Zusammenfassung
- Zwei anfängliche CoreWeave-Aufträge laufen fünf beziehungsweise sieben Jahre. Backblaze schätzt ihren Gesamtwert auf 335,1 Millionen Dollar, weist jedoch auf Abhängigkeiten von genutzter Kapazität und weiteren Faktoren hin.
- Rund 21,7 Millionen Dollar beizulegender Zeitwert der Kunden-Warrants mindern den Vertragswert. Daraus ergeben sich durch redaktionelle Subtraktion etwa 313,4 Millionen Dollar Beitrag zu den verbleibenden Leistungsverpflichtungen.
- Das gesamte RPO belief sich am 30. Juni auf 396 Millionen Dollar: 70,4 Millionen innerhalb eines Jahres und 325,6 Millionen danach. Aus den neuen Vereinbarungen war noch kein Umsatz erfasst.
- Umsatz beginnt erst mit verfügbarer reservierter Kapazität oder betriebsbereitem Managed Storage. Hardware-Leasing, Rechenzentrumskosten und bis zu 4.194.876 Warrant-Aktien entscheiden über den verbleibenden Wert.
Ein Vertrag vom 16. Juni kann am 30. Juni noch kein Dienst sein
Backblaze unterzeichnete die Vereinbarung mit CoreWeave zwei Wochen vor Quartalsende. Der veröffentlichte Gesamtwert von rund 335 Millionen Dollar war sofort sichtbar. Die operative Leistung war es noch nicht. Laut 10-Q sollte die Umsatzrealisierung für die neuen Kapazitäts- und Managed-Storage-Modelle im dritten Quartal beginnen; bis Ende Juni waren daraus null Dollar Umsatz erfasst.
Die Vereinbarung umfasst zwei verschiedene Leistungen. Backblaze stellt B2-Objektspeicher in eigenen Rechenzentren bereit. Zusätzlich betreibt das Unternehmen eine Speicherlösung in Rechenzentren von CoreWeave. Für die erste Leistung zählt der Anteil der vertraglich zugesagten Kapazität, der tatsächlich verfügbar gemacht wurde. Für die zweite beginnt die Erfassung, sobald die Kapazität installiert und der Dienst nutzbar ist.
Damit liegt zwischen Unterschrift und Umsatz eine materielle Kette: Hardware beschaffen oder leasen, Fläche und Netz bereitstellen, Systeme installieren, Kapazität abnehmen, Dienst öffnen, abrechnen und kassieren. Der Vertrag verbessert die Planbarkeit, beseitigt aber keinen dieser Übergänge.
Die erste Rechnung ist eine Schätzung über fünf und sieben Jahre
Die anfänglichen Auftragsformulare haben Laufzeiten von fünf und sieben Jahren. Backblaze beziffert ihren aggregierten Gesamtwert auf etwa 335,1 Millionen Dollar. Im 8-K steht zugleich, dass die tatsächlich zahlbaren Beträge von der genutzten Speicherkapazität und weiteren Faktoren abhängen und abweichen können.
Das ist keine unverbindliche Absichtserklärung, aber ebenso wenig eine bereits gestellte Gesamtrechnung. Die Master-Vereinbarung und die Aufträge können unter bestimmten, teilweise geschwärzten Bedingungen beendet werden. Öffentliche Unterlagen erlauben weder eine Kündigungswahrscheinlichkeit noch die Behauptung einer bedingungslosen Garantie.
Im Verhältnis zum gesamten Quartalsumsatz von 42,713 Millionen Dollar ist die Schätzung etwa 7,85-mal so groß. Diese redaktionelle Gegenüberstellung illustriert die Größenordnung. Sie vergleicht mehrere Vertragsjahre mit einem Quartal und ist weder Umsatzrate noch Bewertungsmultiplikator.
Die zweite Rechnung beginnt 21,7 Millionen Dollar tiefer
In das RPO gelangt der Bruttowert nicht vollständig. Backblaze gab CoreWeave zwei Warrants zum Kauf eigener Stammaktien. Aktienbasierte Gegenleistung an einen Kunden wird als Minderung des Transaktionspreises behandelt. Ihr erwarteter beziehungsweise wahrscheinlicher beizulegender Zeitwert reduziert deshalb die künftigen Umsätze im selben Muster wie die zugrunde liegende Leistung.
