Zusammenfassung

  • ISG beziffert den jährlichen Vertragswert der im dritten Quartal erfassten globalen Technologiedienstleistungsverträge auf 52,5 Milliarden US-Dollar, 63 Prozent mehr als im Vorjahr. Cloud-XaaS macht 78,5 Prozent der Summe aus.
  • Der Rekord bedeutet keinen gleichmäßigen Aufschwung: Der IaaS-ACV steigt um 115 Prozent, während Managed Services nur 2,1 Prozent zulegen und ihre Zahl vergebener Verträge um 8 Prozent sinkt.

Die aussagekräftigste Zahl im ISG-Index für das dritte Quartal ist nicht allein der Rekord von 52,5 Milliarden US-Dollar. Entscheidend ist der Abstand zwischen den beiden Geschäftsfeldern, die darin zusammenlaufen. Der jährliche Vertragswert von Infrastructure-as-a-Service (IaaS) steigt um 115 Prozent auf 35,5 Milliarden US-Dollar. Managed Services kommen auf 11,3 Milliarden, ein Plus von 2,1 Prozent. Der erste Markt zieht Kapazität aus der Cloud an; der zweite umfasst Personal, Abläufe und dauerhafte Betriebsverantwortung und wächst deutlich langsamer.

Deshalb lässt sich aus der Überschrift nicht ableiten, dass künstliche Intelligenz den gesamten Technologiedienstleistungsmarkt gleichermaßen hebt. Der ISG-Index erfasst den ACV kommerzieller Outsourcingverträge ab 5 Millionen US-Dollar. Er verbindet Managed Services mit Cloud-Infrastruktur und -Software. Der jährliche Wert der einem Quartal zugeordneten Verträge ist weder der in diesen drei Monaten verbuchte Umsatz noch der Zahlungseingang oder die tatsächlich genutzte Rechenleistung. Er bildet auch nicht jeden Softwareverkauf, kleinere Verträge oder sämtliche weltweiten KI-Ausgaben ab.

Ein Rekord aus zwei unterschiedlichen Märkten

Quartal Gesamt-ACV und Veränderung XaaS-ACV und Veränderung Managed-Services-ACV und Veränderung
Q4 2025 34,3 Mrd. US-Dollar; +16 % 23,4 Mrd. US-Dollar; +26 % 10,9 Mrd. US-Dollar; -0,3 %
Q1 2026 39,4 Mrd. US-Dollar; +29 % 28,2 Mrd. US-Dollar; +44 % 11,2 Mrd. US-Dollar; +3,0 %
Q2 2026 42,4 Mrd. US-Dollar; +43 % 31,5 Mrd. US-Dollar; +65 % 10,9 Mrd. US-Dollar; +2,7 %
Q3 2026 52,5 Mrd. US-Dollar; +63 % 41,2 Mrd. US-Dollar; +95 % 11,3 Mrd. US-Dollar; +2,1 %

Werte in US-Dollar; Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Gerundete Angaben von ISG.

Die drei vorangegangenen Veröffentlichungen zeigten bereits eine wachsende Lücke. In ISGs Berichten für Q4 2025, Q1 2026 und Q2 wuchs XaaS deutlich schneller als Managed Services. In Q3 erreichte XaaS 41,2 Milliarden US-Dollar und 78,5 Prozent des Gesamt-ACV. IaaS trug 35,5 Milliarden bei, Software-as-a-Service 5,6 Milliarden. Wegen der Rundung summieren sich die beiden Teilwerte auf 41,1 Milliarden; ISG weist für XaaS insgesamt 41,2 Milliarden aus.

ISG führt den Infrastruktursprung auf die KI-bedingte Nachfrage nach Rechenleistung, Speicher und Kapazität zurück. Im selben Bericht stieg SaaS um 21 Prozent, so stark wie seit mehr als vier Jahren nicht. Der Zuwachs erfasst dennoch nicht alle Dienstleistungen. Während der Gesamtindex deutlich kletterte, bewegten sich Managed Services über vier Quartale um etwa 11 Milliarden US-Dollar. In den ersten neun Monaten 2026 stieg ihr ACV um 2,7 Prozent auf 33,5 Milliarden; XaaS wuchs um 68 Prozent auf 100,6 Milliarden.

Das Dienstleistungsgeschäft bewegt sich langsamer

Die Zahl der Verträge macht das kleine Plus bei Managed Services erklärungsbedürftig. ISG zählte im dritten Quartal 722 Abschlüsse, 8 Prozent weniger als im Rekordquartal des Vorjahres. Acht Verträge hatten einen ACV von mindestens 100 Millionen US-Dollar, genauso viele wie ein Jahr zuvor; ihr ACV sank jedoch um 6 Prozent. Über neun Monate ging die Zahl der Verträge um 1,8 Prozent zurück, der ACV der Megadeals um 8,7 Prozent.

