Zusammenfassung

  • AUB veröffentlichte 2006–07 eine Kontingentregel für Internetdienste mit einer Ausnahme nach Dienstschluss und an Feiertagen.
  • Die Ausnahme erschien auch im Studienverzeichnis 2014–15. Sie macht sichtbar, wie stark der Nutzen eines Campusnetzes von verfügbaren Arbeitsplätzen und passenden Zeiten abhängen kann.

Ein Rechner im Lernraum, Material aus der Bibliothek und eine Nachricht der Hochschule: Das Internet gehörte an American University of Beirut zu ganz gewöhnlichen Studienaufgaben. Regelmäßig das eigene E-Mail-Postfach zu prüfen war laut Studienverzeichnis 2006–07 sogar eine Pflicht. Dort kamen offizielle Mitteilungen an.

Für die Nutzung galt zugleich eine besondere Zeitregel. Das AUBnet-Konto öffnete Internet, E-Mail und persönliche Webseiten innerhalb eines Kontingents. Nach Dienstschluss und an Feiertagen entfiel diese Grenze. Wer Arbeit auf später verschieben konnte, bekam damit einen Spielraum, den ein gleiches Konto allein noch nicht schuf.

Damit gehörte die Uhrzeit zur Beschreibung des Angebots. Wer eine Aufgabe verschieben konnte, hatte möglicherweise mehr Spielraum. Ob sich die eigene Arbeit tatsächlich in diesen Zeitraum verlegen ließ, war eine andere Sache. Die Unterlagen enthalten dazu keine Befragung und keine dokumentierte Geschichte eines bestimmten Studierenden.

Der Alltag, in den die Regel eingriff, war bereits digital geprägt. Zu Beginn des Verzeichnisses erklärte die Universität, dass alle Studierenden eine E-Mail-Adresse erhielten und regelmäßig nach offiziellen Mitteilungen sehen mussten. Das Netz gehörte also auch zur Kommunikation, auf die sich die Hochschule verließ.

Die technische Umgebung bot mehrere Wege. Öffentliche Computerräume standen neben privaten Laptops und tragbaren digitalen Geräten, die AUBwlan nutzten. Das beschriebene kabelgebundene und drahtlose Netz reichte über Campus und Krankenhaus bis in Wohnheime und Wohnungen des Lehrpersonals. Onlinekurse, Anwendungen und Netzspeicher ergänzten die Verbindung.

Ein gemeinsames Kontoangebot machte diese Wege noch nicht gleichwertig. Für die Nutzung eines öffentlichen Rechners brauchte man einen freien Platz in einem zugänglichen Raum. Mit einem eigenen Gerät stellte sich die Frage anders. Die Ausnahme vom Kontingent half nur dann praktisch weiter, wenn Zeit und Zugang zusammenpassten. Dass dies bestimmten Gruppen systematisch misslang, lässt sich aus den Quellen allerdings nicht ableiten.

AUB begründete die Kontingente mit guten Zugangsbedingungen für die Gemeinschaft. Eine zeitliche Ausnahme konnte Spielraum schaffen, Arbeit zu verlagern. Ob sie die Nachfrage tatsächlich entzerrte, bleibt offen. Das Verzeichnis nennt weder die genaue zeitliche Grenze noch das Zählverfahren. Es verspricht auch keine höhere Geschwindigkeit, sobald die Begrenzung entfällt.

Im Frühjahr 2007 hatte nach dem Akkreditierungsbericht der Hochschule die Hälfte der eingeschriebenen Studierenden AUBwlan abonniert. Diese Zahl betrifft den drahtlosen Dienst; sie bedeutet nicht, dass die andere Hälfte ohne Internet war.

Der Bericht zeigt auch, wie viele Aufgaben parallel zu lösen waren. Die zugrunde liegende Empfehlung verlangte mehr öffentliche Computerarbeitsplätze außerhalb von Lehrveranstaltungen, spezielle Software, zugängliche Rechner und zusätzliche Bandbreite der externen Internetverbindung für Multimedia. Ein neues WLAN deckte davon einen Teil ab. Es ersetzte weder den Arbeitsplatz noch die Kapazität jenseits des Campus.

In einem offiziell bereitgestellten Graduate Catalogue 2014–15 tauchte die Zeitregel wieder auf. Dort war ausdrücklich von einem monatlichen Kontingent die Rede, weiterhin mit der Ausnahme nach Dienstschluss und an Feiertagen. Der Bibliotheksabschnitt beschrieb zugleich elektronisch erreichbare Bestände und eine durchgehende Öffnung in Lern- und Prüfungsphasen.

Das lässt die Verbindung von Netz und Arbeitsort erkennen. Es belegt aber keine ständige Öffnung sämtlicher Computerräume und keine unveränderte Umsetzung der Regel zwischen den beiden Veröffentlichungen. Die Verzeichnisse zeigen, was die Hochschule zu diesen Zeitpunkten anbot; Betriebsprotokolle sind sie nicht.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf den unscheinbaren Satz. Die Geschichte eines Campusnetzes reicht über seinen räumlichen Ausbau hinaus. Sie handelt auch davon, unter welchen Bedingungen aus einer Verbindung eine brauchbare Arbeitsmöglichkeit wird. Bei AUB war eine dieser Bedingungen ausdrücklich in Stunden und Tagen organisiert.