mailingliste im März als Ehrenmitglieder bei, damit beide Projekte Ideen und Korrekturen austauschen konnten. Apache entstand also in einem Austausch über Projektgrenzen hinweg.
Eine öffentliche Version brauchte einen weiteren Test
Die erste Veröffentlichung gewann Nutzer, doch die Projektgeschichte dokumentiert eine weitere Arbeitsphase. Im Mai und Juni entwarf Robert Thau die Shambhala-Architektur mit modularer Struktur und API, Pool-Speicherverwaltung und einem adaptiven Prefork-Prozessmodell. Im Juli wechselte die Gruppe auf diese Basis; Apache 0.8.8 folgte im August. Apache 1.0 erschien am 1. Dezember nach umfangreichen Betatests, Portierungen auf weniger verbreitete Plattformen, neuer Dokumentation und zusätzlichen Standardmodulen.
Die Abfolge ist wichtig, denn „veröffentlicht“ heißt nicht „in Betrieb“. Die Mitwirkenden konnten einen Build auf ihren eigenen Rechnern testen und ein Paket bereitstellen. Externe Betreiber hatten weiterhin ihre eigene Hardware, Konfigurationen, Module, Wartungsfenster und Rückfallmöglichkeiten zu berücksichtigen. Laut Projektgeschichte überholte Apache NCSA 1996 als meistgenutzter Webserver im Internet. Eine zeitgenössische Netcraft-Erhebung meldete im Mai 30 Prozent für Apache und 25 Prozent für NCSA unter den erfassten Websites.
Das belegt eine breite Nutzung, ist aber weder eine Vollerhebung aller Hosts noch eine Versionsgeschichte der laufenden Prozesse.
Behlendorfs belegter Beitrag wird an diesem Übergang am deutlichsten. Seine Arbeit schuf mit die Kommunikations- und Zugangswege, über die verteilte Wartung zu einer gemeinsamen Veröffentlichung werden konnte. Entwicklung und Tests leistete eine größere Gruppe; die spätere Architektur hatte einen ausdrücklich genannten Entwerfer; und jeder Serverbesitzer behielt eine eigene Betriebsentscheidung. Der Mechanismus erklärt, wie eine gemeinsame Version möglich wurde, nicht dass sie überall übernommen war.
Note 64 ist eine heutige Lesart, nicht die Entstehungsgeschichte von Apache
Heng Lus Note 64 unterscheidet einen veröffentlichten Vorschlag von einer Änderung, die Beteiligte implementieren, deployen und übernehmen. Das ist eine hilfreiche heutige Frage an die Apache-Geschichte, aber keine historische Quelle für das Projekt; es gibt keinen Beleg, dass seine Gründer Note 64 vorwegnahmen. Der erklärte Geltungsbereich umfasst verteilte Register oder gleichwertige Mechanismen für überprüfbare Zustände. Apache war ein gemeinsam gepflegter Webserver und entwickelte später formale Projektstrukturen. Der Vergleich bleibt eng: Die Ankündigung eines Releases bringt es nicht auf den Server eines Betreibers.
Für Betreiber muss die Nachweiskette deshalb über den Upstream-Tag hinausreichen: Paket oder Build identifizieren, lokale Konfiguration und Module testen, schrittweise ausrollen, den Prozess nach dem Wechsel beobachten und einen Rückweg erhalten. Das Repository zeigt, was Maintainer veröffentlicht haben. Was auf einem konkreten Dienst läuft, können nur Prüfungen unter Kontrolle seines Betreibers zeigen.
Quellen
- Geschichte des Apache-HTTP-Server-Projekts
- Apache-Mitwirkende: Behlendorf und Thau
- Historische Apache-Zeitleiste
- Netcraft-Meldung zur Erhebung im Mai 1996, im Usenet archiviert
- Heng Lu, Note 64
- Netcraft-Ankündigung zur Erhebungsmethode (März 1996)
- Rückblick der Gründer der Apache Software Foundation
- Historisches Archiv des Apache-Projekts
- EFF-Vorstandsprofil von Brian Behlendorf
- EFF-Porträt, ausschließlich zur Identitätsprüfung des Bildes verwendet
- Netcraft Web Server Survey vom Dezember 1996
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