Zusammenfassung
- Snowflake verpflichtete sich zu mindestens 6 Mrd. US-Dollar AWS-Infrastrukturausgaben über fünf Jahre bis zum 31. März 2031. Rechnerisch sind das 1,2 Mrd. US-Dollar jährlich; die tatsächlichen, nicht veröffentlichten Jahresminima liegen zwischen 900 Mio. und 1,25 Mrd. US-Dollar.
- Wird ein Jahresminimum oder das Gesamtminimum verfehlt, ist die Differenz zu zahlen. Der Betrag kann während der Laufzeit für qualifizierte Cloudnutzung eingesetzt werden. Zahlung und wirtschaftliche Nutzung können daher auseinanderfallen.
- Die Vertragsänderung beseitigte die verbleibende Altverpflichtung, ohne deren Höhe zu nennen. Snowflakes frühere Gesamttabelle von 2,681885 Mrd. US-Dollar umfasste mehrere Verträge; sie von 6 Mrd. abzuziehen, ergäbe keinen belastbaren Neuzugang.
- Im ersten Quartal entfielen ungefähr 73% der Produktkosten von 386,874 Mio. US-Dollar auf Cloudinfrastruktur, also rund 282,4 Mio. US-Dollar über alle Anbieter. Das zeigt die Größenordnung, aber nicht die AWS-Auslastung.
Ein Fünfjahresvertrag wirkt flexibel, solange nur das Enddatum betrachtet wird. Snowflakes AWS-Vertrag enthält jedoch Zwischenziele. Die 6 Mrd. US-Dollar bilden die kumulierte Untergrenze; jedes Vertragsjahr besitzt außerdem eine eigene.
Die Division durch fünf ergibt 1,2 Mrd. US-Dollar. Sie verrät nicht, welches Jahr 900 Mio. und welches bis zu 1,25 Mrd. US-Dollar verlangt. Ein später Wachstumsschub kann somit das Gesamtziel erreichbar halten und trotzdem eine frühere Zahlungspflicht nicht verhindern.
Der eigentliche Markttest ist deshalb zeitlich. Snowflake muss nicht nur genügend Cloudnachfrage erzeugen, sondern genügend AWS-fähige Nachfrage in genau dem Vertragsjahr, in dem sie angerechnet wird.
Ein Fehlbetrag kann später noch Nutzen stiften
Bei Unterschreitung eines Jahres- oder Gesamtminimums zahlt Snowflake die Differenz. Laut Quartalsbericht darf diese Zahlung während der Vertragslaufzeit auf qualifizierte Infrastrukturleistungen angerechnet werden.
Damit ist ein Fehlbetrag nicht automatisch verloren. Er kann zu einem vorausbezahlten Nutzungssaldo werden. Dennoch ist er kein frei verfügbares Geld mehr: Die Liquidität ist abgeflossen, und der wirtschaftliche Gegenwert entsteht nur, wenn passende Workloads rechtzeitig folgen.
Die entscheidenden Vertragsdetails bleiben unveröffentlicht. Dazu gehören die Reihenfolge des Verfalls, zugelassene Dienste und Regionen, die Preislogik für spätere Nutzung sowie die Frage, wie frühere Zahlungen in späteren Mindestberechnungen wirken.
Auch physische Kapazität ist nicht belegt. Weder GPU-Zahl noch Instanzvolumen, Leistung oder Lieferpriorität werden genannt. Snowflake verspricht Ausgaben. Daraus eine Kapazitätsreservierung abzuleiten, würde den finanziellen Kontrollpunkt mit einem technischen Lieferbeleg verwechseln.
Die alte Verpflichtung hat keinen veröffentlichten Schlussstand
Snowflake muss den verbleibenden, nicht kündbaren Betrag des Vorgängervertrags nicht mehr erfüllen. Wie groß er war, steht nicht im April-Bericht.
Zum 31. Januar 2026 wies der Konzern 2,681885 Mrd. US-Dollar künftiger Mindestzahlungen für längerfristige Kaufverpflichtungen aus. Diese Summe enthielt Cloudinfrastrukturverträge und betriebliche Softwareabonnements. Sie war kein reines AWS-Konto.
Zwei Cloudverträge wurden näher beschrieben. Bei einem blieben 530,5 Mio. US-Dollar aus einer 1-Mrd.-Zusage bis Mai 2028. Beim anderen blieben 518 Mio. US-Dollar aus einer 530-Mio.-Zusage bis Oktober 2030. Beide hatten keine Jahresuntergrenze; die Anbieter wurden nicht genannt.
Die Pressemitteilung zum neuen Vertrag nennt AWS, verbindet die ersetzte Verpflichtung aber mit keiner dieser Notizen. 6 Mrd. minus 2,681885 Mrd. sind rechnerisch 3,318115 Mrd. US-Dollar. Als behaupteter Neuzugang wäre der Wert falsch, weil er einen einzelnen neuen Vertrag mit einem früheren Mehrvertragsbestand vergleicht.
Ein sauberer Nachweis braucht den Eröffnungssaldo des AWS-Vertrags, die aufgehobene Summe, die neue Zusage, reguläre Nutzung und den Schlussplan. Bis dahin ist das Bruttovolumen bekannt, nicht die Nettoverschärfung.
Kundenverbrauch und Lieferantenzeit laufen nicht synchron
Snowflake erfasst Produktumsatz, wenn Kunden Rechenleistung, Speicher und Datenübertragung verbrauchen. Der Umsatz wird nicht schlicht über die Vertragsdauer verteilt. Kunden können vereinbarte Kapazität überschreiten und ungenutzte Beträge bei zusätzlichem Kauf zur Verlängerung häufig fortschreiben.
