Zusammenfassung
- Der Plan für das Hilton verband Konferenzterminals über einen TIP mit ARPANET-Ressourcen, damit Besucher das Netz selbst ausprobieren konnten.
- Die RFCs vom Juli zeigen offene Aufgaben bei Kapazitätstests, Terminalkompatibilität, vorbereiteten Programmen, verständlichen Anleitungen und persönlicher Hilfe.
Ein Netz brauchte einen Zugang
Am aufschlussreichsten an den Vorbereitungen für die öffentliche ARPANET-Vorführung von 1972 ist vielleicht, was im Juli noch nicht geklärt war. Konnte der Terminal Interface Processor (TIP) die geplanten Geräte im Washington Hilton versorgen? Welche Terminals funktionierten mit welchen entfernten Angeboten? Wusste ein unerfahrener Besucher, was er eingeben sollte – und wer half, wenn er nicht weiterkam? Das waren keine Nebensachen an einer fertigen Technik. Sie gehörten zur Arbeit, die nötig war, damit auch Menschen außerhalb des Entwicklerkreises das Netz benutzen konnten.
Am 12. Juli beschrieb Robert Kahn das Vorhaben in RFC 371. Die International Computer Communications Conference sollte vom 24. bis 26. Oktober in Washington stattfinden. Parallel zu den Sitzungen war eine Netzwerkvorführung geplant, bei der die Teilnehmenden selbst praktische Erfahrung sammeln sollten. Kahn nannte Datenbankabfragen, die gemeinsame Nutzung mehrerer Rechner, Echtzeitdaten, interaktive Zusammenarbeit, Simulationen und vereinfachte Ausdrucke. Das waren geplante Themen, keine abschließende Liste aller tatsächlich gezeigten Anwendungen.
Auch der physische Weg war entscheidend. Die Terminals im Hilton sollten an einen TIP angeschlossen werden, der wiederum mit ARPANET verbunden war. So konnten Besucher auf Programme und Informationen entfernter Rechner zugreifen. Kahn erwähnte außerdem Ressourcen anderer Netze, die für die Vorführung vorübergehend angeschlossen werden könnten. Der TIP sollte einen gemeinsamen Einstieg bieten: Niemand brauchte eine eigene Fernleitung zu jedem Rechner. Gerade dadurch wurden seine Kapazität und die Kompatibilität der Terminals zu einem Teil des Besuchererlebnisses.
Die Tests standen noch aus
Richard Watson hielt in RFC 372 ein Gespräch mit Kahn vom selben Tag fest. Der Entwurf sah Tische in einem Ballsaal vor, meist mit ein oder zwei Terminals, doch die Anordnung war noch offen. Viele Geräte könnten unbesetzt bleiben. Watson notierte, dass sie über Fachleute aus den Netzstandorten sprachen, aber nicht wussten, ob sich genügend Helfer finden würden. Ein angeschlossenes Terminal konnte einen Besucher trotzdem allein vor einer Eingabeaufforderung zurücklassen.
Der auffälligste Satz in Watsons Notizen verlangt ebenfalls eine genaue Einordnung: Der TIP war noch nicht mit 64 Terminals getestet worden. Im Juli sollte man möglichst viele Geräte anschließen und später prüfen, welche Terminals mit welchen Ressourcen funktionierten. Falls der TIP nicht alle Verbindungen bewältigte, könnten Nutzungszeiten vergeben werden. Das ist eine Momentaufnahme der Planung im Juli, kein Beleg dafür, dass die Vorführung im Oktober scheiterte oder genau 64 Terminals aufgestellt wurden. Auch der Zeitplan war knapp: Der Saal könnte erst ab dem 22.
Oktober verfügbar sein, sodass wenig Zeit für Boden, TIP, Terminals und Telefonleitungen blieb. Kahn hoffte, im August bei BBN eine funktionierende Vorführung zu haben.
