BCP-Status und der Mythos der universellen Zustimmung
Der Status ‚Best Current Practice‘ hält ein ernsthaftes Urteil der IETF fest: Ein Dokument hat den entsprechenden Überprüfungsprozess durchlaufen und drückt die derzeit beste technische oder verfahrenstechnische Meinung der Gemeinschaft aus. Das bedeutet nicht, dass jeder Implementierer teilgenommen hat, dass jedes Netzwerk die Praxis umgesetzt hat, dass jeder betroffene Benutzer zugestimmt hat oder dass jede externe Institution sie anwenden muss.

Der BCP-Status ist ein von der IETF definiertes Veröffentlichungsergebnis. Er spiegelt einen groben Konsens, eine öffentliche Überprüfung und die Genehmigung durch die IESG für eine Praxis, ein Prinzip oder eine Funktion der IETF wider. Es ist mehr als die Meinung eines Autors, aber anders als ein Internetstandard und niemals ein weltweites Plebiszit. Das Wort „aktuell“ ist eine beweispflichtige Aussage, die der Implementierung und dem Einsatz ausgesetzt bleiben muss. Ein BCP kann aktualisiert werden, aus mehreren RFCs bestehen, topologisch eingeschränkt oder durch betriebliche und institutionelle Änderungen überholt sein. Der aktuelle Index und der eingesetzte Eintrag zählen mehr als ein isoliertes Etikett auf der Titelseite. Externe Adoptanten müssen den genauen Vorschlag identifizieren, den sie übernehmen, die betroffene Bevölkerung, die Nachweise der tatsächlichen Eignung, die Alternativen, die Versionsbehandlung und ihre eigene Autorität. Sie dürfen den groben Konsens der IETF nicht in eine Behauptung umwandeln, dass alle Implementierer oder alle Internetnutzer zugestimmt haben.
