Zusammenfassung
- Die übrigen MBI-Investoren übten ihre Verkaufsoption am 2. Januar 2026 aus. Cable One erwartet für die noch nicht gehaltenen rund 55% einen Preis von etwa 480 Mio. Dollar; der Abschluss ist spätestens für den 1. Oktober vorgesehen.
- Bei der Vollkonsolidierung soll MBI etwa 920 Mio. Dollar Nettoschulden aus Term Loans behalten, die im November 2027 fällig werden. Diese Verpflichtung ist weder der Aktienpreis noch zwingend am Abschlusstag bar zu zahlen.
- MBIs Datenanschlüsse sanken im Jahresvergleich um 5,9%, der Quartalsumsatz um 7,1%. Zugleich stiegen Betriebsaufwand und Investitionen. Erst ein operativer Turnaround macht aus Eigentum genügend Cashflow für die Refinanzierung.
Der Aktienabschluss ist keine Schuldentilgung
Cable One besitzt bereits rund 45% der Mega Broadband Investments Holdings, die unter der Marke Vyve Broadband regionale Netze betreibt. Die anderen Gesellschafter hielten eine Put-Option auf den Rest und übten sie Anfang 2026 aus. Damit soll Cable One die verbliebenen rund 55% übernehmen, vorbehaltlich Genehmigungen und Abschlussbedingungen.
Im Bericht zum Juni-Quartal stehen zwei Zahlen mit unterschiedlicher Funktion. Rund 480 Mio. Dollar sind der erwartete Put Price für das fehlende Eigenkapital. Rund 920 Mio. Dollar sind die erwarteten Nettoschulden von MBI, wenn das Unternehmen zur hundertprozentigen Tochter wird. Die Term Loans laufen im November 2027 aus.
Zusammen ergeben sie eine grobe Belastung von etwa 1,4 Mrd. Dollar. Das ist weder der vertragliche Kaufpreis noch ein präziser Pro-forma-Unternehmenswert. Die Aktienpreisformel bezieht MBIs bereinigtes EBITDA für die zwölf Monate bis Juni 2025 und dessen Nettoverschuldung bereits ein. Abschlussanpassungen, der tatsächliche Darlehenssaldo und Cable Ones Finanzierung verändern die konsolidierte Rechnung.
Auch die Fristen unterscheiden sich. Der 480-Mio.-Dollar-Betrag wird zum Abschluss am oder vor dem 1. Oktober 2026 erwartet. Die 920 Mio. Dollar müssen nicht am selben Tag vollständig abfließen, doch ihre Fälligkeit folgt nur etwa 14 Monate später. Der Vollzug beendet den Anspruch der Verkäufer, nicht den der Kreditgeber.
350 Mio. Dollar flossen bereits 2024
Im Dezember 2024 zahlte Cable One den anderen Eigentümern 250 Mio. Dollar. Zusätzlich erhielten sie die Erlöse aus 100 Mio. Dollar neuer Verschuldung einer MBI-Tochter. Beide Transfers verringern den späteren Kaufpreis Dollar für Dollar.
Sie dürfen deshalb nicht erneut als im Oktober 2026 fälliger Betrag addiert werden. Für die wirtschaftliche Vorgeschichte bleiben sie trotzdem wichtig. Die erste Zahlung kam von Cable One; die zweite hinterließ eine Finanzierungsverpflichtung bei MBI. Laut Vereinbarung werden die neuen 100 Mio. Dollar sowie Zinsen und Gebühren aus der Nettoschuld herausgerechnet, die in die Put-Price-Formel eingeht. Aus einer Preisformel ausgeschlossen heißt nicht erlassen.
Ein früherer Abschluss würde den Preis vom 1. Oktober bis zum tatsächlichen Tag mit jährlich 12% abzinsen. Der Q2-Bericht setzte für seine Schätzungen dennoch den 1. Oktober an. Weder 480 noch 920 Mio. Dollar sind bereits endgültig abgerechnet.
Eine Kreditlinie ist kein kostenfreier Kassenbestand
Zum 30. Juni hatte Cable One 166,191 Mio. Dollar an Zahlungsmitteln. Von einer revolvierenden Kreditlinie über 1,25 Mrd. Dollar waren 550 Mio. zu 5,5% gezogen; 700 Mio. blieben verfügbar. Das Management hält vorhandenes Geld, erwartete Linienkapazität und operativen Cashflow für ausreichend, um den Put Price zu zahlen, und erwägt bei passenden Marktbedingungen zusätzliche Finanzierung.
Das benennt Quellen, aber keinen Überschuss. Cable One trug bereits 3,058 Mrd. Dollar Bruttoschulden. Im ersten Halbjahr zog das Unternehmen 575 Mio. aus der Linie, um im März fällige Anleihen zurückzuzahlen, und tilgte anschließend 25 Mio. Ungenutzte Kapazität wird nur durch eine neue verzinsliche Verpflichtung zu Geld.
Zudem schrumpft das bestehende Geschäft. Der Quartalsumsatz fiel um 8,4% auf 348,926 Mio. Dollar, das bereinigte EBITDA um 14,6% auf 173,460 Mio. Dollar. Die Investitionen stiegen um 8,2% auf 74,002 Mio. Dollar. Der operative Cashflow des Halbjahrs sank um 8,5% auf 239,077 Mio.
