Zusammenfassung

  • FiberCops aktive FTTH-Anschlüsse wuchsen im ersten Halbjahr um 26 Prozent; im ersten Quartal entfielen 66 Prozent der Nettozugänge auf das Unternehmen. Die Gesamtzahl aktiver Anschlüsse, der Umsatz und das organische EBITDAaL lagen dennoch unter dem Vorjahreswert.
  • Die ausgewiesenen 205 Mio. Euro wiederkehrender operativer freier Cashflow liegen vor 901 Mio. Euro Wachstumsinvestitionen und 384 Mio. Euro Nettozinszahlungen. Mehr Netzabdeckung ist ein Fortschritt, aber noch kein Nachweis, dass sich der Ausbau aus Wholesale-Erlösen trägt.

Die Zahl 66 Prozent prägt FiberCops Halbjahrespräsentation: Nach Angaben des Unternehmens entfiel dieser Anteil der italienischen FTTH-Nettozugänge im ersten Quartal 2026 auf sein Netz. In derselben Unterlage steht, dass FiberCop 44 Prozent des installierten FTTH-Bestands hält. Das ist kein Widerspruch. Die 66 Prozent beziehen sich auf den Zufluss neuer Anschlüsse innerhalb eines Quartals, die 44 Prozent auf den Bestand aktiver Glasfaserleitungen. FiberCop gewinnt also einen großen Teil der neuen Anschlüsse, während die eigene Basis weiter wächst. Das belegt Ausbauleistung, aber noch nicht, dass der Ausbau seine Kosten verdient.

Die Entwicklung nach Technologie macht den Unterschied sichtbar. Im Juni 2026 zählte FiberCop 3,5 Millionen aktive FTTH-Anschlüsse, nach 2,7 Millionen ein Jahr zuvor. Die Zahl aller aktiven Anschlüsse sank zugleich von 14,2 auf 13,4 Millionen. FTTC verlor 0,8 Millionen Anschlüsse, ältere Technologien 0,7 Millionen; FTTH gewann 0,8 Millionen. Das passt zu einer Migration von älteren Leitungen zur Glasfaser. Es bedeutet aber nicht, dass ebenso viele neue Kunden hinzugekommen sind. Laut AGCOM wuchsen die FTTH-Zugänge im italienischen Endkundenmarkt bis März im Jahresvergleich um 19,7 Prozent.

Der Markt wächst, doch diese Zahl misst weder FiberCops Wholesale-Umsatz noch die Rendite ihres Netzes.

Der Umsatz ist dem FTTH-Zuwachs noch nicht gefolgt. FiberCop erzielte im ersten Halbjahr 1,786 Mrd. Euro, gegenüber 1,861 Mrd. Euro im Vorjahr. Die B2B2C-Zugangserlöse gingen von 1,223 auf 1,175 Mrd. Euro zurück. Die B2B2B-Erlöse lagen bei 611 Mio. Euro statt 638 Mio. Euro; sowohl Zugangsdienste als auch sonstige Geschäftskundendienste sanken. Das Unternehmen führt einen Teil der Entwicklung auf den Technologiewechsel zurück und erwartet zusätzliche B2B-Dienste und Verkäufe im zweiten Halbjahr. Diese Erwartung kann eintreffen.

Die veröffentlichten Zahlen zeigen bislang jedoch eine Verzögerung: Mehr FTTH-Anschlüsse verhinderten keinen Umsatzrückgang von 4 Prozent.

Die Kosten fielen schneller als der Umsatz. Die gesamten betrieblichen Aufwendungen einschließlich Leasing sanken um etwa 6,6 Prozent auf 792 Mio. Euro. Das organische EBITDAaL – eine von FiberCop definierte alternative Kennzahl – blieb mit 810 Mio. Euro gegenüber 824 Mio. Euro weitgehend stabil; die Marge stieg von 44 auf 45 Prozent. FiberCop zufolge wurden im ersten Halbjahr Bruttoeinsparungen mit einem annualisierten Laufwert von 198 Mio. Euro festgeschrieben. In den Halbjahreszahlen enthalten waren aber nur 18 Mio. Euro.

Ein annualisierter Laufwert rechnet die aktuelle Einsparrate auf zwölf Monate hoch; er ist kein bereits eingesparter Betrag. Das Ziel, die Betriebskosten von 2025 bis 2029 um mehr als 600 Mio. Euro zu senken, muss noch umgesetzt werden.

Die Investitionen zeigen, warum operative Verbesserung und Cash-Rendite nicht dasselbe sind. FiberCop investierte im ersten Halbjahr 1,177 Mrd. Euro, etwas mehr als die 1,155 Mrd. Euro im Vorjahr. Die Instandhaltungsausgaben sanken auf 276 Mio. Euro, während Wachstums- und erfolgsabhängige Investitionen mit dem Ausbau auf 901 Mio. Euro stiegen. Die Präsentation weist 205 Mio. Euro wiederkehrenden operativen freien Cashflow aus, nachdem das unternehmenseigene Working-Capital-Maß und die Instandhaltungsinvestitionen berücksichtigt wurden. Diese selbst definierte Kennzahl liegt vor Wachstumsinvestitionen, Zinsen, Steuern und Einmaleffekten.

