Zusammenfassung

  • Softcat hat die Übernahme von GDT zu einem Unternehmenswert von 1,05 Milliarden US-Dollar vereinbart. GDT bündelt Netzwerke, Hybrid Cloud, Sicherheit und Managed Services; eigene physische Rechenzentrumskapazität ist nicht der Kaufgegenstand.
  • Der strategische Wert liegt bei rund 700 US-Unternehmenskunden und der dazugehörigen Lieferorganisation. Finanziert werden soll die Transaktion unter anderem mit rund 354 Millionen Pfund Bruttoerlös aus neuen Aktien, 550 Millionen Pfund Kreditlinien und 100 Millionen Pfund Barmitteln.

Was Softcat tatsächlich kauft

Das Wort „Rechenzentrum“ führt bei dieser Transaktion leicht in die falsche Richtung. Softcat erwirbt weder Gebäude noch reservierte Stromleistung oder freie Racks. GDT berät, plant, beschafft, implementiert und betreibt Lösungen mehrerer Hersteller für Netzwerke, Hybrid Cloud, Cybersicherheit und Zusammenarbeit. Der Vermögenswert besteht aus Kundenzugang, Fachkräften, Lieferantenbeziehungen und eingespielten Abläufen.

Softcats Präsentation nannte 692 Kunden im Juni 2026; in der Transaktionsmitteilung wurde auf etwa 700 gerundet. Hinzu kommen ein breites Partnernetz und ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb mit einem Standort in Bengaluru. Damit erhält Softcat schneller Zugang zu großen US-Konten, als dies durch organischen Aufbau möglich wäre. Umgekehrt könnten GDT-Kunden Softcats Software-, Beschaffungs- und Lifecycle-Angebot nutzen. Das ist eine strategische Aussicht, noch kein realisierter Cross-Selling-Ertrag.

Vereinbart wurde ein Unternehmenswert von 1,05 Milliarden US-Dollar, den Softcat zum verwendeten Wechselkurs mit 785 Millionen Pfund angab. Der Kaufpreis wird bar bezahlt und kann über die Abschlusskonten angepasst werden. Am 21. September war der Vertrag unterschrieben, der Erwerb aber nicht vollzogen.

Prognose und Vergangenheit getrennt halten

Softcat erwartet für GDT im Kalenderjahr 2026 rund 240 Millionen US-Dollar Bruttogewinn und 80 Millionen US-Dollar EBITDA. Daraus ergibt sich in der Präsentation ein implizites Multiple von 13,1 auf das prognostizierte EBITDA. Diese Zahlen stammen aus einer Managementprognose für ein laufendes Jahr und sind keine bereits erzielten Ergebnisse.

Für 2025 meldete Softcat dagegen einen zurechenbaren Nettogewinn von minus 58,4 Millionen US-Dollar nach US-GAAP, also einen ausgewiesenen Nettoverlust, sowie Bruttovermögen von 718,6 Millionen US-Dollar. Softcat verwies auf Abschreibungen und Zinsen aus der bestehenden Kapitalstruktur von GDT. EBITDA und Nettogewinn messen unterschiedliche Dinge. Die Differenz macht Finanzierungskosten, Kaufpreisbilanzierung und Cash Conversion jedoch zu zentralen Prüfgrößen.

Die Finanzierung verteilt das Risiko auf Aktionäre und Kreditgeber. Softcat nannte 100 Millionen Pfund eigener Liquidität und 550 Millionen Pfund neuer Fazilitäten: 450 Millionen revolvierender Kredit und 100 Millionen Laufzeitdarlehen. Das Ergebnis der Aktienausgabe belief sich auf rund 354 Millionen Pfund brutto. Platzierung und Privatanlegerangebot erfolgten zu 1.890 Pence je Aktie, 4% unter dem Schlusskurs vom 17. September, und entsprachen etwa 9,5% des bestehenden Aktienkapitals. Zum Stichtag 21. September waren Bookbuilding und Zuteilung abgeschlossen; die Zulassung der neuen Aktien war erst für den 22. September vorgesehen.

Die Verwässerung ist damit konkret, die erwartete Steigerung des Ergebnisses je Aktie noch nicht. Softcat rechnet im ersten vollständigen Geschäftsjahr des Besitzes mit einem hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Zuwachs beim bereinigten Ergebnis je Aktie. Dafür müssen Kunden und Mitarbeiter bleiben, der Bruttogewinn halten und das EBITDA nach Zinsen und Integration zu Geld werden.

Bedingungen und Verschuldung

Der Vollzug wird bis Ende des ersten Quartals 2027 erwartet. Er hängt unter anderem von der US-Kartellfrist, einer CFIUS-Freigabe, der Zustimmung der GDT-Anteilseigner, vertraglichen Lieferungen und dem Ausbleiben wesentlicher negativer Veränderungen ab. Spätester Termin ist der 30. Juni 2027.

Softcat erwartet beim Vollzug eine Nettoverschuldung von etwa 1,3-mal EBITDA und bis Juli 2028 weniger als 1,0-mal. Das neue Zielband liegt bei 0,5 bis 1,0. Dies ist der geplante Entschuldungspfad, nicht der Nachweis, dass er bereits erreicht wird.

GDT soll nach dem Vollzug Name, Führung und Belegschaft behalten. Das kann Kundenbeziehungen schützen, ersetzt aber keine klare Zuständigkeit für Systeme, Konten und Entscheidungen. Der Preis ist erst dann gerechtfertigt, wenn die Plattform intakt bleibt und Softcat zusätzliche Leistungen verkauft, für die Kunden tatsächlich zahlen.

Quellen