Die Rechnung „166 plus 700 ist größer als 480“ reicht daher nicht. Entscheidend sind der tatsächliche Abruf, Zins, Laufzeit und Sicherheiten sowie die Liquidität, die nach Übernahme von MBI für Netze, Schuldendienst und die nächste Refinanzierung verbleibt.
34% Zustimmung verschoben die Fälligkeit nicht
Im Juni bot Cable One den MBI-Kreditgebern Bargeld und neue erstrangig besicherte Cable-One-Darlehen an. Die First-out-Tranche sollte Term SOFR plus 2,25% kosten und höchstens sechs Jahre laufen. Die Second-out-Tranche sollte Term SOFR plus 3,00% kosten und spätestens sieben Jahre nach dem Abschluss fällig werden.
Wesentlich war der Sicherheitenwechsel. Die neuen Kredite sollten erstrangig durch nahezu sämtliche Vermögenswerte von Cable One und den Restricted Subsidiaries besichert werden, die schon für bestehende Linien haften. Teilnehmende Gläubiger hätten Forderungen gegen MBI gegen eine Position im breiteren Sicherheitenverbund der Mutter getauscht. Nichtteilnehmer wären Kreditgeber unter MBIs Vertrag geblieben.
Unwiderrufliche Annahmen kamen nur von Gläubigern, die etwa 34% der ausstehenden Term Loans hielten. Später erklärte Cable One, es gebe noch keine endgültige Entscheidung, man erwarte aber, das Recht zum Nichtvollzug auszuüben und andere Möglichkeiten zu prüfen.
Das schließt eine spätere Refinanzierung nicht aus. Es belegt jedoch, dass der erste veröffentlichte Weg die Fälligkeit nicht beseitigte. Bis zu einer vollzogenen Alternative bleiben November 2027 und die Zustimmung der Gläubiger eigenständige Grenzen.
Der erworbene Cashflow verliert Tempo
MBI meldete zum Juni 200.384 Data-PSUs, 12.452 weniger als ein Jahr zuvor; das entspricht minus 5,9%. Die Umsätze mit privaten Datenkunden sanken um 11,0% auf 40,623 Mio. Dollar, der Gesamtumsatz im Quartal um 7,1% auf 71,988 Mio.
Business Services wuchsen um 3,2% auf 19,432 Mio. Dollar. Gleichzeitig stieg der operative Aufwand ohne Abschreibungen und Veräußerungsgewinne um 15,0% auf 36,446 Mio., der Capex um 28,4% auf 20,261 Mio. Sinkende Einnahmen bei wachsendem Betriebs- und Investitionsbedarf erschweren die Bedienung einer festen Fälligkeit.
Im Januar hatte Cable One MBI mit rund 210.000 Datenkunden, 675.000 erreichbaren Haushalten und Unternehmen sowie ungefähr 310 Mio. Dollar Umsatz in den zwölf Monaten bis September 2025 beschrieben. Stichtage und Definitionen unterscheiden sich, sodass keine exakte Quartalsbrücke zulässig ist. Der Jahresrückgang im 10-Q ist dagegen eindeutig.
Cable One verbuchte außerdem eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 349,8 Mio. Dollar. Der Buchwert der Beteiligung fiel von 386,402 Mio. zum Jahresende auf 31,817 Mio. Dollar. Eine Abschreibung zahlt keine Schulden und prognostiziert keinen Ausgang. Sie zeigt aber, dass die Erwartungen an den bereits gehaltenen 45%-Anteil vor der Vollübernahme erheblich gesenkt wurden.
Der Wertbeweis beginnt nach der Unterschrift
Vollständige Kontrolle eröffnet echte Hebel: gemeinsamer Einkauf, einheitliche Systeme und Angebote, weniger Doppelarbeit und eine koordinierte Investitionsplanung über ein größeres ländliches Netz. Diese Hebel sind Chancen, noch kein realisierter Cashflow.
Die Beweise kommen in Reihenfolge. Zunächst zeigen die Abschlussunterlagen den endgültigen Preis und seine Finanzierung. Die erste konsolidierte Bilanz nennt dann die tatsächliche MBI-Verschuldung und neue Schulden der Mutter. Danach müssen Kundenzahl, Privatkundenumsatz, Kosten und Kapitalintensität stabilisiert werden. Schließlich braucht es eine Tilgung, Verlängerung oder Refinanzierung der 2027er Kredite.
Im starken Szenario verlangsamt sich der Kundenverlust, das Firmenkundengeschäft bleibt robust und wiederkehrende Einsparungen schaffen rechtzeitig Verhandlungsspielraum. Im schwachen Szenario wechselt zwar das Eigentum, aber der Rückgang geht weiter; dann fordern neue Geldgeber höhere Zinsen, breitere Sicherheiten oder mehr Vorrang.
Der Scheck über 480 Mio. Dollar kauft Entscheidungsgewalt. Die 920 Mio. Dollar Schulden setzen ihr eine Frist. Wert entsteht für Aktionäre nur, wenn die operative Verbesserung schneller vorankommt als der Kalender der Gläubiger.
Quellen
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