Zusammenfassung
- Ohne den geplanten Kauf durch nexfibre hätte CityFibre Substantial wahrscheinlich übernommen und die Endkundengeschäfte anschließend an einen dritten Internetanbieter verkauft, meint die CMA vorläufig.
- Der alternative Käufer verändert, welche Glasfasernetze unabhängig kontrolliert würden. Die Werte von 31,9 und 17,7 Prozent beruhen auf unterschiedlichen Netzgrundlagen.
In der vorläufigen Analyse der britischen Competition and Markets Authority (CMA) ist der wichtigste Käufer jener, der Substantial nicht übernommen hat: CityFibre. Der Bericht vom 2. Oktober, der am 5. Oktober veröffentlicht wurde, kommt zu dem vorläufigen Schluss, dass CityFibre ohne die geplante Transaktion mit nexfibre am ehesten zum Zuge gekommen wäre. Danach hätte CityFibre die Endkundengeschäfte von Substantial wahrscheinlich an einen anderen Internetanbieter verkauft.
Damit vergleicht die CMA den Deal nicht einfach mit einem unveränderten Status quo. Sie rekonstruiert, was ohne die Transaktion am wahrscheinlichsten geschehen wäre. Im Verkaufsprozess 2025 hatten sowohl nexfibre als auch CityFibre Gebote abgegeben. Die CMA verweist auf die schwächere Finanzperspektive von Substantial, den Verkaufsanreiz seiner Anteilseigner, das Interesse von CityFibre und mögliche Finanzierungsquellen. Sie hält es vorläufig für wahrscheinlich, dass CityFibre die nötigen Mittel zu akzeptablen Bedingungen hätte beschaffen können.
Der Bericht betont zugleich die Unsicherheit; weder Finanzierung noch Übernahme fanden tatsächlich statt.
Der Eigentümer prägt das Vorleistungsmodell
Zu Substantial gehören die Glasfasernetze von Netomnia und Brsk sowie Endkundengeschäfte wie YouFibre. Im von der CMA bevorzugten Alternativszenario hätte CityFibre das Netz in seine Vorleistungsplattform übernommen und den bestehenden Internetanbietern Zugang angeboten. Die Endkundengeschäfte wären separat verkauft worden. Bei einem eigenständigen Fortbestand hätte Substantial dagegen YouFibre behalten und zugleich Vorleistungsangebote entwickeln können.
Netz und Endkundendienst müssen nicht demselben Unternehmen gehören. Ein Netzeigentümer kann Kapazität an mehrere Internetanbieter verkaufen; diese kümmern sich um Marke, Rechnung, Kundenservice und Tarife. Ein Eigentümerwechsel muss die verlegte Glasfaser nicht verändern. Er verändert aber, wer über Zugang verhandelt und welche Alternativen ein Internetanbieter an derselben Adresse hat.
Auch die geplante Transaktion trennt Vermögenswerte. Nach dem von der CMA beschriebenen Rahmen würde nexfibre die Anschlussnetze von Netomnia und Brsk behalten. VMO2 zahlt 150 Millionen Pfund für den übrigen Teil von Substantial, einschließlich YouFibre und Brsk ISP. In weiteren Vereinbarungen erhält VMO2 von nexfibre 1,1 Milliarden Pfund in bar sowie eine Beteiligung; nexfibre finanziert und besitzt FTTP-Aufrüstungen für rund 2,1 Millionen VMO2-Anschlüsse. Eine FTTP-Verfügbarkeitsgebühr bezieht sich auf 4,6 Millionen Anschlüsse.
Das sind verschiedene Vertragsströme, deren Bedingungen teilweise geschwärzt sind; sie ergeben keinen einfachen Barkaufpreis.
Die Gesamtzahl erreichbarer Anschlüsse zeigt deshalb nicht, wie viele eigenständige Vorleistungsalternativen entstehen. Ein zusätzliches Netz ohne Überschneidung erweitert die Reichweite. Ein unabhängig kontrolliertes Netz, das in derselben Gegend liegt, kann einem Internetanbieter eine zweite Bezugsquelle geben. Beides vergrößert die Abdeckung, aber nur eines schafft in dem betreffenden Gebiet unmittelbaren Wettbewerbsdruck.
