Zusammenfassung

  • Digi hat die besicherte revolvierende Zusage von 250 auf 350 Mio. US-Dollar erhöht; sie läuft bis zum 27. August 2031. Die zusätzlichen 100 Mio. sind kein Mittelzufluss.
  • Am 30. Juni standen 109 Mio. US-Dollar Revolverkredit und 27,972 Mio. US-Dollar Zahlungsmittel in der Bilanz. Zwischen diesem Stichtag und dem neuen Vertrag liegen 58 Tage ohne offengelegten Saldoabgleich.
  • Zusätzliche Akkordeon-Kapazität setzt freiwillige Kreditgeber, Verschuldungsnachweise, Unterlagen und Gebühren voraus. Der normale Leverage-Covenant wurde weiter, die Gläubigerrechte blieben bestehen.

Zwei Stichtage, keine gemeinsame Kasse

Laut Digis Form 8-K vom 31. August trat die geänderte und neu gefasste Kreditvereinbarung am 27. August in Kraft. Die Grundzusage stieg um 100 Mio. auf 350 Mio. US-Dollar; die Fälligkeit liegt nun im August 2031.

Der Schuldenstand ist älter. Im Form 10-Q zum 30. Juni weist Digi 109 Mio. US-Dollar revolvierendes Darlehenskapital aus, nach 160 Mio. Ende September 2025. Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente betrugen 27,972 Mio. US-Dollar. Die einfache Nettoschuld liegt damit bei 81,028 Mio. US-Dollar und entspricht Digis gerundeter Darstellung von 81 Mio.

Für den Kreditvertrag ist diese Rechnung nicht maßgeblich. Dessen Verschuldungskennzahl zieht unbeschränkt verfügbare Liquidität nur bis 50 Mio. US-Dollar ab und verwendet ein definiertes konsolidiertes EBITDA. Ebenso wenig zeigt der Juniwert die Ziehung am 27. August. In den 58 Tagen dazwischen konnten Tilgungen, neue Abrufe oder Akkreditive den Stand verändern.

Eine statische Vergleichsrechnung ist dennoch nützlich: Bei unverändert 109 Mio. US-Dollar Ziehung hätte der alte Rahmen 141 Mio. groben Freiraum, der neue 241 Mio. — jeweils vor Akkreditiven und sonstigen Beschränkungen. Das macht die zusätzliche Bankzusage sichtbar. Es ist keine Behauptung über die tatsächliche Verfügbarkeit im August oder heute.

Unter dem Rahmen liegen belegte Spuren

Auf gezogene Beträge fallen Zinsen an; für bereitgehaltene, ungenutzte Zusagen zahlt Digi eine niedrigere Bereitstellungsgebühr. Deren neuer Satz liegt je nach Leverage zwischen 0,15% und 0,275%. Die Vereinbarung berechnet den ungenutzten Teil jedoch nicht nur aus Rahmen minus Darlehen. Auch ausstehende Akkreditive und nicht erstattete Akkreditivzahlungen belegen Kapazität.

Innerhalb der 350 Mio. gibt es Teillimits von 10 Mio. US-Dollar für Akkreditive, 10 Mio. für kurzfristige Swingline-Mittel und 75 Mio. für bestimmte Fremdwährungen. Sie kommen nicht zum Gesamtrahmen hinzu. Eine Fremdwährungsziehung nutzt denselben Umschlag wie ein Dollar-Darlehen.

Damit sind Zusage, Verschuldung und Verfügbarkeit getrennte Größen. Die Zusage ist das bedingte Versprechen des Bankenkonsortiums. Die Verschuldung ist die bisherige Nutzung. Die Verfügbarkeit ist der Rest nach Belegung und Vertragsprüfung. Liquidität in der Bilanz ist wiederum eine vierte Größe.

Das Akkordeon braucht eine Gegenseite

Digi spricht öffentlich von bis zu 480 Mio. US-Dollar potenzieller Kreditkapazität: 350 Mio. Basis plus 130 Mio. Akkordeon. Im Vertrag besteht der inkrementelle Spielraum aus zwei Teilen. Der erste entspricht dem höheren Betrag aus 130 Mio. US-Dollar und 100% des konsolidierten EBITDA der letzten vier Quartale. Der zweite hat keine feste Dollargrenze, setzt aber einen Pro-forma-Gesamtnettoverschuldungsgrad von höchstens 2,50 voraus. Bereits bestehende inkrementelle Zusagen und gleichwertige Schulden werden abgezogen.

