• CE-zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIb, trainiert mit über 780.000 Studien, die jeweils von drei Radiologen beurteilt wurden
• Bislang keine namentlich genannten Kunden oder Live-Installationen, wodurch die Skalierbarkeit des regionalen Rollout-Modells unbewiesen bleibt
Der Sachverhalt
Telefónica Tech und Harrison.ai haben eine Partnerschaft geschlossen, um in Spanien eine Software zur Entscheidungsunterstützung bei Thorax-Röntgenaufnahmen anzubieten. Das Produkt ist als Medizinprodukt der Klasse IIb CE-zertifiziert und kann laut Telefónica bis zu 124 klinische Verdachtsbefunde, darunter Lungenrundherde, identifizieren.
Harrison.ai gab an, den Algorithmus mit mehr als 780.000 Thorax-Röntgenstudien trainiert zu haben, die jeweils unabhängig voneinander von mindestens drei Radiologen beurteilt wurden. Mitarbeiter in der Notfall- und Primärversorgung können die Ergebnisse der Software über eine Weboberfläche einsehen, während Radiologen diese über ihre bestehenden Systeme und Arbeitslisten erhalten können. Medizinisches Fachpersonal trägt weiterhin die Verantwortung für die Patientenbewertung und die Behandlungsentscheidungen.
Telefónica Tech wird das Produkt an bestehende Gesundheitssysteme anbinden, es an die technische und klinische Einrichtung des jeweiligen Anbieters anpassen sowie die Wartung und den laufenden Support übernehmen. Telefónica erklärte, den Dienst mehreren regionalen Gesundheitsdiensten anzubieten, nannte jedoch weder deren Namen noch verwies das Unternehmen auf eine aktive Live-Installation.
Die Analyse
Klinische Software muss in die bereits von Gesundheitsdienstleistern genutzten Systeme und Arbeitsabläufe passen. Telefónica Tech wird diese Integrations- und Supportarbeit übernehmen und jedem Gesundheitsdienst während und nach der Bereitstellung als fester technischer Partner zur Seite stehen. Dies ist die praktische Rolle der Partnerschaft, die über den bloßen Zugriff auf die Software von Harrison.ai hinausgeht.
Die Unternehmen haben bisher nicht nachgewiesen, ob derselbe Ansatz ohne umfangreiche Anpassungen auf andere regionale Gesundheitssysteme übertragen werden kann. Zudem haben sie keine Implementierungszeiten, Supportanforderungen oder Betriebsergebnisse in Spanien veröffentlicht. Der für jede Bereitstellung erforderliche Aufwand und die Frage, wie leicht sich der Dienst skalieren lässt, bleiben daher unklar.
Für BTW-Leser handelt es sich hierbei eher um eine Partnerschaft zur Systemintegration als um ein Thema der reinen Infrastruktur. Die Rolle von Telefónica Tech besteht darin, spezialisierte klinische Software in bestehende IT-Umgebungen des Gesundheitswesens einzubinden. Die Frage der Skalierbarkeit lautet, ob jede Bereitstellung eine maßgeschneiderte Integration erfordert oder einem wiederholbaren Muster folgt.
Worauf zu achten ist
Es bleibt darauf zu achten, ob regionale Gesundheitsdienste Verträge, Installationsorte und Termine für die Inbetriebnahme bestätigen. Details zu den angebundenen Krankenhaus-Systemen, der von Telefónica Tech bereitgestellte Support und erste Ergebnisse aus dem Routinebetrieb werden Aufschluss darüber geben, wann der Dienst betriebsbereit ist und wie er sich in die klinischen Arbeitsabläufe einfügt.