Zum Stichtag bezifferte Backblaze diesen Wert mit rund 21,7 Millionen Dollar. Zieht man ihn von 335,1 Millionen ab, bleiben ungefähr 313,4 Millionen Dollar RPO-Beitrag. Die Investorenpräsentation rundet auf etwa 313 Millionen.
Das ist kein sofortiger Bargeldabfluss und keine Aussage, dass sämtliche Optionsrechte bereits erdient wären. Es ist der bewertete wirtschaftliche Vorteil, den der Kunde zusätzlich zum Speicherdienst erhalten kann. Backblaze gewinnt langfristige Nachfrage und gibt dafür potenziellen Anteil am eigenen Eigenkapital.
RPO und abgegrenzter Umsatz sind ebenfalls nicht dasselbe. Der abgegrenzte Umsatz betrug Ende Juni 35,358 Millionen Dollar. Er umfasst fakturierte Vertragsschulden für noch ausstehende Leistungen. RPO von 396 Millionen Dollar enthält darüber hinaus künftige, vertraglich zugesagte Umsätze, die noch nicht fakturiert sein müssen. Keiner der Werte entspricht automatisch dem Kassenbestand.
Von den 396 Millionen Dollar lagen 70,4 Millionen innerhalb eines Jahres und 325,6 Millionen später. Das sind rechnerisch etwa 17,8% und 82,2%. Diese redaktionellen Anteile sind kein Umsatzfahrplan; Bereitstellung, Nutzung und Vertragsbedingungen können den Verlauf verändern. Sie zeigen aber, dass der größte Teil der Sichtbarkeit langfristig ist.
Auch die Vergleichsbasis wurde angepasst. Seit 2026 nimmt Backblaze Verträge mit ursprünglicher Laufzeit bis zu einem Jahr in die RPO-Angabe auf und erhöhte den Vergleichswert für Dezember 2025 um 4 Millionen auf 70,2 Millionen Dollar. Der Sprung bleibt überwiegend durch CoreWeave verursacht, ist aber nicht methodenfrei.
Die dritte Rechnung verlangt betriebsbereite Kapazität
Backblazes Bilanzierung übersetzt technische Arbeit in einen finanziellen Schwellenwert. Reservierte Kapazität gilt über die Vertragsdauer als eine Leistungsverpflichtung und wird nach dem bereitgestellten Anteil erfüllt. Managed Storage erfüllt sich über die Zeit, beginnt jedoch erst nach Installation und Verfügbarkeit.
Das neue Modell verändert den Rhythmus gegenüber dem normalen B2-Geschäft. Nutzungsbasierte Gebühren werden im Verbrauchszeitraum erfasst. Abonnements laufen über ihre Dienstzeit. Ein großer Kapazitätsvertrag macht dagegen Beschaffung, Einbau und Freigabe zu sichtbaren Treibern der Konzernentwicklung.
Das Juniquartal liefert eine saubere Ausgangslage. B2 erzielte 26,578 Millionen Dollar Umsatz, 34% mehr als im Vorjahr; der Konzern erreichte 42,713 Millionen. Vom B2-Zuwachs entfielen laut Unternehmen 4,5 Millionen auf Neukunden, 1,5 Millionen auf die Preiserhöhung im Mai und 0,7 Millionen auf höhere Nutzung durch Bestandskunden.
Gleichzeitig erklärte Backblaze, dass der CoreWeave-Vertrag noch keinen Umsatz beitrug. Bestehendes Wachstum und neuer Auftragsbestand sind zwei getrennte Erfolge. Erst spätere Quartale können zeigen, wie der zweite den ersten verstärkt.
