Zusammenfassung

  • Jessica Fischer verlässt Charter am 15. Oktober, nachdem sie beim Abschluss des Quartals zum 30. September mitgewirkt hat. Charter nennt keine Meinungsverschiedenheit und hält an Ausblick sowie Finanzpolitik fest.
  • Kevin Howard wird kommissarischer CFO, principal financial officer und principal accounting officer. Der Verwaltungsrat sucht einen dauerhaften Nachfolger, nennt aber keinen Termin.
  • Charter vollzog die Cox- und Liberty-Transaktionen am 19. August. Der erste kombinierte Quartalsabschluss muss mehrere Gegenleistungsformen, rund 12 Mrd. US-Dollar fortbestehende Schulden und Finanzierungsleasing sowie einen gemeinsamen Garantieverbund erfassen.
  • Der Wechsel ist ein Ereignis der Finanzkontrolle, kein Beleg dafür, dass die Übernahme Fischers Rücktritt verursacht hat. Entscheidend werden die Bilanz nach dem Vollzug und eine vergleichbare Brücke von 4,18-facher Vor-Transaktions-Verschuldung zum Ziel von 3,5 sein.

Der Stichtag liegt vor dem Führungswechsel

Im Form 8-K vom 31. August berichtet Charter, Fischer habe am 28. August gekündigt, um eine andere berufliche Gelegenheit wahrzunehmen. Sie soll bis zum 15. Oktober CFO bleiben und den Abschluss des am 30. September endenden Quartals unterstützen. Ihr Schritt beruhe nicht auf Differenzen über Betrieb, Richtlinien, Praktiken oder Finanzberichterstattung. Der bereits veröffentlichte Ausblick und die Finanzpolitik blieben unverändert.

Der 30. September ist der Rechnungslegungsstichtag, nicht Fischers Austrittsdatum. Der 15. Oktober ist das Wirksamkeitsdatum des Führungswechsels, kein zugesagter Veröffentlichungstermin. Damit begleitet die amtierende CFO den ersten Quartalsabschluss nach dem Zusammenschluss; die Zuständigkeit wechselt, bevor der nächste Berichtszyklus vollständig abgeschlossen ist.

Howard übernimmt gleichzeitig die Rollen als kommissarischer CFO, principal financial officer und principal accounting officer. Er kam 2002 zu Charter, ist seit 2006 Chief Accounting Officer und Controller und war bereits 2010 zwei Monate lang Interims-CFO. Seine Erfahrung schützt institutionelles Wissen, macht die Ernennung aber weder dauerhaft noch den Zeitplan der Nachfolgesuche vorhersehbar.

Neun Tage zuvor veränderte sich das Finanzbuch

Charter schloss die Transaktionen mit Cox und Liberty am 19. August ab, wie aus der Einreichung vom 20. August hervorgeht. Für die Geschäftsbereiche kommerzielle Glasfaser sowie Managed IT und Cloud zahlte Charter Cox NewCo 3,5 Mrd. US-Dollar. Charter Holdings zahlte weitere 724 Mio. US-Dollar in bar, gab 60 Millionen wandelbare Vorzugseinheiten mit insgesamt 6 Mrd. US-Dollar Liquidationspräferenz und 6,875% Kupon sowie rund 33,6 Millionen gewöhnliche Einheiten auf Basis eines Referenzpreises von 353,64 US-Dollar aus.

Rund 12 Mrd. US-Dollar Schulden und Finanzierungsleasing blieben nach dem Vollzug bei Charter-Tochtergesellschaften bestehen. Die Liquidationspräferenz ist ein eigener vertraglicher Anspruch, keine gewöhnliche Schuld. 6,875% auf 6 Mrd. US-Dollar ergeben 412,5 Mio. US-Dollar pro Jahr. Das ist eine BTW-Rechnung zum genannten Satz, keine von Charter ausgewiesene Barausgabe; Zahlungs- und Wandlungsbedingungen bestimmen die tatsächliche Wirkung.

Hier geht es weder um eine erneute Bewertung der 33,6 Millionen Einheiten noch um eine neue Eigentumsquote. Es geht um die Verantwortung dafür, Gegenleistungen und übernommene Salden in eine prüfbare Eröffnungsbilanz, einen wiederholbaren Abschlussprozess und eine Grundlage für Kapitalentscheidungen zu überführen.