Der Zugang zum Netz bestand nicht nur aus Hardware. Kahn sagte, man arbeite an klaren, leicht verständlichen Unterlagen, damit Anfänger ausgewählte Ressourcen ohne Hilfe nutzen könnten. Watson nennt mögliche Wegweiser, eine Karte mit TIP-Befehlen, ein Szenarienheft, einen Film und Helfer vor Ort. Im Oktober erstellte das Network Information Center Scenarios for Using the ARPANET, einen Leitfaden mit Schritten, die Besucher ausprobieren konnten. RFC 371 bezeichnete solche Dokumentation als anspruchsvolle Aufgabe. Es genügte nicht, Funktionen des Netzes aufzuzählen. Ein entfernter Dienst musste für Menschen auffindbar werden, die weder den Host noch dessen Befehle oder lokale Gepflogenheiten kannten.
Interoperabilität hatte eine menschliche Schnittstelle
Diese Vorbereitung erklärt, warum die Vorführung mehr war als ein öffentlicher Auftritt. Besucher durchliefen eine Kette von Systemen und Organisationen: ein geliehenes Terminal, lokale Verkabelung, einen TIP, ARPANET, einen entfernten Host und eine Anwendung, die eine andere Gruppe betreute. Jedes Glied konnte technisch funktionieren und die gesamte Nutzung dennoch verwirrend bleiben. Szenarien und Ansprechpartner vor Ort verbanden Maschinen und Teams, die weder denselben Ort noch unbedingt dieselbe Sprache teilten.
Kahns Bitte an die Netzstandorte, Zeit und Energie beizusteuern, zeigt die organisatorischen Kosten. Entfernte Ressourcen wurden nicht automatisch zu einer verständlichen Ausstellung, nur weil sie in einem Netzplan auftauchten. Ihre Betreiber mussten Anwendungen vorbereiten und den Zugang koordinieren. Watsons Notizen nennen mögliche Beiträge mehrerer Forschungslabore und externer Stellen, vermerken aber auch noch unsichere Zusagen. Watson folgerte außerdem selbst, ARPA habe offenbar kein großes Vorführungsbudget jenseits der Beiträge ihrer Auftragnehmer vorgesehen.
Er kennzeichnet dies ausdrücklich als seine eigene Schlussfolgerung, nicht als Aussage Kahns oder geprüfte Abrechnung.
Ein späterer ARPANET-Abschlussbericht beschreibt die Vorführung im Oktober als Anlass, Netzwerkunterstützung und Anwendungsprotokolle zu debuggen und zu testen. Zusammen mit den RFCs vom Juli und dem Szenarienleitfaden wirkt die Veranstaltung weniger wie die Präsentation eines einzelnen Geräts als wie ein gemeinsamer Test: Ließen sich unterschiedliche Ressourcen über das Netz für Besucher nutzbar machen?
Die Unterscheidung zählt. Pakete transportierten Anfragen; die Ausstellung musste ihnen Zweck und Weg geben. Eine öffentliche Netzwerkvorführung erforderte 1972 nicht nur eine Verbindung, sondern eine nutzbare Schnittstelle aus Terminals, Befehlen, Dokumentation, vorbereiteten Programmen und Menschen. Das Netz wurde greifbar, sobald ein Besucher etwas damit tun konnte. Im Juli war dafür noch erhebliche Integrationsarbeit nötig.
Quellen
- Robert E. Kahn, RFC 371: Demonstration at International Computer Communications Conference, 12. Juli 1972.
- Richard W. Watson, RFC 372: Notes on a Conversation with Bob Kahn on the ICCC, 12. Juli 1972.
- Network Information Center, Scenarios for Using the ARPANET at the International Conference on Computer Communication, Oktober 1972.
- BBN / DARPA, A History of the ARPANET: The First Decade / ARPANET Completion Report, 1978 erstellt, 1981 veröffentlicht.
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