Zusammenfassung

  • Apache begann mit Änderungen, die Webadministratoren unabhängig voneinander an NCSA httpd 1.3 vorgenommen hatten. Eine Mailingliste, gemeinsamer Speicherplatz und Tests auf den eigenen Servern der Beteiligten machten daraus eine gemeinsam prüfbare Veröffentlichung.
  • NCSA verschwand 1995 nicht: Das Team nahm die Entwicklung wieder auf und tauschte Korrekturen mit Apache aus. Apache bewegte sich derweil von einer Sammlung von Patches zu Robert Thaus modularer Shambhala-Architektur.

Die Betreiber reparierten bereits selbst

Anfang 1995 war NCSA httpd auf vielen Webservern im Einsatz. Nachdem Rob McCool NCSA Mitte 1994 verlassen hatte, geriet die Entwicklung jedoch ins Stocken. Betreiber warteten nicht alle auf eine zentrale Fortsetzung. Webmaster hatten eigene Erweiterungen geschrieben und Fehler in ihren Installationen behoben. Es fehlte ein verlässlicher Weg, diese Änderungen zu vergleichen, zusammenzuführen und als Version bereitzustellen, die andere testen konnten.

Laut der späteren offiziellen Apache-Geschichte fanden sich die Webmaster zunächst über private E-Mails. Brian Behlendorf und Cliff Skolnick richteten anschließend eine Mailingliste, einen gemeinsamen Informationsbereich und Entwicklerzugänge auf einem Rechner in der San Francisco Bay Area ein. HotWired spendete die Bandbreite. Ende Februar bildeten acht Kernbeitragende die ursprüngliche Apache Group. Dadurch wurden die Server einzelner Betreiber nicht gleichgeschaltet. Es entstand vielmehr eine gemeinsame Fläche, auf der Änderungen sichtbar und besprechbar wurden.

Die Gruppe nahm NCSA httpd 1.3 als Basis, sammelte veröffentlichte Fehlerbehebungen und sinnvolle Erweiterungen und testete die Kombination auf den eigenen Servern. Apache 0.6.2 wurde im April 1995 erstmals öffentlich veröffentlicht. In seiner Ankündigung vom 27. April beschrieb Randy Terbush die Software als Public-Domain-Server auf Grundlage von Patches für NCSA 1.3. Er nannte unter anderem Content Negotiation, mehrere Domainnamen, anpassbare Fehlerantworten, unveränderte Dateiauslieferung, bessere Spezifikationskonformität und DBM-Authentifizierung.

Die zeitgenössische Ankündigung führte frühe Anwender wie HotWired, das MIT AI Lab, Organic und Hyperreal auf und nannte mehrere Unix-Systeme, auf denen der Server getestet worden war. Zugleich bezeichnete sie das Produkt als Beta und erwartete weitere Fehler. Eine gemeinsame Veröffentlichung beseitigte das Betriebsrisiko also nicht. Sie machte eine konkrete Kombination von Änderungen für andere prüfbar.

NCSA entwickelte weiter

Eine verkürzte Erzählung lässt Apache in einem leeren Raum entstehen, nachdem NCSA seine Arbeit beendet hatte. Die Rückschau des Apache-Projekts ist genauer: NCSA nahm die Entwicklung im selben Zeitraum wieder auf. Brandon Long und Beth Frank aus dem NCSA-Serverteam traten der Apache-Liste im März als Ehrenmitglieder bei, damit beide Projekte Ideen und Korrekturen austauschen konnten. Auch eine Usenet-Diskussion vom Oktober 1995 beschreibt eine weiterentwickelte NCSA-Version und nennt Funktionen, die von Apache übernommen worden waren.

Beide Server konkurrierten um Installationen, doch ihre technische Entwicklung war nicht vollständig voneinander getrennt. Für Betreiber zählten konkrete Fragen: Welche Version läuft auf meiner Maschine? Was ändert sich? Gibt es einen Rückweg? Einen Patch konnte man prüfen, ohne sämtliche Websites gleichzeitig aktualisieren zu müssen. Eine Veröffentlichung machte Änderungen reproduzierbar; über die Installation entschied weiterhin jeder Standort selbst.

