Eine niedrige Nummer bei der Priorisierungsziehung verbessert die Position eines Antrags in wichtigen Teilen der neuen gTLD-Runde 2026. Sie bestätigt jedoch weder die Zulässigkeit des beantragten Strings noch einen frühen Abschluss aller Prüfungen. ICANN zieht selbst eine klare Grenze: Die Prioritätsnummer bestimmt die allgemeine Reihenfolge mehrerer Verfahren, aber nicht die Reihenfolge der String Evaluation.

Damit trennt ICANN die Terminsteuerung eines Antrags von der inhaltlichen Prüfung des beantragten Zeichens.

Wofür die Nummer gilt

Nach Angaben von ICANN legt die Prioritätsnummer die allgemeine Reihenfolge fest, in der Anträge die Auflösung von String-Konflikten, Applicant Evaluation und Application Evaluation durchlaufen, ihre Ergebnisse erhalten und bei Erfolg in Richtung Vertragsabschluss weitergehen.

„Allgemein“ ist keine Garantie für die endgültige Reihenfolge. Einwendungen, Berufungen, Konsensratschläge des GAC, Extended Evaluation, Konfliktlösung, Rechenschaftsmechanismen oder Änderungsanträge können einen einzelnen Vorgang anhalten. ICANN kann dann den nächsten Antrag bearbeiten und den angehaltenen später fortsetzen.

Die Nummer ist folglich ein Ordnungsinstrument mit operativen Unterbrechungen. Sie ist weder Erfolgsprognose noch Bewertung des Strings.

Fünf Prüfungen auf einer anderen Zeitachse

ICANN bezeichnet V2-2026.04.24 als maßgebliche Fassung des Applicant Guidebook 2026. Das Glossar beschränkt die String Evaluation auf beantragte Strings und deren zuteilungsfähige Varianten. Fünf Elemente werden parallel bewertet:

  1. String Similarity Evaluation untersucht visuelle Ähnlichkeiten und mögliche Folgen für Ergebnisse oder Konfliktgruppen.
  2. Name Collision Initial Assessment prüft das anfängliche Risiko von Namenskollisionen.
  3. Safeguard Assessment bewertet die für den String geltenden Schutzanforderungen.
  4. Geographic Names Identification stellt fest, ob Regeln für geografische Namen greifen.
  5. Singular/Plural Notifications Evaluation behandelt Meldungen über Singular- und Pluralbeziehungen zwischen beantragten Strings.

Parallel bedeutet nicht zeitgleich. Das Guidebook verspricht weder denselben Beginn noch denselben Abschluss aller fünf Arbeiten. Entscheidend ist, dass sie keine einzige lineare, von der Ziehungsnummer gesteuerte Prüfkette bilden.

Deshalb kann ein Antrag mit kleiner Nummer weiter auf eine String-Feststellung warten, während bei einem Antrag mit größerer Nummer ein Element früher sichtbar wird. Allein daraus folgt keine Bevorzugung. Umgekehrt beweist ein frühes String-Ergebnis nicht, dass Antragstellerprüfung, Antragsprüfung, Einwendungen, Konflikte oder Vertragsabschluss erledigt sind.

Zwei öffentliche Ansichten

Eine einzige, nach Nummer sortierte Statusanzeige vermischt zwei Fragen: Wo steht der Antrag in der allgemeinen Bearbeitungsfolge? Und welche Erkenntnisse liegen über den String vor?

Die erste Ansicht sollte Prioritätsnummer, aktuelle geordnete Phase, Unterbrechungsgrund sowie Beginn und Ende einer Pause zeigen. Die zweite sollte den Zustand jedes der fünf String-Evaluation-Elemente mit Schlüsseldaten, Ergebnissen und gegebenenfalls Anfechtungen darstellen.

So würde eine kleine Nummer nicht wie ein Gütesiegel wirken. Ein frühes String-Ergebnis würde nicht mit einem nahen Vertrag verwechselt, und zeitliche Unterschiede wären nicht automatisch ein Beleg für eine Abweichung von der Reihenfolge.

Dieses Zwei-Uhren-Modell ist eine Empfehlung zur Transparenz, keine bereits beschlossene ICANN-Regel. Seine Grundlage ist jedoch offiziell: ICANN hat beschrieben, was die Prioritätsnummer ordnet, und die String Evaluation ausdrücklich ausgenommen. Der öffentliche Nachweis sollte dieselbe Grenze sichtbar machen.

Quellen