Ein sinkendes RPO wäre allein noch kein Beweis für Erfolg. Es muss mit bereitgestellter Kapazität, erkanntem Umsatz, Rechnungen und Marge abgeglichen werden. Bleibt das RPO stehen, während bereits Infrastrukturkosten anfallen, verlängert sich die Kapitalbindung. Ändert sich die Nutzung, kann auch der Gesamtwert ohne formelle Kündigung abweichen.
Die vierte Rechnung belastet Bilanz und Eigentum
Backblaze beschafft Festplatten und andere Infrastruktur gewöhnlich über Finanzierungsleasing. Das Netto-Sachanlagevermögen stieg von 57,3 Millionen Dollar im Dezember auf 70,1 Millionen im Juni. Kurz- und langfristige Finanzierungsleasingverbindlichkeiten erhöhten sich zusammen von etwa 36,2 Millionen auf 46,7 Millionen Dollar.
Die Veränderungen sind nicht vollständig CoreWeave zuzuordnen. Sie zeigen jedoch eine wachsende physische Plattform. Die Umsatzkosten erhöhten sich im Quartal um 2,6 Millionen Dollar. Davon entfielen 1 Million auf zusätzliche Abschreibung für in Betrieb genommene Infrastruktur und 0,9 Millionen auf Mieten und Gebäudekosten für die Kapazitätserweiterung. Die Bruttomarge blieb bei 63%.
Finanzierung hat ihren Preis. Der gewichtete Diskontsatz für Finanzierungsleasing betrug 12,9%. Am 30. Juni ließ Backblaze die im Kreditvertrag zulässige Kapitalleasing-Verschuldung auf 150 Millionen Dollar erhöhen. Das ist eine Obergrenze, keine bereits gezogene Schuld, eröffnet aber Spielraum für weitere Hardware.
Auf der Eigenkapitalseite umfasst der erste Warrant 3.053.314 Aktien zu 7,60 Dollar und wird über fünf Jahre in zwanzig gleichen Quartalstranchen erdient, solange der betreffende Auftrag läuft. Der zusätzliche Warrant umfasst 1.141.562 Aktien; seine Tranchen hängen von Bestellungen für Managed-Storage-Kapazität ab und werden anschließend zeitlich erdient.
Bei Beendigung stoppt künftiges Vesting, während bereits erdiente Rechte grundsätzlich ausübbar bleiben können. Zum Quartalsende waren alle 4.194.876 Aktien noch nicht erdient. Die Maximalzahl entsprach etwa 6,8% der ausstehenden Class-A-Aktien, war also mögliche und nicht bereits eingetretene Verwässerung.
Die Ausübung kann bar oder unbar erfolgen. Bei einer Nettoausübung könnte Backblaze Verwässerung erleben, ohne den vollen Ausübungspreis als Liquidität zu erhalten. Kundentreue, Umsatz, Cashflow und Eigentumsanteil bewegen sich daher nach unterschiedlichen Regeln.
Der Vertrag beweist Nachfrage, noch nicht deren Rendite
Backblaze hob seine Umsatzprognose für 2026 auf 172 bis 174 Millionen Dollar an und stellte für 2027 ein richtungsweisendes B2-Wachstum von mehr als 40% in Aussicht. Der Vertrag stützt diese Zuversicht, doch es gibt keinen veröffentlichten Quartalsplan für die 313,4 Millionen Dollar RPO.
Strategisch wird Backblaze vom separaten Objektspeicher zum Kapazitätspartner eines KI-Cloud-Anbieters. Der Betrieb in CoreWeaves eigenen Rechenzentren kann die Beziehung verankern und Wechselkosten erhöhen. Zugleich kann ein einzelner Kunde mit dieser Größenordnung Produkt, Standort, Support und Finanzierung stärker beeinflussen.
Die richtige Lesart liegt zwischen Euphorie und Zynismus. 335 Millionen Dollar sind nicht bereits verdient. RPO ist dennoch mehr als Marketing, weil es aus bestehenden Kundenverträgen stammt. Der wirtschaftliche Abschluss entsteht erst, wenn Schätzung, RPO, bereitgestellter Dienst und Kapitalrechnung in nachvollziehbaren Schritten zusammenlaufen.
Quellen
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