Zusammenfassung

  • Die Übersicht vom 8. September beschreibt einen Planungsstand mit 80 Workshops aus 359 zulässigen Vorschlägen, keine nachgewiesene endgültige Auswahl.
  • Die Gewichtung einzelner Bewertungskriterien ist vom späteren Modell aus Gesamt- und Themenrang zu unterscheiden.
  • Änderungen durch Themengruppen bleiben eine eigene Entscheidung. Eine vielfältige Rednerliste erklärt diese Entscheidung nicht.

Dreißig Prozent für den Inhalt, sechzig Prozent für den Gesamtrang: Wer diese Angaben nebeneinanderstellt, könnte einen Widerspruch vermuten. Die Unterlagen zur IGF-Programmplanung beschreiben jedoch zwei aufeinanderfolgende Schritte. Zunächst wird ein Vorschlag bewertet. Anschließend fließen Rangpositionen in die Zusammenstellung eines Programmentwurfs ein.

Bei der individuellen Bewertung zählen Inhalt 30 Prozent, Thema 20 Prozent, Vielfalt 20 Prozent, politische Fragestellungen 15 Prozent sowie Beteiligung und Hybridstrategie 15 Prozent. Die Einzelbewertungen werden gemittelt und zu Ranglisten zusammengeführt. Erst danach kombiniert ein Modell den normalisierten Gesamtrang mit 60 Prozent und den Rang innerhalb des Themenbereichs mit 40 Prozent.

Das zweite Verhältnis ist also keine neue Punkteverteilung für dieselben Kriterien. Es setzt nach der Bewertung an. Eine vollständige Rohdatenmatrix sowie ausreichende Einzelheiten zur Normalisierung und Behandlung gleicher Ränge enthalten die geprüften Präsentationen nicht. Eine unabhängige Nachrechnung des gesamten Ergebnisses ist damit nicht möglich.

Der Entwurf bleibt veränderbar

Die Übersicht vom 8. September nennt 359 zulässige Vorschläge und einen Ausgangsentwurf mit 80 Workshops. Auf Kooperation und Politik entfallen 32, auf Innovation, Wirtschaft und Nachhaltigkeit 23, auf Rechte, Ethik und Gesellschaft 15 sowie auf Infrastruktur, Sicherheit und Zugang 10. Das Dokument betont, dass dies keine festen Themenquoten sind.

Die Themengruppen dürfen begrenzte Ersetzungen vorschlagen, um Lücken zu schließen oder Zusammenhänge zu verbessern. Zusammenlegungen sollen die Ausnahme bleiben. Im Infrastrukturbereich wird beispielsweise empfohlen, Vorschlag 92 durch 287 zu ersetzen. Das ist kein Beleg für Fehlverhalten. Es macht vielmehr sichtbar, dass das Modellergebnis und die Empfehlung nicht identisch sind.

Auch der Zeitpunkt braucht eine klare Grenze. Die Tagesordnung für den 7. bis 9. September sieht Prüfung und Genehmigung vor. Sie belegt nicht, was beschlossen wurde. Dieser Bericht behandelt den datierten Entwurf und die Empfehlungen; eine endgültige Auswahl wurde anhand des geprüften Materials nicht bestätigt.

Unterschiedliche Rollen, unterschiedliche Zahlen

In der Ausgangsliste steht ein staatlicher Vorschlag 50 staatlichen Rednereinträgen gegenüber. Für die Privatwirtschaft sind es fünf Vorschlagende und 53 Rednereinträge. Eine Diskussion zu organisieren ist etwas anderes, als an ihr mitzuwirken. Rednereinträge belegen zudem weder zwingend unterschiedliche Personen noch tatsächliche Anwesenheit.

Weitere Veranstaltungsformate könnten das Programm verbreitern. Die vorgelegten Zahlen beschreiben hier aber Vorschlagspools, nicht bereits ausgewählte Sitzungen. Diese mögliche Ergänzung darf nicht vorzeitig als fertiger Ausgleich verbucht werden.

RIPE NCC bietet in seiner Eingabe vom 7. September Erfahrungen mit IPv6, Routingsicherheit, DNS und RPKI an und plädiert für die Nutzung vorhandener Strukturen. Eine solche Eingabe ist ein Beitrag, keine dadurch beschlossene Vorgabe für das MAG.

Nach seiner eigenen Aufgabenbeschreibung führt das IGF Diskussionen und vermittelt Erkenntnisse an öffentliche und private Entscheidungsträger, ohne ausgehandelte Ergebnisse zu produzieren. Die Programmauswahl verteilt dennoch knappe Aufmerksamkeit. Diese Wirkung ist ernst zu nehmen, ohne daraus Verfügungsgewalt über die besprochenen Netze abzuleiten.