Sie ist positiv, aber nicht das Geld, das nach Finanzierung des Netzausbaus übrig bleibt.

Nach 384 Mio. Euro Nettozinszahlungen, 25 Mio. Euro Einmaleffekten, 2 Mio. Euro bar gezahlten Steuern und 901 Mio. Euro Wachstumsinvestitionen fiel der Kassenbestand von 2,592 Mrd. Euro Ende 2025 auf 2,128 Mrd. Euro im Juni. In der Überleitung stehen außerdem 583 Mio. Euro Netto-Fremdmittelaufnahme und 60 Mio. Euro sonstige Posten. Die Nettoschulden aus vorrangigen besicherten Finanzierungen stiegen von 10,889 auf 11,981 Mrd. Euro; der Verschuldungsgrad erhöhte sich von 6,2 auf 6,9. FiberCop erwartet den Verschuldungshöhepunkt 2026. Separat nennt das Unternehmen 6,3, wenn 180 Mio.

Euro an annualisierten Einsparungen eingerechnet werden, die im Halbjahr noch nicht enthalten waren. Das ist eine Pro-forma-Rechnung des Unternehmens, nicht der ausgewiesene Wert von 6,9.

Netzabdeckung ist ein weiterer Meilenstein, aber kein Ersatz für Nachfrage. FiberCop zufolge war die Glasfaser im Juni an 15,3 Millionen potenziellen Immobilienstandorten vorbeigeführt, rund eine Million mehr als Ende 2025. Die eigene Erläuterung stellt klar, dass diese Schätzwerte weder aktive Leitungen noch Kunden oder tatsächlich angeschlossene Adressen darstellen. Öffentliche Zuschüsse und langfristige Finanzierung erleichtern den Bau: Die Europäische Investitionsbank sagte bis zu 1 Mrd. Euro zu, eine erste Tranche von 500 Mio.

Euro wurde unterzeichnet; der Nationale Konnektivitätsfonds verbindet Zuschüsse mit privatem Kapital für zusätzliche Abdeckung. Weder Finanzierungsspielraum noch Zuschuss beweisen, dass Kunden Anschlüsse aktivieren, Wholesale-Erlöse im selben Tempo wachsen oder künftiger Cashflow die Investition deckt.

Die Umwandlung in Erlöse hängt auch davon ab, wer die einzelnen Schritte kontrolliert. FiberCop besitzt und betreibt das Festnetz, verkauft aber keine Internetverträge an Endkunden. AGCOM stufte das Unternehmen im März als reinen Wholesale-Anbieter ein und verpflichtete es in den einschlägigen regulierten Gebieten zu Zugang, Nichtdiskriminierung sowie fairen und angemessenen Preisen. Im April leitete die Behörde die Prüfung der vorgeschlagenen Wholesale-Preislisten für die Märkte 1B und 2B ein.

Endkundenanbieter schnüren Tarife und werben um Kunden; FiberCop entscheidet über Investitionen ins physische Netz; AGCOM setzt den Rahmen für den Großhandel. Mehr versorgte Immobilien entscheiden nicht allein, wie der wirtschaftliche Wert verteilt wird.

Der nächste Beleg wird keine weitere Abdeckungsmeldung sein. Zu prüfen ist, ob im zweiten Halbjahr tatsächlich mehr B2B-Umsatz und verbuchte Einsparungen anfallen, ob aktive FTTH-Anschlüsse die Erlöse stabilisieren und ob die Wachstumsinvestitionen sinken, wenn der eigenständige Ausbau seinem Ziel für 2027 näherkommt. FiberCop erwartet für 2026 ein Plus des organischen EBITDAaL von annähernd 10 Prozent, vor allem dank des zweiten Halbjahrs. Das ist eine Prognose. Die Präsentation erklärt zudem, dass die Finanzinformationen ungeprüft sind und EBITDAaL, Nettoschulden und wiederkehrender operativer Cashflow alternative Kennzahlen darstellen.

Diese Einordnung darf bei Vergleichen nicht verloren gehen.

FiberCop hat gezeigt, dass das Unternehmen die Abdeckung erweitern und einen großen Anteil neuer Glasfaseranschlüsse gewinnen kann. Die Halbjahreszahlen zeigen zugleich, warum der Besitz eines Netzes allein keine Rendite belegt. Dafür müssen Anbieter das Netz tatsächlich nutzen, die Wholesale-Konditionen eine dauerhafte Marge ermöglichen, Einsparungen als Cash ankommen und der Ausbau schließlich weniger Kapital verbrauchen, als die Dienste zurückverdienen. Glasfaserwachstum ist ein Frühindikator; der schwierigere Beleg ist die Cash-Konversion.

Quellen