Zusammenfassung
- Bis zum Ende des Antragsfensters am 12. August 2026 erhielt ICANN mehr als 1.600 Hauptanträge; mehr als 1.100 führten zusätzlich einen Ersatz-String.
- Die endgültige Antragszahl ist offen, weil die Evaluierungsgebühr vollständig eingehen muss und Rechnungen erst nach einer Due-Diligence-Prüfung des Antragstellers ausgestellt werden.
- Auch die Zahl der bezahlten Anträge ist noch keine endgültige String-Zahl. Auf den Reveal Day folgt eine 14-tägige, unumkehrbare Ersatzwahl; erst der String Confirmation Day fixiert die Namen für das weitere Verfahren.
Der erste Zähler misst den Eingang
„Mehr als 1.600“ ist eine belastbare Nachricht über die Resonanz auf die Runde. Es ist keine belastbare Nachricht über 1.600 neue Top-Level-Domains. Nach fünfzehn Wochen befanden sich Hauptanträge im System. Zwischen einem eingereichten Formular und einer Delegierung in der Root-Zone liegen jedoch Zahlung, Verwaltungsprüfung, Offenlegung, Ersatzwahl, Einwendungen, Evaluierung, Konfliktlösung und Vertrag.
Das öffentliche Protokoll wird mindestens drei Grundgesamtheiten kennen. Zuerst stehen die eingereichten Hauptanträge. Danach folgen die vollständig bezahlten und administrativ freigegebenen Anträge, die veröffentlicht werden können. Schließlich gibt es die bestätigten Strings, nachdem berechtigte Bewerber das sichtbare Feld geprüft und zwischen Original und Ersatz entschieden haben.
Mit Stand vom 22. August hat ICANN nur eine Größenordnung der ersten Gruppe genannt. Selbst diese sei erst nach Eingang der vollständigen Evaluierungsgebühren endgültig. Regulär kostet ein Antrag 227.000 US-Dollar; im Applicant Support Program bewilligte Bewerber erhalten Nachlässe. Als bezahlt gilt ein Antrag erst, wenn der gesamte geschuldete Betrag eingegangen ist.
Der 19. August war kein einheitlicher Schlusspunkt. ICANN änderte am 7. August die Frist: Maßgeblich ist der spätere Zeitpunkt aus dem 19. August, 23:59 UTC, und sieben Kalendertagen nach Rechnungsstellung. Die Rechnung entsteht nicht automatisch bei Abgabe. Zuvor prüft ICANN den Bewerber. Aus dem Ablauf des allgemeinen Datums lässt sich deshalb nicht ableiten, wie viele Anträge bezahlt waren oder noch auf eine Rechnung warteten.
Nach den administrativen Prüfungen folgt der Reveal Day, nach ICANNs Planung ohne außergewöhnliche Umstände spätestens ungefähr neun Wochen nach dem Annahmeschluss. Dann werden öffentliche Antragsteile und beantragte Strings sichtbar. Das schafft Transparenz über das Feld, friert die Namen aber noch nicht ein.
Der Ersatz ist keine zweite Bewerbung
Ein Ersatz-String ist eine vorsorglich eingereichte Alternative im selben Antrag. Er eröffnet weder ein zweites Verfahren noch einen zweiten Evaluierungsplatz und kann nicht neben dem Original als zusätzliche TLD aus demselben Antrag hervorgehen. Die Addition von 1.600 und 1.100 zählt daher nichts, was das Regelwerk als Einheit kennt.
Vom Reveal Day an haben berechtigte Bewerber 14 Kalendertage, um beim Original zu bleiben oder den Ersatz zu aktivieren. Die Entscheidung ist unwiderruflich. Ohne Wahl verfällt die Ersatzoption, während das Original bestehen bleibt. Am String Confirmation Day veröffentlicht ICANN für jeden Antrag den endgültig bestätigten String und aktualisierte Contention Sets.
Die Konstruktion gewährt eine einzige Reaktion auf das offengelegte Wettbewerbsfeld, ohne das Antragsfenster neu zu öffnen. Deshalb können sich Antragszahl und Namenszusammensetzung aus unterschiedlichen Gründen verändern: Zahlung und Prüfung beeinflussen die erste, der Ersatz die zweite.
Ein Wechsel beseitigt auch nicht jeden Konflikt. Eine Alternative darf nicht identisch mit einem anderen eingereichten Original- oder Ersatz-String sein. Dennoch können Singular-/Plural-Prüfung, String-Ähnlichkeit oder eine String-Confusion-Einwendung ein neues Contention Set auslösen. Die Bestätigung legt den Evaluierungsgegenstand fest, nicht die Delegierung.
Ein belastbares Register bezeichnet den Zustand der Zahl
Aus Lu Hengs Notizen folgt für diesen Fall ein begrenzter Maßstab: Koordination verdient Vertrauen durch genaue, prüfbare Aufzeichnungen und durch Aussagen, die nicht weiter reichen als diese Aufzeichnungen. Ein Zwischenstand wird nicht dadurch zum Ergebnis, dass er groß genug für eine Schlagzeile ist.
Der Bewerber kontrolliert Zahlung und gegebenenfalls Ersatzwahl. ICANN kontrolliert Due Diligence, Rechnung, Verwaltungsprüfung und Veröffentlichung der maßgeblichen Listen. Evaluierungsgremien, Einwendungsverfahren und Konfliktregeln entscheiden später über den Fortgang. Vertrag und Root-Delegierung liegen noch weiter hinten. Der Sammelbegriff „neue Domains“ verwischt diese Entscheidungsgrenzen.
Ein gutes öffentliches Dashboard würde datiert unterscheiden: eingegangene Hauptanträge, ausgestellte Rechnungen, vollständige Zahlungen, administrativ vollständige Anträge, Ersatzoptionen, ausgeübte Wechsel, bestätigte Strings, Konfliktgruppen, Rücknahmen, Evaluierungsergebnisse und Delegierungen. Ein neuer Stand darf die Vorgeschichte nicht überschreiben.
Die genaue Nachricht lautet somit: Mehr als 1.600 Vorhaben sind in einen geregelten Ablauf eingetreten, viele mit einem reservierten Alternativnamen. Die nächste aussagekräftige Gesamtzahl betrifft angenommene Anträge nach Zahlung und Prüfung. Die endgültige Namenszahl entsteht erst am String Confirmation Day.
Quellen
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