Gleicher Rang macht die operative Struktur nicht einfach

Eine Einreichung vom 18. August dokumentiert vier Serien besicherter Anleihen über insgesamt 4,75 Mrd. US-Dollar. Ihre Kupons reichen von 6,050% bis 7,850%, ihre Fälligkeiten von 2032 bis 2056. Weitere Umtauschschritte wurden in der Einreichung vom 24. August gemeldet.

Am 24. August traten bestimmte Cox-Gesellschaften dem Charter-Kreditvertrag und den bestehenden Anleihebedingungen von CCO, Cox, TWC und TWCE als Garanten bei. Laut Form 8-K vom 26. August stehen die betroffenen besicherten Anleihen und der Kreditvertrag im gleichen Rang gegenüber denselben Sicherheiten und Schuldnern.

Die rechtliche Angleichung ersetzt keine operative Zuordnung. Treasury muss Fälligkeiten, Kupons, beschränkte Gesellschaften, Garantien, konzerninterne Bewegungen und Vertragsdefinitionen erfassen. Accounting muss übernommene Vermögenswerte und Verbindlichkeiten verorten, die Gegenleistung zuordnen und den neuen Kreis in Zins-, Cashflow- und Segmentberichten abbilden. Die Bündelung dreier Rollen bei Howard macht die Verantwortung sichtbar, konzentriert jedoch auch Ausführungsrisiken.

Juni ist nur die Ausgangslage vor der Transaktion

Charters Form 10-Q für das zweite Quartal wies zum 30. Juni 93,845 Mrd. US-Dollar Schuldennominal, 509 Mio. US-Dollar Liquidität und rund 3,7 Mrd. US-Dollar freie Kreditlinien aus. Die Nettoverschuldung lag beim 4,18-Fachen des Adjusted EBITDA der letzten zwölf Monate. Charter kündigte an, sein langfristiges Ziel nach dem Vollzug auf 3,5 zu setzen und Schulden abzubauen.

Diese Werte liegen vor dem Erwerb. Die übernommenen Schulden einfach hinzuzurechnen, würde Tilgungen, Finanzierungsschritte, unterschiedliche Stichtage und Erwerbsbilanzierung ignorieren. Erst der erste Quartalsabschluss nach dem Vollzug kann den kombinierten Startpunkt liefern. Bis dahin ist 4,18 eine historische Referenz und 3,5 ein Ziel, kein erreichter Wert.

Der freie Cashflow betrug 969 Mio. US-Dollar im Quartal und 2,3 Mrd. US-Dollar im Halbjahr. Die Investitionen lagen bei 2,9 Mrd. beziehungsweise 5,7 Mrd. US-Dollar; der Jahresausblick von 11,4 Mrd. US-Dollar schloss Cox aus. Übergangskosten für einheitliche Systeme und Prozesse fielen bereits an. Integration, Netz und Entschuldung greifen deshalb auf denselben Cashflow zu.

Gegensätzliche Signale begleiten den ersten gemeinsamen Abschluss

Charter verlor im Juni-Quartal 172.000 Internetkunden und gewann zugleich 406.000 Mobilfunkanschlüsse. Breitbandverluste belasten den Cashflow-Motor für die Verpflichtungen; Mobilfunkwachstum verändert Working Capital, Geräteökonomik und Netzkosten. Cox erweitert den Betriebskreis genau während des Führungswechsels.

Fischers Verbleib bis zum Abschluss erhält eine Prüfungsebene, Howards lange Zugehörigkeit eine weitere. Beides ersetzt keine abgestimmten Eröffnungssalden, einheitlichen Umsatz- und Teilnehmerdefinitionen, getesteten Konsolidierungskontrollen, getrennten Integrationskosten und keine nachvollziehbare Entschuldungsbrücke.

Die Einreichung stellt keinen Kausalzusammenhang zwischen Transaktion und Rücktritt her. Belegt ist nur: Charter vollzieht den Wechsel nach dem ersten Stichtag und übergibt das kombinierte Zahlenwerk an den Manager, der die Rechnungslegungsmaschine bereits führt.

Quellen