Das gemeinsame Vorgehen brachte neue Arbeit mit sich. Änderungen aus verschiedenen Umgebungen konnten inkompatibel sein. Das Team musste weitere Plattformen testen, Veröffentlichungen dokumentieren und eine wachsende Nutzerschaft unterstützen. Apache räumt selbst ein, dass 0.6.2 zwar erfolgreich war, die Codebasis aber grundlegend überarbeitet werden musste. Offene Zusammenarbeit macht Wartung nicht überflüssig. Sie verteilt die Arbeit und verlangt mit wachsender Nutzung bessere Abstimmung.

Aus der Patchsammlung wird eine Architektur

Im Mai und Juni implementierte die Gruppe weiter Funktionen für die 0.7-Reihe, darunter vorab gestartete Kindprozesse, und betreute zugleich mehr Nutzer. Parallel entwarf Robert Thau Shambhala: eine modulare Architektur mit API, Speicherverwaltung über Pools und adaptivem Prefork-Modell. Im Juli wechselte die Gruppe auf diese Grundlage; Apache 0.8.8 erschien im August. Nach weiteren Betatests, Portierungen und neuer Dokumentation wurde Apache 1.0 am 1. Dezember 1995 veröffentlicht.

Damit änderte sich, wie künftige Änderungen in den Server gelangen konnten. Zunächst musste eine Gruppe Änderungen rund um eine bekannte Codebasis auswählen und bündeln. Shambhala veränderte die Struktur für spätere Arbeit: Module und API machten Erweiterbarkeit zu einem Teil des Serverentwurfs, statt sie nur durch immer neue Patchsammlungen herzustellen.

Modularität verschiebt allerdings auch Pflichten. Eine Erweiterung lässt sich möglicherweise besser vom Kern abgrenzen; dafür müssen Schnittstellen verständlich, Kompatibilität getestet und die Module langfristig gepflegt werden. Der Umbau automatisierte Wartung nicht. Ein Teil der Abstimmung wanderte in APIs, Module und Kompatibilitätszusagen. Betreiber wählten weiterhin selbst ihre Version, während NCSA seine eigene Linie fortführte.

Adoption zeigt sich in laufenden Hosts

Die klarsten Zahlen zur Verbreitung Apache stammen aus dem Jahr 1996. Der August-Beitrag von Netcraft vergleicht 18.957 antwortende Hosts im August 1995 mit 342.081 ein Jahr später. Im Sample von 1996 entfielen 35 Prozent auf Apache und 18 Prozent auf NCSA. Netcraft erklärte, der starke Zuwachs des Samples beruhe sowohl auf dem natürlichen Webwachstum als auch auf einer verbesserten Suche nach Websites. Gezählt wurden antwortende Hostnamen mit zugeordnetem Server, nicht einzigartige Unternehmen, Personen oder Zugriffe; die Zahlen erklären den Erfolg auch nicht kausal.

Dennoch belegt die Erhebung etwas, das eine Release-Ankündigung nicht zeigen kann: Viele Betreiber entschieden sich für Apache. Der Weg ist an konkreten Betriebsschritten erkennbar: eine bekannte Basis, vergleichbare Änderungen, Tests vor Ort, eine gemeinsame Veröffentlichung und anschließend ein neu entworfener Server. Praktische Autorität entstand daraus, dass der Code ausgeführt und überprüft werden konnte. Die Liste erleichterte Adoption; sie ersetzte sie nicht.

Quellen und Grenzen

Die Apache-Projektgeschichte ist eine spätere institutionelle Rückschau. Die Ankündigung vom April 1995 und die Netcraft-Erhebung von 1996 sind zeitgenössische Belege. Die ursprünglichen Archive der frühen Entwicklerliste und vollständige Installationsprotokolle konnten hier nicht aufgefunden werden. Netcrafts Zahlen bleiben deshalb eine begrenzte Stichprobe und beweisen nicht, dass Apache allein den Markt verändert hat.

Herangezogene Quellen