Die 480 Mio. sind daher Basis plus Mindestbetrag des ersten Korbs. Sie sind weder vollständig zugesagt noch eine unveränderliche Höchstgrenze. Verändert sich das vertraglich definierte EBITDA, kann sich Korb eins bewegen. Wird der 2,50-Test verfehlt, ist der nominell „unbegrenzte“ Korb geschlossen.

Auch Kapitalgeber müssen erst zustimmen. Kein bestehender Kreditgeber ist zur Teilnahme an einer Erhöhung verpflichtet; die Entscheidung liegt bei ihm. Digi muss fortdauernde Ausfälle ausschließen, den Pro-forma-Leverage nachweisen, ein Compliance-Zertifikat und Unterlagen liefern und Gebühren zahlen. Soll die Erhöhung ausschließlich einen Kaufpreis finanzieren, muss die Transaktion als zulässige Akquisition gelten.

Niedrigere Marge gegen größeren Verschuldungsspielraum

Für Term-SOFR-Darlehen und geeignete Fremdwährungsziehungen reicht die neue Marge von 1,25% bis 2,625%. Zuvor waren 1,35% bis 3,10% veröffentlicht. Das untere Ende sinkt um 10 Basispunkte, das obere um 47,5. Die Gebühr für ungenutzte Zusagen fällt von 0,20%–0,35% auf 0,15%–0,275%.

Daraus lässt sich kein fester Jahresvorteil ableiten. Er hängt von Referenzzins, Leverage-Stufe, Tagesdurchschnitt der Ziehung, Akkreditiven und ungenutztem Volumen ab. Zum 30. Juni lag die gewichtete Kreditmarge unter dem alten Vertrag bei 1,35%, der gewichtete Gesamtzinssatz bei 4,95%.

Gleichzeitig bleibt die Mindestzinsdeckung bei 3,00. Der normale Höchstwert der Gesamtnettoverschuldung steigt von 3,00 auf 3,50. Bei einer qualifizierten Akquisition oberhalb der Vertragsschwelle kann Digi ihn im Abschlussquartal und den folgenden drei Quartalstests vorübergehend auf 4,00 anheben.

Das verschafft Integrationszeit, ohne den Einfluss der Banken zu beseitigen. Nahezu sämtliche Vermögenswerte von Digi und seinen inländischen Tochtergesellschaften dienen als Sicherheit. Zusätzliche Schulden, bedeutende Veräußerungen, bestimmte Investitionen und Ausschüttungen, Sale-and-Leaseback-Transaktionen sowie neue Pfandrechte bleiben beschränkt.

Der Revolver hat bereits Akquisition und Tilgung gesehen

Für Particle zahlte Digi im Januar 50,389 Mio. US-Dollar und finanzierte davon 34 Mio. durch eine Ziehung; der Rest kam aus vorhandener Liquidität. Trotzdem sank der ausgewiesene Revolverkredit zwischen September und Juni netto um 51 Mio. US-Dollar. Das ist nicht die Summe aller Tilgungen, denn innerhalb der Periode kann der Saldo mehrfach gedreht haben. Es zeigt aber, weshalb ein Kaufpreis nicht dem Quartalsendstand entspricht.

Particle trug bis Juni nicht wesentlich zu Umsatz und Betriebsergebnis bei. Der endgültige Kaufpreis für Jolt belief sich auf 147,5 Mio. US-Dollar. Zugleich erwirtschaftete Digi in neun Monaten 110,419 Mio. operativen Cashflow. Das Management will weiter entschulden und nennt Akquisitionen dennoch als oberste Kapitalpriorität. Der größere Rahmen hält beide Wege offen.

Die Finanzierung hat bereits einen Ergebnisbeleg. Der Nettozinsaufwand der ersten neun Monate stieg von 4,562 auf 6,129 Mio. US-Dollar, vor allem wegen höherer Schulden nach Particle. Seit dem Geschäftsjahr 2026 lässt Digi Zinsen im bereinigten Nettogewinn stehen, weil die fortgesetzte Finanzierung nach eigener Einschätzung wiederkehrend für den Liquiditätsbedarf ist. Die Methodik macht sichtbar, was der Begriff „finanzielle Flexibilität“ leicht verdeckt: Genutzte Flexibilität kostet laufend Geld.

Quellen