Zusammenfassung
- Im November 1993 lief Ariadne vor allem über X.25 und bot mehrere Zugangswege; die Schätzung von rund 1.000 Nutzern war keine landesweite Erhebung.
- Das Routernetz für acht Standorte war noch ein Installationsversuch. Internationale Verbindung, laufender X.25-Dienst und fertiges nationales IP-Backbone waren unterschiedliche Zustände.
Ariadnes Geschichte wird leicht zu einem Protokollsieg verkürzt: Griechenland habe TCP/IP gewählt, das alte Netz ersetzt und damit ein nationales Internet geschaffen. Die erhaltenen Quellen zeigen einen schrittweisen Verlauf. Im November 1993 beschrieb das Betriebsteam einen aktiven Forschungs- und Hochschuldienst, der vorwiegend auf privaten X.25-Verbindungen beruhte. Zugleich war ein IP-Versuch noch im Aufbau. Der Unterschied zwischen beidem ist der Kern dieser Geschichte.
Das Programm entstand im griechischen Forschungs- und Technologiesystem und wurde seit Mitte 1988 vom Nationalen Zentrum für Wissenschaftliche Forschung Demokritos in Athen verwaltet. Es sollte Einrichtungen verbinden. Hochschulen, Forschungszentren und kleinere F&E-Gruppen konnten ihre lokalen Rechner anschließen und Nutzern Zugang zu Hosts an anderen Orten geben. Das Netz bestand daher nicht nur aus Leitungen, sondern ebenso aus Rechenzentren, Zugangswegen, Betriebspersonal und Unterstützung für Forschende, die die Dienste erst kennenlernen mussten.
Der Bericht von 1993 liefert einen konkreten, aber begrenzten Ausschnitt. Er nennt Ariadne ein privates X.25-Netz und führt drei Zugangswege auf. Sieben Organisationen waren über HELLASPAC, das öffentliche Datennetz, angeschlossen; siebzig nutzten den Einwahldienst von Ariadne. Insgesamt bediente das Netz laut Bericht etwa hundert Organisationen mit geschätzt eintausend Endnutzern. Das sind keine geprüften, widerspruchsfrei addierbaren Register; die Nutzerzahl ist ausdrücklich geschätzt. Dennoch wird sichtbar, dass der Dienst über einige zentrale Hochschulrechner hinausreichte.
Kleine Abteilungen konnten sich einwählen, statt eine eigene Standleitung zu finanzieren.
Auch der internationale Zugang lief über mehrere Wege. Zwei X.25-Leitungen mit je 9,6 kbit/s verbanden Ariadne mit HELLASPAC. Für IXI nennt der Bericht eine 9,6-kbit/s-Leitung und eine weitere mit 64 kbit/s, die bald in Betrieb gehen sollte. Hinzu kam die Verbindung zum griechischen EARN-Knoten in Heraklion auf Kreta. Eine IP-Verbindung zum CERN sollte erst eingerichtet werden. Diese Zukunftsform belegt keinen bereits laufenden Verkehr. Und eine erreichbare internationale Route machte nicht automatisch jeden Ariadne-Dienst und jeden angeschlossenen Standort zu einem nativen IP-Netz.
Die Betriebsoberfläche blieb multiprotokoll. Der Bericht nennt X.400, Triple X, Internet IP und DECnet über X.25. Im Demokritos-Netzbetriebszentrum stand ein zentraler Router; weitere Router mit Protokollübersetzung waren für wichtige Forschungsinstitute im Norden, Süden, Osten und Westen sowie für Athen vorgesehen. Ein experimentelles Routernetz sollte acht Standorte verbinden und einen schnelleren IP-Dienst ermöglichen, nachdem Internet-IP zuvor über X.25 angeboten wurde. Das war eine Übergangsarchitektur: laufende Systeme erhalten und zugleich einen anderen Transport erproben.
Der Bericht dokumentiert Installationsarbeiten, nicht den abgeschlossenen Umbau aller acht Standorte.
Menschen und Informationsdienste gehörten ebenfalls zur Infrastruktur. Das Netzteam von Demokritos betrieb das NOC und musste verschiedene Hersteller und Betriebssysteme unterstützen. Eine Hilfeeinrichtung war telefonisch, per E-Mail und über Netzdialog erreichbar; der Pythia-Server bot Informationen über Ariadne und verwandte Themen. Eine Gruppe von Chemikern erhielt Unterstützung bei der Suche nach Software, Datenbanken, FTP-Angeboten und Diskussionslisten und dokumentierte die Ergebnisse. Der Bericht erwähnt außerdem die Darstellung griechischer Zeichen auf Terminals.
Zugang hing davon ab, ob die Technik zur Sprache und Arbeit der Forschenden passte.
Eine begutachtete historische Studie datiert den Entwurf des Wechsels von OSI zu TCP/IP auf 1992 bis 1995. GRNET entstand demnach 1995 zunächst als Forschungsprojekt; 1998 gründete das Ministerium eine Organisation gleichen Namens. Das sind drei verschiedene Dinge: ein Designwechsel, ein Projekt und eine spätere Institution, keine einzelne Startdatei. Eine technische Studie zum Stand von 1998 zeigt GR-NET mit Knoten in sechs griechischen Städten und einer 10-Mbit/s-ATM-Verbindung von Athen nach Mailand. Anfang 1999 schätzte sie 121.000 institutionell versorgte Nutzer gegenüber 289.000 Internetnutzern in Griechenland insgesamt.
Das war ein großes Forschungsnetz, doch die Zahlen belegen nicht, dass GR-NET jeden griechischen Internetnutzer oder Haushalt versorgte.
Die historische Frage lautet daher nicht nur, welches Protokoll gewann. Ariadne hielt unterschiedliche Zugänge und Systeme nutzbar, während eine IP-Architektur entstand. Der spätere Wechsel gab dem Forschungsnetz eine gemeinsame Richtung; er macht den früheren X.25-Dienst nicht ungeschehen. Die Quellen belegen verschiedene Zustände: eine laufende Leitung, ein erreichbares Gateway, einen Routerversuch im Aufbau, genutzte Dienste und eine später gegründete Organisation.
Quellen: ARIADnet-Betriebsbericht, November 1993; Greek Informatics: A Critical History (2018); Fallstudie zum griechischen Forschungs- und Bildungsnetz; Chronik des Rechenzentrums der Universität Athen; Nationales Dokumentationszentrum, Meilensteine der 1990er; GRNET-Unternehmensprofil.
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