Zusammenfassung
- RFC 10035 ergänzt YANG Library um die nur lesbare Liste
augmented-by. Ein Server kann damit melden, welche Module ein anderes Modul im selben module-set direkt erweitern — eine Rückwärtsabhängigkeit, die im Quelltext des Basismoduls nicht sichtbar ist. - Die Liste ist nicht transitiv. Fügt B unter A einen Knoten ein und C unter dem von B definierten Knoten ein Blatt, nennt A nur B und B nur C. C wird nicht zum direkten Augment von A, nur weil sein Pfad in A beginnt.
- Die Kante ist eine versionierte direkte Nachbarschaft eines Servers. Für Aussagen über das effektive Schema braucht es zusätzlich
content-id, Revisionen, Zugriff, Client-Traversierung, analysierte Quellen und beobachtetes Ergebnis.
Gewöhnliche Abhängigkeiten zeigen in eine vertraute Richtung. Ein YANG-Modul schreibt import, wenn es Definitionen eines anderen Moduls benötigt, und include, wenn es ein Submodul einbindet. RFC 7950 legt damit Informationen in die Quelle, die sie konsumiert. Der Parser kann ihr nach außen folgen.
Ein externes augment kommt von der Gegenseite. Ein anderes Modul wählt einen Zielpunkt im Schemabaum und fügt dort Knoten ein. Der Besucher kennt das Ziel; das Zielmodul führt nicht automatisch Buch über seine Besucher. Deshalb kann eine korrekte Analyse des Basismoduls das effektive Schema verfehlen.
RFC 10035 löst genau dieses Entdeckungsproblem. YANG Library: Addition of the augmented-by List erschien im August 2026 auf dem IETF Standards Track und aktualisiert RFC 8525. Autoren sind Zhuoyao Lin, Benoît Claise und Ignacio Dominguez Martinez-Casanueva. Die leaf-list augmented-by lässt den Server zu jedem Modul dessen direkte Augmentierer nennen.
Claise liefert den betrieblichen Kontext, nicht den Anspruch auf Alleinurheberschaft. Sein am 31. August 2026 erfasstes Datatracker-Profil nennt 45 RFCs einschließlich RFC 10035 sowie damalige öffentliche Rollen in Netzmanagement und -betrieb, bei Leistungsmetriken, einem IAB-Workshop und YangCatalog. Eine IETF-104-Biografie dokumentiert seine Co-Direktion der Operations and Management Area von 2012 bis 2018 und Arbeit an YANG, Telemetrie und Automatisierung. Das sind datierte Beiträge zu kollektiver Arbeit, keine Kontrolle über Implementierungen.
Die Abhängigkeit steht beim Veränderer
import und include stehen beim Verbraucher. Das externe augment steht in der Quelle, die einen fremden Baum verändert. RFC 10035 zählt es mit deviation zu den Rückwärtsabhängigkeiten: Form oder Verhalten der Basis können durch eine Aussage außerhalb der Basis verändert werden.
YANG Library konnte Abweichungsmodule bereits benennen. Für Augments fehlte ein entsprechender Meldeweg. Eine globale Modulsuche liefert Kandidaten, nicht die Zusammenstellung eines konkreten Servers. augmented-by bindet die Antwort an dessen Kontext: Basis- und Augment-Modul müssen im selben module-set aufgeführt sein.
Die Kante ist damit keine universelle Verbindung zweier veröffentlichter Module. Sie ist die Aussage einer aktuellen Bibliotheksinstanz über direkte Nachbarschaft. Sie beweist weder ein vollständiges Schema noch korrekte Implementierung.
Der unmittelbare Elternknoten bestimmt die Kante
Das Drei-Modul-Beispiel aus RFC 10035 zieht die entscheidende Grenze. A definiert foo-a. B ergänzt darunter foo-b. C ergänzt unter foo-b ein Blatt.
Cs Pfad ist zwar in A verwurzelt, doch der unmittelbare Elternknoten des neuen Blattes stammt aus B. Darum nennt A B, und B nennt C. A nennt C nicht als direktes Augment.
