Zusammenfassung
- Beim Archivieren wird ein inkrementeller EBS-Snapshot zur vollständigen Kopie. Blöcke, auf die andere Snapshots weiter verweisen, bleiben im Standard-Tarif. Die neue Archivposition kann hinzukommen, ohne die alte Ausgabe zu verkleinern.
- Im AWS-Beispiel kosten 200 GB Archivspeicher für einen Monat mit 30 Tagen 2,50 US-Dollar. Eine temporäre Wiederherstellung für 15 Tage bringt 6 Dollar Abruf und 5 Dollar Standard-Speicher hinzu; das Archiv läuft weiter.
Der Rabatt hat einen anderen Nenner
Wer einen Snapshot ins billigere Archiv verschiebt, kann hinterher zwei Rechnungspositionen besitzen, wo er eine streichen wollte. Die Daten, die andere Sicherungspunkte noch brauchen, bleiben im Standard-Speicher. Im Archiv entsteht eine vollständige Kopie. AWS beschreibt diesen Fall selbst. Dafür muss niemand eine versteckte Gebühr erfinden.
Für einen Hostinganbieter ist das eine unangenehm konkrete Frage: Hat die Archivierung Kosten entfernt oder nur einen günstigeren Ort für zusätzliche Daten gefunden? Die Antwort entscheidet darüber, ob das versprochene Backupgeschäft mehr Marge bringt oder seine Wiederherstellung aus einer zu kleinen Kalkulation finanzieren muss.
Standard-Snapshots sind inkrementell. Gespeichert werden die Blöcke, die sich seit dem vorherigen Snapshot geändert haben. Bei der Archivierung wird daraus ein vollständiger Snapshot mit allen Blöcken, die zum damaligen Zeitpunkt auf das Volume geschrieben waren. Ein niedrigerer Preis pro GB trifft deshalb möglicherweise auf eine größere Datenmenge.
Vollständig heißt dabei nicht, dass ein leeres, aber gemietetes Volume plötzlich voll berechnet wird. Im AWS-Preisbeispiel enthält ein Volume mit 1.000 GB Kapazität 200 GB geschriebene Daten. Sein archivierter Snapshot ist 200 GB groß. Entscheidend ist die vollständige Datenkopie gegenüber der Datenmenge, deren Standard-Kosten tatsächlich entfallen.
Der Nachbar übernimmt die alten Blöcke
Innerhalb einer Snapshot-Folge können mehrere Sicherungspunkte dieselben Daten referenzieren. Archiviert man einen davon, behält AWS die weiterhin benötigten Blöcke im Standard. Ihre Daten- und Kostenzuordnung wandert zum nächsten Snapshot der Folge.
Der offizielle Leitfaden nennt ein anschauliches Beispiel: Bei der Archivierung von Snap B werden 4 GiB Snap C zugerechnet. Die Standard-Kosten bleiben unverändert. Für die vollständige B-Kopie im Archiv fällt zusätzlich Speicherentgelt an. Der Umzugsbericht sieht fleißig aus. Der bisherige Platz ist weiterhin belegt.
AWS wirbt mit bis zu 75 Prozent niedrigeren Snapshot-Speicherkosten für passende Kopien, die mindestens 90 Tage bleiben und selten abgerufen werden. Der Anbieter warnt zugleich, dass die Archivierung täglicher inkrementeller Snapshots teurer werden kann. Eine Abteilung, die den gesamten bisherigen Aufwand schlicht durch vier teilt, hat den Preisabschlag übernommen und die Speicherstruktur vergessen.
Eine einzelne, lange aufbewahrte Kopie eines abgeschlossenen Projekts ist ein anderer Fall. Ist sie der einzige Snapshot des Volumes, bleibt die vollständige Größe beim Wechsel gleich. Dann kann der niedrigere Satz wirken, ohne eine weiterhin benötigte Standard-Kopie derselben Daten mitzufinanzieren. Das Archiv hat einen brauchbaren Zweck; die pauschale Verschiebung aller alten Sicherungspunkte hat keinen ebenso pauschalen Sparbeweis.
Die Rückfahrt steht nicht auf dem kleinen Preisschild
Auch bei passender Auswahl endet die Kalkulation nicht im Regal. AWS rechnet in seinem regionalen Beispiel mit 0,0125 US-Dollar pro GB-Monat Archiv, 0,03 Dollar pro abgerufenem GB und 0,05 Dollar pro GB-Monat Standard. Für 200 GB ergeben sich 2,50 Dollar Archivgebühr im 30-Tage-Monat.
Eine temporäre Wiederherstellung für 15 Tage kostet 6 Dollar Abruf und 5 Dollar Standard-Speicher. Währenddessen bleibt die Archivkopie kostenpflichtig bestehen. Bei einem vollen Monat im Archiv ergeben diese drei Snapshot-Positionen 13,50 Dollar. Ein anschließend erzeugtes EBS-Volume wird separat berechnet; tatsächliche Region, Vertrag und Steuern bestimmen den konkreten Zahlbetrag.
Läuft die temporäre Standard-Kopie ab, endet deren Speicherentgelt. Die Archivkopie bleibt. Bei einer dauerhaften Wiederherstellung wird die Archivkopie entfernt. Erfolgt sie vor Ablauf der Mindestdauer von 90 Tagen, kommt das anteilige Archiventgelt für die restliche Mindestzeit hinzu. Das gilt auch für frühes Löschen. Eine bloße temporäre Wiederherstellung löst diese vorzeitige Beendigungsgebühr nicht aus.
Zur Rückfahrt gehört außerdem Zeit. Der Transfer aus dem Archiv zurück in Standard kann je nach Größe bis zu 72 Stunden dauern. Erst anschließend lassen sich daraus ein Volume und ein wieder nutzbarer Anwendungsbetrieb herstellen. Die 72 Stunden beschreiben den Speicherschritt, keine fertige Kundenanwendung.
Archivierte Snapshots sind auch nicht unmittelbar teilbar oder kopierbar. Wer zuvor Zugriff auf einen geteilten Snapshot hatte, verliert ihn bei dessen Archivierung. Zum Erzeugen eines Volumes muss die Kopie zunächst wieder in Standard liegen. Die Person mit dem Recht zur Archivierung entscheidet damit über mehr als einen Speichertarif.
Für die Kundeneinsparung fehlen die aktuelle Vollgröße, die tatsächlich freigebbaren Standard-Blöcke, Aufbewahrungs- und Abrufplan sowie die regionalen Sätze. Diese Größen gehören vor der Entscheidung zusammen. Ein Hostinganbieter verkauft nicht nur Platz für Vergangenes. Er verkauft einen Weg zurück, und dieser Weg braucht eine eigene Finanzierung.
Quellen
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