Im ersten Quartal 2027 stieg der Produktumsatz um 33,9% auf 1,334329 Mrd. US-Dollar. Etwa 97% des Gesamtumsatzes stammten von Bestandskunden mit Kapazitätsvereinbarungen. Die Nettoumsatzbindung lag bei 126%.
Diese Flexibilität gehört dem Kunden. Die Jahresuntergrenze gehört Snowflake. Verschiebt ein Kunde ein Projekt oder entscheidet sich für Azure oder Google Cloud, verschiebt sich die AWS-Pflicht nicht automatisch mit.
Die Zusage kann trotzdem ökonomisch sinnvoll sein. Volumen kann bessere Preise, tiefere technische Zusammenarbeit, Migrationshilfe und zusätzliche Regionen erkaufen. Snowflake nannte höhere Mengenrabatte als einen Grund dafür, dass die Produktmarge bei 71% blieb.
Die Vertriebszahlen über AWS Marketplace sind jedoch nicht dasselbe. Mehr als 7 Mrd. US-Dollar Lebenszeitumsatz und über 2 Mrd. im Kalenderjahr 2025 belegen einen starken Beschaffungskanal. Sie messen weder Snowflakes AWS-Kosten noch die Erfüllung der Lieferantengrenze.
Der aktuelle Aufwand ist nur ein Größenmaßstab
Die Produktkosten betrugen im Quartal 386,874 Mio. US-Dollar. Bei einem ungefähren Cloudanteil von 73% ergeben sich rund 282,4 Mio. US-Dollar. Vier gleiche Quartale entsprächen etwa 1,1297 Mrd. US-Dollar.
Der arithmetische Vertragsdurchschnitt von 1,2 Mrd. liegt rund 6,2% darüber. Das ist keine Unterdeckung. Der Quartalswert umfasst alle Cloudanbieter, die Verpflichtung gilt AWS, das erste Jahresminimum ist unbekannt und eine Vierfachrechnung ist keine Prognose.
Im Geschäftsjahr 2026 lagen die Produktkosten bei 1,260324 Mrd. US-Dollar. Der Cloudanteil von etwa 71% entspricht rund 894,8 Mio. US-Dollar. Der neue Durchschnitt ist 34,1% höher, vergleicht aber weiterhin historische Mehranbieter-Kosten mit einer künftigen Einanbieter-Zusage.
Wichtiger ist die operative Beziehung: Cloudkosten stiegen im Quartal um 86 Mio. US-Dollar, hauptsächlich aufgrund höherer Kundennutzung. Produktumsatz wuchs stark, die Produktmarge blieb bei 71%. Mengenrabatte glichen Kosten neuer, noch nicht skalierter Funktionen teilweise aus.
Der Vertrag ist also nicht sofort margenschädlich. Er ist aber auch nicht durch eine einzige Run-rate-Kennzahl bewiesen.
RPO ist keine Lieferantenkasse
Snowflakes verbleibende Leistungsverpflichtungen erreichten 9,21 Mrd. US-Dollar, 38% mehr als im Vorjahr. RPO ist vertraglich vereinbarter, noch nicht erfasster Kundenumsatz. Es ist weder vorhandene Liquidität noch Bruttogewinn.
RPO kann nicht gegen 6 Mrd. US-Dollar Lieferantenausgaben verrechnet werden. Ein Kundenvertrag kann später, auf einer anderen Cloud und mit anderer Marge verbraucht werden. Die beiden Größen haben verschiedene Seiten, Zeitpunkte und Umfänge.
Auch 4,4 Mrd. US-Dollar Liquidität belegen keine akute Lücke. Die Verpflichtung läuft fünf Jahre. Snowflake erwirtschaftete im Quartal 243,223 Mio. US-Dollar operativen Cashflow und 232,772 Mio. US-Dollar Non-GAAP-Free-Cashflow.
Das ist Gegenbeleg zu einer sofortigen Finanzierungskrise, nicht zu Opportunitätskosten. Eine früh gezahlte Differenz steht nicht gleichzeitig für Aktienrückkäufe, Übernahmen, Produktentwicklung oder andere Cloudanbieter bereit.
Der Wert des Geschäfts wird daran sichtbar, ob AWS-fähige Nutzung die Grenzen erreicht, Rabatte die Marge tragen und Kundennachfrage in Cash umschlägt. Die große Zahl allein beantwortet keine dieser Fragen.
Quellen
- Snowflake, Form 10-Q für Q1 2027, eingereicht am 29. Mai 2026.
- Snowflake, Form 10-K für das Geschäftsjahr 2026, eingereicht am 20. März 2026.
- Snowflake, Ergebnisse für Q1 2027, 27. Mai 2026.
- Snowflake, erweiterte AWS-Zusammenarbeit, 27. Mai 2026.
- Snowflake-Dokumentation, Abgleich einer Nutzungsabrechnung, abgerufen am 28. August 2026.
- Snowflake-Dokumentation, Ansicht
USAGE_IN_CURRENCY_DAILY, abgerufen am 28. August 2026. - AWS Architecture Blog, Snowflake-AWS Well-Architected Lens, 10. Juni 2026.
- Snowflake, AWS-Partnerschaftserweiterung 2023, 1. März 2023.
- Snowflake, Form 10-Q für Q3 2026, eingereicht am 5. Dezember 2025.
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