Was die Überschneidungswerte messen
Die CMA untersucht den Vorleistungsmarkt für Festnetz-Breitband innerhalb der kombinierten FTTP-Netze der Beteiligten. Eine Überschneidung ist aus ihrer Sicht relevant, weil ein Internetanbieter Volumen zu einem anderen Netz in derselben Gegend verlagern kann. Zudem würden Preise und andere Wettbewerbsparameter teils für ein größeres Netzgebiet festgelegt; lokale Konkurrenz könne deshalb auch die Konditionen andernorts beeinflussen.
Tabelle 6.2 des Berichts vergleicht künftige Netze mit zwei verschiedenen Bezugsgrößen. Ohne die Transaktion würde das gemeinsame Netz von CityFibre und Substantial 31,9 Prozent des künftigen VMO2/nexfibre-Netzes überlappen. Nach dem Deal würde CityFibre allein 17,7 Prozent des größeren künftigen Netzes der fusionierten Einheit überlappen. Zum Vergleich: Im Alternativszenario läge die Überschneidung von CityFibre allein mit dem künftigen VMO2/nexfibre-Netz bei 18,2 Prozent.
Die gerundete Gegenüberstellung „32 statt 18 Prozent“ ist also kein Rückgang auf einer unveränderten Netzgrundlage. Nach der Transaktion umfasst der Nenner auch die zusätzliche Abdeckung von Substantial, die sich vielfach nicht mit CityFibre überschneidet. Die Werte messen weder Kunden noch Umsatz oder Endkunden-Marktanteile, sondern modellierte künftige Netzüberschneidungen. Die CMA verwendet Ofcom-Daten zu Festnetz-Breitbandnetzen vom Januar 2026. Sie unterstellt, dass VMO2 sein gesamtes Netz auf FTTP umstellt und Openreach sein Legacy-Netz langfristig vollständig modernisiert.
Für unsichere künftige CityFibre-Ausbaupläne nutzt sie die aktuelle Netzgröße.
Im CityFibre-Szenario würden Openreach, VMO2/nexfibre und CityFibre in den relevanten Überschneidungsgebieten drei eigenständige Vorleistungsnetze betreiben. Nach dem geplanten Deal würde Substantial in nexfibre aufgehen und sich nur wenig mit CityFibre überschneiden. Die CMA sieht deshalb vorläufig eine erhebliche Schwächung des Vorleistungswettbewerbs. Bessere Vorleistungskonditionen könnten sich auf Preise und Leistungen für Haushalte und Unternehmen auswirken; der Bericht stellt jedoch keine bereits erfolgte Erhöhung von Endkundenpreisen fest.
Der Investitionsvorteil braucht einen Vergleich
Die Parteien verweisen auf größere Reichweite, Investitionen und einen stärkeren Vorleistungskonkurrenten von Openreach. Die CMA erkennt zusätzliche Netzgröße und bestimmte geplante Aufrüstungen an. Sie hält aber vorläufig einen Teil des Zuwachses nicht für deal-spezifisch, weil VMO2 sein Kabelnetz auch ohne die Transaktion voraussichtlich auf FTTP umstellen würde.
Die Behörde sieht außerdem nur begrenzte Belege dafür, dass der Deal die Wahrscheinlichkeit neuer Großhandelsverträge mit Internetanbietern wesentlich erhöht oder dass VMO2/nexfibre das Substantial-Netz besser im Großhandel einsetzen würde als CityFibre. Das ist eine vorläufige Einschätzung des zusätzlichen Nutzens, keine Feststellung, dass Investitionen wertlos wären. Entscheidend ist, was die Transaktion zusätzlich ermöglicht und ob dieser Mehrwert den Verlust eines unabhängigen Netzbetreibers in Überschneidungsgebieten aufwiegt.
Die Parteien sollen ihre Abhilfemaßnahmen bis zum 16. Oktober vorlegen. Stellungnahmen zu den vorläufigen Feststellungen sind bis 17 Uhr am 23. Oktober möglich; die gesetzliche Frist für die Phase-2-Entscheidung endet am 15. Dezember. Bis dahin bleibt offen, ob die neue Reichweite mehr unabhängige Vorleistungsoptionen schafft oder ein Netz absorbiert, das unter einem anderen Eigentümer hätte konkurrieren können.
Quellen: CMA-Zwischenbericht (2. Oktober 2026), insbesondere S. 18–19, 36–65, 99–102 und 140–145; Zusammenfassung; Fallseite und Zeitplan.
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