Zusammenfassung

  • Oracle finanziert seinen KI-Infrastruktur-Ausbau mit nachweisbaren Transaktionen: 18 Mrd. USD Senior Notes im September 2025, 25 Mrd. USD plus 500 Mio. USD Floater am 2. Februar 2026, ein geplanter Bruttoerlös von 45–50 Mrd. USD im Kalenderjahr 2026, etwa zur Hälfte eigenkapitalähnlich.
  • Das Kapitalverbrauchs-Hauptbuch steigt steil: Trailing-Four-Quarter-Capex von 21,2 Mrd. USD (Q4 FY2025) auf 55,7 Mrd. USD (Q4 FY2026), rund 28 Mrd. USD im Q1 FY2027, FY2027-Leitplanke 90–95 Mrd. USD gemeldet.
  • Dem steht ein freier Cashflow von −23,7 Mrd. USD (trailing, Q4 FY2026) gegenüber; die Rücklagenmeldeziffer RPO wuchs auf 664 Mrd. USD (August 2026) — ohne Offenlegung von Gegenparteien, Laufzeiten oder Stornobedingungen.
  • Moody's bestätigte Baa2 mit negativem Ausblick, S&P stufte im Juli 2026 auf BBB− herab; Off-Balance-Sheet-Leasingverpflichtungen erreichen rund 260 Mrd. USD.

Die öffentliche Debatte über Oracles KI-Geschäft kreist um eine Zahl: 664 Milliarden US-Dollar an verbleibenden Leistungsverpflichtungen (RPO) zum Ende des ersten Quartals des Geschäftsjahres 2027. Diese Zahl ist ein Managementsatz. Sie hat keine veröffentlichte Gegenparteienliste, keine Laufzeitenstruktur, keine Stornobedingungen. Sie lässt sich von außen nicht nachzählen.

Das Gegenstück ist das Finanzierungs-Hauptbuch. Jede Transaktion dort ist datiert, von Dritten bewertet und öffentlich dokumentiert. Am 26. September 2025 begab Oracle 18,0 Mrd. USD an Senior Notes in sechs Tranchen — von 4,450 % fällig 2030 bis 6,100 % fällig 2065 — laut der SEC-8-K-Meldung, mit Kapitalausgaben als Verwendungszweck (SEC 8-K). Am 2. Februar 2026 folgten 25,0 Mrd. USD in acht Tranchen plus 500 Mio. USD Floater; am selben Tag bewertete Fitch die Notes mit BBB und bestätigte den Stable-Ausblick (Fitch), während Moody's Baa2 bestätigte und den Ausblick auf negativ stellte (Moody's). IFR dokumentierte die Emission als Fortsetzung der KI-Finanzierungsserie (IFR). Die Senior Notes des Geschäftsjahres 2026 summierten sich damit auf 43 Mrd. USD.

Dazu kam der Eigenkapitalpfad. Am 1. Februar 2026 kündigte Oracle einen Plan an, im Kalenderjahr 2026 brutto 45–50 Mrd. USD aufzunehmen, etwa zur Hälfte eigenkapitalähnlich, inklusive einer 5-Mrd.-USD-Mandatory-Convertible-Preferred (6,50 % Series D) und eines 20-Mrd.-USD-ATM-Programms, das im Q1 FY2027 abgeschlossen wurde; das Unternehmen erklärte zugleich, keine weiteren Bond-Emissionen im Kalenderjahr 2026 zu erwarten (Oracle IR). Bloomberg hatte die Vorbereitung eines rekordverdächtigen 38-Mrd.-USD-Schuldverkaufs für datenzentrumsgebundene Strukturen bereits im Oktober 2025 gemeldet (Bloomberg); Branchenberichte sprachen von bis zu 50 Mrd. USD Schulden und Eigenkapital für 2026 (Datacenter Dynamics; Reuters).

Das Verbrauchs-Hauptbuch zeigt, wofür das Geld fließt. Der Trailing-Four-Quarter-Capex stieg von 21,2 Mrd. USD (Q4 FY2025) über die FY2026-Quartale auf 55,7 Mrd. USD (Q4 FY2026); im Q1 FY2027 lagen die vierteljährlichen Kapitalausgaben bei rund 28 Mrd. USD (Oracle IR; Q1-FY2027-Call). Für FY2027 nennt die Führung 90–95 Mrd. USD gemeldeten Capex, netto rund 70 Mrd. USD nach 20–25 Mrd. USD Kundenvorauszahlungen und Timing-Effekten. Dem steht ein freier Cashflow von −23,7 Mrd. USD auf Trailing-Four-Quarter-Basis zum Q4 FY2026 gegenüber; im Q1 FY2027 waren es −5 Mrd. USD gegen einen rekordverdächtigen operativen Cashflow von 23 Mrd. USD im Quartal (StockAnalysis-Bilanzdaten).

Die Bilanzseite ergänzt Off-Balance-Sheet-Spalten. Die Leasingverpflichtungen erreichten zum Jahresende FY2026 rund 260 Mrd. USD bei Laufzeiten von 15 bis 19 Jahren, überwiegend Datenzentren, die zwischen FY2026 und FY2028 in Betrieb gehen; die Lieferantenverpflichtungen betrugen 13,3 Mrd. USD zum Jahresende plus eine nachfolgende Fünf-Jahres-Zusage von rund 19 Mrd. USD (Oracle 10-Q). Die Aktienbewertung spiegelte die Spannung: Am 11. Juni 2026 fielen Oracle-Aktien um rund 11 % auf Sorgen um die Kapitalbeschaffung (CNBC).

Zwei Ratingspalten flankieren das Bild. S&P stufte im Juli 2026 auf BBB− herab und begründete dies öffentlich (S&P Global); Moody's hatte am 2. Februar 2026 Baa2 mit negativem Ausblick bestätigt (Moody's), Fitch BBB mit stabilem Ausblick (Fitch). Fünf-Jahres-CDS wurden mit über 200 Basispunkten gehandelt. Daneben steht projektniveaubasierter Schuldenpfad: 38 Mrd. USD an Senior Secured Credit Facilities für Vantage-Data-Centers-Campusse in Texas (23,25 Mrd. USD) und Wisconsin (14,75 Mrd. USD) im Kontext des Stargate-Programms mit OpenAI — von der Konzernemission getrennt (Bloomberg).

Die Analysekategorie lautet: Das Finanzierungs-Hauptbuch ist prüfbar, das RPO-Hauptbuch ist es nicht. Das RPO-Wachstum von 455 Mrd. USD (August 2025) auf 523 Mrd. USD (November 2025), 552,6 Mrd. USD (Februar 2026), 638 Mrd. USD (Mai 2026) und 664 Mrd. USD (August 2026) — mit über 30 Mrd. USD neuer KI-Verträge allein im Q1 FY2027 — ist als Abfolge glaubwürdig berichtet (Nasdaq; Q1-FY2026-Ergebnisse), aber ohne Gegenparteien-Offenlegung bleibt es eine Behauptung über die Zukunft, nicht ein Nachweis über die Gegenwart. Die Finanzierungszahlen sind Vergangenheit; sie sagen, was bereits gezahlt und geliehen wurde. Der RPO ist Zukunft; er sagt, was man zu zählen behauptet.

Das löst die eigentliche Frage nicht auf, sie rückt näher: Ob die verpflichteten Kapazitäten durch echte, zahlungsfähige Nachfrage gedeckt sind, entscheidet sich nicht im RPO, sondern im Zahlungsstrom der Gegenparteien — und der bleibt unpubliziert.