Zusammenfassung

  • Solomon e3 zufolge sanken die gesamten monatlichen Cloudausgaben nach einer Kostenprüfung und dem Umzug der Entwicklungs- und MVP-Umgebung zu NexQloud um mehr als die Hälfte.
  • Der Effekt umfasst ungenutzte Ressourcen, angepasste Kapazitäten und günstigere Rechenleistung. Einzelne AWS-Dienste bleiben; die unabhängige Energiestudie ist noch geplant.

Hinter der Rechnung stehen mehrere Eingriffe

Wer seine Cloudrechnung mehr als halbiert, hat nicht zwingend dieselbe Leistung zum halben Preis gekauft. Die Mitteilung von Solomon e3 vom 4. September beschreibt mehrere Schritte: Ingenieure glichen Rechnungen, Code und Infrastrukturdefinitionen ab, legten ungenutzte Ressourcen still, passten Kapazitäten an und verlagerten Rechenarbeit. Alle diese Entscheidungen stecken im gemeldeten Ergebnis.

Solomon e3 beschreibt eine Geodatenplattform für Energieinfrastrukturprojekte. Zu NexQloud One wechselten Entwicklung und die Umgebung für das minimal funktionsfähige Produkt. Die FinOps-Prüfung setzte die von Qlarity automatisierten Grundsätze manuell um. Daraus lässt sich kein Nachweis ableiten, eine Software habe die gesamte Einsparung selbstständig gefunden und realisiert.

Daneben nennen die Unternehmen Rechenkosten, die ungefähr ein Drittel unter AWS liegen sollen. Der Vergleich gilt für identische Konfigurationen zu veröffentlichten On-Demand-Listenpreisen in us-east-2, ohne Savings Plans. Die Senkung um mehr als die Hälfte betrifft dagegen die gesamten Cloudausgaben des Kunden einschließlich weiter genutzter AWS-Dienste.

Die Bezugsgrößen sind verschieden. Eine unnötige Ressource abzuschalten beseitigt Verbrauch; eine kleinere Dimensionierung verändert die gekaufte Menge; ein Anbieterwechsel kann den Preis verändern. Prozentwerte lassen sich deshalb weder einfach addieren noch als einheitlicher Stückpreisnachlass lesen. Ausgangsbetrag, vergleichbare Messzeiträume und Beiträge der einzelnen Maßnahmen fehlen in der Mitteilung für eine Nachrechnung.

Die Anwendung zieht um, nicht jede Abhängigkeit

Nach Unternehmensangaben laufen Portal, Gateway und API als Container auf verwaltetem Kubernetes, zusammen mit selbst betriebenem OpenSearch und PostGIS. Der Anwendungscode sei nicht neu geschrieben worden. DynamoDB, S3 und AWS Glue bleiben als Übergangskomponenten bestehen, während die Produktionsdatenschicht mit Postgres und PostGIS aufgebaut wird.

Das beschreibt einen selektiven Umzug, keinen abgeschlossenen Ausstieg des gesamten Produktivbetriebs aus AWS. Nützliche Datendienste beizubehalten kann erlauben, Anwendungen zu verschieben, bevor jede Abhängigkeit ersetzt ist. Zugleich verbleiben Kosten und Betriebszuständigkeiten zwischen Umgebungen. Kein neu geschriebener Anwendungscode bedeutet nicht automatisch keinen Integrations- oder Betriebsaufwand.

Die FinOps Foundation trennt Nutzungsoptimierung, etwa Bedarf und Dimensionierung, von Tarifoptimierung, also dem Preis für verwendete Ressourcen. Sie weist auch auf Wechselwirkungen hin. Hier muss der Preisvergleich gleicher Konfigurationen von Einsparungen unterschieden werden, die erst durch eine andere Ressourcennutzung entstehen.

Die Energiefrage ist noch nicht gemessen

Die Mitteilung verweist auf 35 Watt für den im NanoServer verwendeten Intel Core i9-14900T. Intel bezeichnet diesen Wert als Prozessor-Basisleistungsaufnahme und nennt getrennt 106 Watt maximale Turbo-Leistungsaufnahme. Keiner der Werte misst den Energiebedarf des gesamten Dienstes für dieselbe nutzbare Arbeitsleistung.

Solomon e3 und NexQloud wollen eine unabhängige akademische Untersuchung zu Kosten, Rechenleistung und Energieeffizienz beauftragen und veröffentlichen. Das ist ein Vorhaben, kein vorliegendes Ergebnis. Auch die Aussage, es habe keine ungeplanten Ausfälle gegeben, stammt aus NexQlouds Überwachung; die zugrunde liegenden Verfügbarkeitsdaten wurden hier nicht geprüft.

Die verlinkte Belegseite war bei der Recherche nicht zugänglich. Originalrechnungen, Code und Betriebsprotokolle wurden ebenfalls nicht eingesehen. Der Fall ist somit eine zugeschriebene Kundenmitteilung mit nachvollziehbarem Mechanismus, kein unabhängig reproduzierter Vergleichstest. Wirtschaftlich interessant ist die Verbindung aus Bereinigung und teilweiser Verlagerbarkeit. Ob ein anderer Käufer das Ergebnis wiederholen kann, hängt von anfänglicher Verschwendung, Einkaufsbedingungen, verbleibenden Diensten und geforderter Betriebsqualität ab.

Quellen