Ein höherer Gesamtwert bei weniger Verträgen kann mit größeren Durchschnittsverträgen vereinbar sein. Die Veröffentlichung zeigt aber keine ausreichende Verteilung nach Vertragsgrößen, um zu bestimmen, welche Klassen den Nettozuwachs getragen haben. Auch die Gewinner und Verlierer werden nicht genannt. Belastbar ist eine engere Aussage: Die Zahl großer Managed-Services-Abschlüsse wuchs nicht mit dem Infrastrukturmarkt, und die größten Verträge lieferten keine erkennbare Beschleunigung.

Auch die Branchenwerte passen nicht zu einer einzigen Erzählung vom KI-Boom. Bei Managed Services stieg der ACV in Konsumgütern um 202 Prozent und im Einzelhandel um 66 Prozent; ISG zählt beide zu den kleineren Ausgabenbereichen dieses Segments. Das verarbeitende Gewerbe legte um 13,5 Prozent zu und erreichte den höchsten ACV seit fast zwei Jahren. Telekommunikation sank um 19 Prozent, Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen um 20 Prozent; bei Letzteren war dies der dritte Rückgang in vier Quartalen. Diese Werte betreffen Managed Services, nicht die gesamten Technologieausgaben der Branchen.

Das Geschäftsmodell kann einen Teil der Divergenz erklären, aber nicht jeden Ausschlag ursächlich belegen. In der Q2-Mitteilung sagte ISG, große Sprachmodelle verdrängten zunehmend traditionelle arbeitsintensive Tätigkeiten. Anbieter stünden unter stärkerem Wettbewerb, Preisdruck und müssten KI-Transformationen innerhalb von Verträgen teilweise selbst finanzieren. Solche Kräfte können den Leistungsumfang und die benötigte Personalstärke verändern, während Kunden mehr Infrastruktur einkaufen. Daraus folgt weder, dass KI jeden Branchenwert verursacht hat, noch dass Managed Services verschwinden.

Die Prognose vergrößert die Lücke und die Unsicherheit

Nach Q2 erwartete ISG für 2026 ein XaaS-Wachstum von 30 Prozent. Nach Q3 erhöhte das Unternehmen die Prognose auf 60 Prozent und hielt an 2,1 Prozent für Managed Services fest. Für IaaS erwartet ISG 80 Prozent, für SaaS 12,5 Prozent Wachstum. Das ist eine deutlich stärkere Cloud-Erwartung, aber keine Umsatzprognose für einzelne Anbieter.

ISG ergänzte eine eigene Einschränkung. Steve Hall, Leiter des Index, sagte, IaaS lasse sich inzwischen schwer prognostizieren. Investitionen der Hyperscaler, Kapazitätszusagen und zirkuläre Finanzierung im KI-Ökosystem sorgten für Volatilität und verzerrten herkömmliche Nachfragesignale. Das beweist nicht, dass ein bestimmter Q3-Vertrag zirkulär finanziert wurde. Es zeigt, warum der Index als Signal für Vertragsdynamik und nicht als abschließender Beleg nachhaltiger Endkundennachfrage zu lesen ist.

Kapazität kann vertraglich gebunden werden, bevor spätere Workloads, Auslastung und wirtschaftliche Rendite feststehen. Der Index nennt weder Laufzeiten noch Mindestabnahmen, Kunden, Stückpreise, Anbietermargen, tatsächliche Nutzung oder Kündigungsrechte. Er trennt auch KI-getriebenes XaaS nicht von anderen Cloud-Diensten. Diese Lücken entwerten die Daten nicht, grenzen aber ihre Aussagekraft ein.

Woran sich eine breitere Expansion erkennen ließe

Ein weiterer Rekord im Gesamtindex wäre für sich genommen kein Beleg, dass die Expansion breiter wird. Hinweise müssten auch in Zahl und Größenverteilung der Managed-Services-Verträge, im Verhältnis zwischen neuen Leistungsumfängen und umgestalteten Verträgen sowie in einem Aufholen von Software und operativen Dienstleistungen liegen. Anbieter müssten zeigen, wie Vertragsgewinne in verbuchten Umsatz, Marge, Investitionen und Cash übergehen. Auf Kundenseite braucht es produktive Workloads und belegbaren Geschäftsnutzen, nicht nur reservierte Kapazität.

Bislang stützen ISGs Daten eine präzisere Aussage: Große Käufer binden mehr jährlichen Vertragswert in Cloud-Infrastruktur und -Software, während der traditionelle Dienstleistungsmarkt langsam und selektiv wächst. Der Infrastrukturzyklus ist im Index sichtbar. Ob er den breiteren Dienstleistungsmarkt mitzieht, bleibt offen.

Quellen