Das ist keine Lücke, sondern erhält die Bedeutung der Kante. Würden alle Nachfahren in alle Ahnenlisten kopiert, verschmölze die Servermeldung mit dem vom Client berechneten transitiven Abschluss. Der reale Anknüpfungspunkt würde unsichtbar und die Liste redundant.
Braucht eine Anwendung den Abschluss, traversiert sie A→B→C. Braucht sie die Abhängigkeit eines bestimmten Knotens, lädt sie Quellen und analysiert den Baum. Algorithmusversion, Tiefenlimit, Zyklen, Revisionen und Fehler gehören zum Client. Der Server stellt die kleinste gemeinsame Aussage bereit: direkte Nachbarschaft.
content-id verankert den Zeitpunkt
RFC 8525 versieht die aktuellen YANG-Library-Informationen eines Servers mit einem content-id, das sich bei einer Änderung ebenfalls ändern muss. Ein Client kann die Bibliothek cachen und nach einem neuen Wert erneut abrufen. RFC 10035 verlangt zusätzlich die Aktualisierung von Bibliothek und augmented-by, wenn neue Module aufgenommen werden.
A→B ohne Server, Management-Endpunkt, Zeit, module-set und content-id ist nicht reproduzierbar. Eine fehlende Kante ist noch mehrdeutiger: kein direktes Augment, alte Bibliothek, fehlende RFC-10035-Unterstützung, Zugriffsfilter oder fehlerhafte Meldung sind mögliche Ursachen.
Der Beleg speichert authentifizierten Principal, Zugriffsentscheidung, Datastore, Namen, Revisionen, Namespaces und Originalkanten. Ein Client-Abschluss bleibt davon getrennt und nennt Quellen, Traversierungsstand, Grenzen, Fehler und Ergebnis. So wird eine lokale Ableitung nicht als Serveraussage ausgegeben.
Nur lesbar kann trotzdem sensibel sein
augmented-by ändert keine Konfiguration, kann aber optionale Module, Funktionen oder Implementierungskomponenten offenlegen. RFC 10035 warnt vor einer Hilfe für gezielte Angriffe und empfiehlt, Lesezugriff über die Management-Zugriffskontrolle auf Berechtigte zu begrenzen.
Zwei Principals können verschiedene Ansichten erhalten. „Nicht geliefert“ bedeutet nicht automatisch „nicht vorhanden“. Für jede Abwesenheitsbehauptung ist deshalb auch das Autorisierungsergebnis nötig.
Die Liste vergrößert zudem die YANG-Library-Instanz. Der Betreiber hält sie aktuell, der Client invalidiert seinen Cache. Der sinnvolle Schnitt lässt den Server eine kleine, verlässliche Kante melden und verlagert tiefe Analyse nur zu Anwendungen, deren Entscheidung sie benötigt.
Ein Modellgraph ist kein Laufzeitbeleg
Eine korrekte Kante A→B beweist nicht, dass der Client das effektive Schema versteht. Er muss die richtige B-Revision abrufen, sie parsen, nötigenfalls B→C verfolgen, Abweichungen, Features, Datastore und Zugriff berücksichtigen.
Ebenso beweist der Graph nicht, dass der laufende Server dem Modell entspricht. RFC 8342 strukturiert die Datensichten des Netzmanagements. Konfiguration, Zustand, Telemetrie und Automationsergebnis belegen, was im System tatsächlich geschah.
Ein brauchbarer Nachweis verbindet daher Kante, Quelle, Parser, Entscheidung und Ergebnis. Running-Code Primacy verwirft die Karte nicht; es verhindert nur, dass die Karte ohne Beobachtung für das Gelände spricht.
Quellen
- RFC 10035 — augmented-by-Liste für YANG Library
- RFC 8525 — YANG Library
- RFC 7950 — YANG 1.1
- RFC 8342 — Network Management Datastore Architecture
- IETF Datatracker — Benoît Claise
- IETF 104 — Host Speaker Series
- Benoît Claise — öffentliche Website
- Heng Lu — Running-Code Primacy
- Heng Lu — Minimum Initial Specification
- Heng Lu — Agency-Problem der Internet-Governance
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