Zusammenfassung
- Der Q2-Umsatz stieg währungsbereinigt um 9% und berichtet um 8% auf 4,815 Mrd. Euro.
- Mit KI- und Cloud-Kunden erzielte Nokia 446 Mio. Euro Umsatz, währungsbereinigt 105% mehr; der Auftragseingang lag bei 2,8 Mrd. Euro.
- Rund die Hälfte dieser Aufträge soll in den kommenden zwölf Monaten zu Umsatz werden.
- Der vergleichbare operative Gewinn stieg um 18% auf 434 Mio. Euro; berichtet entstand nach 390 Mio. Euro Restrukturierungsaufwand ein operativer Verlust von 50 Mio. Euro.
- Der freie Cashflow betrug -732 Mio. Euro. Für 2026 erwartet Nokia 800 Mio. Euro Restrukturierungsaufwand.
Nokias Portfolio sendet ein klares Wachstumssignal. Network Infrastructure legte währungsbereinigt um 12% zu, Optical Networks um 20% und IP Networks um 16%. KI- und Cloud-Kunden erhöhten ihren Umsatzbeitrag von 220 auf 446 Millionen Euro.
Gleichzeitig ist der Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro kein bereits verbuchter Umsatz. Nokia erwartet, dass ungefähr die Hälfte innerhalb von zwölf Monaten umgesetzt wird. Lieferfähigkeit, Abnahme, Rechnung und Zahlung liegen zwischen Auftrag und Cash.
Die Angebotsknappheit veranlasst Kunden nach Unternehmensangaben zu längerfristigen Bestellungen. Das verbessert die Planung, verpflichtet Nokia aber auch, Komponenten und Fertigung rechtzeitig bereitzustellen.
Vergleichbar und berichtet gehören zusammen
Der vergleichbare operative Gewinn erreichte 434 Millionen Euro, 18% mehr als im Vorjahr. Die Marge stieg auf 9,0%. Berichtet stand dagegen ein operativer Verlust von 50 Millionen Euro und eine Marge von -1,0%, nach 147 Millionen Euro Gewinn und 3,3% im Vorjahr.
Nokia schloss im Quartal 390 Millionen Euro Restrukturierungsaufwand aus der vergleichbaren Kennzahl aus. Weitere Unterschiede entstanden unter anderem aus Abschreibungen erworbener Vermögenswerte, Wertminderungen und Infinera-Integrationskosten.
Die vergleichbare Zahl zeigt die Entwicklung des laufenden Produktgeschäfts. Die berichtete Zahl zeigt, was der Umbau in der Periode kostet. Investoren brauchen beide, weil die Ausgaben nicht verschwinden, nur weil sie nicht als laufende Leistung gelten.
Für 2026 erwartet Nokia nun 800 Millionen Euro Restrukturierungsaufwand und 700 bis 800 Millionen Euro zugehörige Mittelabflüsse. Darin enthalten sind das Ende des Programms von 2023, die schnellere Integration in China und zusätzliche Maßnahmen vor allem in Europa. Eine Beschäftigtenzahl wird in diesem Bericht nicht genannt.
Der Cashflow finanziert die Lücke
Der freie Cashflow fiel auf -732 Millionen Euro, nach 88 Millionen Euro im Vorjahr. Rund 1,15 Milliarden Euro flossen aus dem Betriebskapital ab. Etwa 280 Millionen Euro entfielen auf höhere Forderungen, rund 170 Millionen auf Restrukturierungszahlungen.
Damit wird sichtbar, wer die Zeit zwischen Bestellung und Zahlung finanziert. Nokia trägt den Bedarf zunächst in Bilanz und Cashflow, obwohl die vergleichbare Marge steigt.
Die Capex-Annahme für 2026 wurde wegen veränderter Immobilienpläne auf 800 bis 900 Millionen Euro reduziert. Der Ausbau optischer Fertigung geht weiter. Zusätzlich hat Nokia einen Vertrag über den NXP-Halbleiterstandort Chandler geschlossen. Ab Anfang 2027 soll zunächst ein Teil gemietet und umgerüstet werden; der vollständige Kauf soll vorbehaltlich Genehmigungen im ersten Quartal 2029 schließen. Der Preis bleibt unbekannt.
Die nächste Prüfung ist deshalb eine Umwandlungskette: Auftrag zu Umsatz, Umsatz zu Forderung, Forderung zu Cash und Restrukturierung zu nachweisbarer Kostensenkung. Erst wenn diese Schritte zusammenkommen, wird aus KI-Nachfrage ein selbstfinanzierter Portfolioerfolg.

